Der Pass – Staffel 1 [Review]

Eine Serie rund um einen mysteriösen Mord gepaart mit grandiosen Natur-Aufnahmen geht ja seit „True Detective“ irgendwie immer. Dennoch ging „Der Pass – Die rote Jahreszeit bricht an“ , das bereits im Jahr 2019 auf Sky lief, voll an mir vorbei und weckte jetzt erst mit der zweiten Season das Interesse bei mir.

Und die Serie geht auch richtig gut los…so findet man an der deutsch-österreichischen Grenze in den Bergen eine Leiche in einer seltsamen Pose, die die Neugier beider Länder auf sich zieht. Wobei die deutsche Ermittlerin Ellie Stocker wesentlich engagierter an die Sache rangeht als ihr österreichischer Kollege Gedeon Winter. Dieser ist nämlich ganz froh als sich abzeichnet, dass die deutsche Polizei hier die Verantwortlichen sind. Als dann jedoch weitere Morde geschehen, wird auch er wieder mit in die Sache involviert und so gründet man eine gemeinsame Einheit für die Ermittlungen gegen den mysteriösen Serienmörder, der unter anderem als Krampus eines seiner Opfer aufgesucht hat.
Können Winter und Stocker den Krampus-Killer finden? Und warum tötet dieser seine Opfer auf so grausame Art und Weise?

Die erste Staffel von „Der Pass“ gefiel mir insgesamt gesehen recht gut. Inhaltlich wird der Spannungsbogen eine lange Zeit aufrecht erhalten, so dass man ordentlich mitermitteln kann. Dennoch muss man sagen, sind einige Taten und Handlungen so extrem konstruiert, dass einem die Blödheit des Agierens manchmal schon echt weh tut. Das betrifft leider vor allem die ermittelnde Ellie Stocker, deren Schauspielerin – Julia Jentsch – leider auch nicht wirklich überzeugen kann. Vor allem in emotionaler Hinsicht war das ein Total-Aufall, denn egal was gerade passiert, Frau Stocker bzw. Jentsch quittiert das mit dem immer gleichen Gesichtsausdruck. Schade!

Auch hätte ich mir vor allem zu Gedeon Winter noch ein paar mehr Hintergrund-Infos gewünscht. Was in seiner Vergangenheit passiert ist, wäre definitiv auch spannend gewesen.

In Sachen audiovisueller Gestaltung kann man hier den oben schön erwähnten Vergleich zu „True Detective“ ziehen. Die Kamera fängt immer wieder beeindruckende Bilder der Alpen und der Natur ein, was meist von einem tollen Soundtrack untermalt wird. Großes Kino für eine (deutsch-österreichische) TV-Serie. Apropos: „Der Pass“ basiert auf einer schwedisch-dänischen Produktion namens „Die Brücke“ von der es schon zahlreiche andere Ableger, u.a. aus den USA und Malaysia, gibt.

Erschienen ist die achtteilige Sky-Produktion „Der Pass“ beim Label Eye See Movies, das mir freundlicherweise auch dieses Muster zur Verfügung gestellt hat. Die beiden Blu-rays befinden sich dabei in einem Digipack samt Booklet mit Infos zu Dreharbeiten, Schauspieler*innen und den Folgen. Sehr kurios: die Dialoge der Österreicher sind standardmäßig untertitelt, zum Glück kann man diese Untertitel aber im Menü deaktivieren.

Aktuell läuft Staffel 2 von der „Der Pass“ auf Sky. Wann hier mit einer Heim-Auswertung zu rechnen ist, steht noch nicht fest.

Warten auf’n Bus Staffel 1 & 2 [Review]

Während der deutsche Film im Genre-Bereich sich immer noch recht schwer tut, ergeht es da der Serien-Landschaft doch etwas besser. Zum einen sind da echte Kracher dabei wie „4 Blocks“ oder „Bad Banks“, aber auch experimentellere Sachen wie „Spides“ haben mir in den letzten Jahren gut gefallen. Wenn es um Comedy-Serien geht, darf man natürlich auch nicht den Tatortreiniger Heiko Schotte vergessen, der in der gleichnamigen TV-Serie für unzählige, unvergessliche Momente gesorgt hat.

Umso spannender fand ich den Vergleich auf der Verpackung von „Warten auf’n Bus“, einer vom RBB produzierten TV-Serie mit zwei Staffeln. In dieser geht es um die beiden Arbeitslosen Hannes und Ralle, die sich tagtäglich an der Dorf-Bushaltestelle irgendwo im Brandenburger Niemandsland treffen. Dort wird nicht nur das ein oder andere Bierchen getrunken, sondern man sinniert auch über allerlei gesellschaftliche Aspekte. Obendrein ist es dann immer das Highlight des Tages, wenn Busfahrerin Kathrin an der Haltestelle ihren Stopp einlegt.

„Warten auf’n Bus“ hat mich über die fünfzehn Folgen hinweg gut unterhalten. Trotzdem fiel mir der Einstieg recht schwer, viele Dialoge sind aufgrund des Dialekts manchmal nicht so gut verständlich, auch waren die Themen häufig nicht so spannend. Aber nach und nach schließt man die beiden Eigenbrötler ins Herz und gegen Ende waren ein paar wirklich gute Episoden dabei. Dennoch hinkt der Vergleich mit „Der Tatortreiniger“ auf dem Cover aber doch sehr…gefühlvoller, intelligenter Humor wird hier schon geboten, aber Schottys Aufträge waren wesentlich bissiger und besser auf den Punkt gebracht.

„Warten auf’n Bus“ erscheint bei Eye See Movies auf DVD und Blu-ray. Beide Staffeln sind sowohl einzeln, aber auch als Set zu bekommen und beinhalten neben je einem informativen Booklet auch ein paar Extras auf der Disc. Mir wurden beide Seasons freundlicherweise als Muster zur Verfügung gestellt.

#Japanuary 2022 Film 8 – Helter Skelter

Trommelwirbel, bitte! Hier kommt die Besprechung des letzten Films des 2022er Japanuary…“Helter Skelter“ von der Regisseurin Mina Ninagawa. Alteingesessene Leser*innen des Blogs haben sicherlich noch die alte Review vom Juli 2013 im Kopf…das habt ihr doch, oder? Schon damals konnte mich das Drama um das japanische Top-Model Lilico begeistern, daher wollte ich den Film unbedingt mal wieder anschauen.

Lilico ist DER Shooting-Star der japanischen Modewelt und findet sich monatlich auf zahlreichen Magazin-Cover und in Werbespots wieder. Dank ihrer Beliebtheit ist sie außerdem Gast in zahlreichen Talkshows und spielt kleinere Rollen in TV-Serien. Ihre makellose Schönheit sorgt schlicht und einfach dafür, dass sie ein tolles Leben führen kann wie sie es sich immer schon gewünscht hat.

Doch das Alles hat einen Preis, denn Lilicos Aussehen war ihr nicht von Geburt an gegeben. Dank finanzieller Unterstützung ihrer „Mama“, der Managerin Hiroko, hat sie in zahlreichen Schönheits-OPs ihr heutiges Aussehen bekommen. Als Lilico eines Tages einen Fleck auf der Stirn entdeckt, muss sie sich einer weiteren Operation unterziehen, außerdem muss sie fortan Medikamente nehmen, um ihr Aussehen zu erhalten.

Das, die brüchige Beziehung zu ihrem Freund und eine neue Konkurrentin in Form des jüngeren Models Kozue, treiben Lilico langsam in den Wahnsinn und treiben sie zu einigen garstigen Manövern. Dass abseits davon auch noch die Polizei gegen die Beauty Klinik wegen Organhandel & Co. ermittelt, in der sie sich operiern lässt, sorgt nur weiter für Lilicos Zerfall.

„Helter Skelter“ basiert auf dem gleichnamigen Manga von Kyoko Okazaki. Ergänzend zum Film kann man sich diesen auch mal anschauen, der Film ist aber aufgrund seiner Bildgewalt die empfehlenswertere Umsetzung. Kein Wunder, sind Ninagawas Filme doch durch die Bank sehr stylische und hübsche Erlebnisse. Die Farben sind knallig, die Sets ideenreich und toll ausstaffiert. Obendrauf kommen noch die ansehnlichen Menschen wie Erika Sawajiri als Lilico und fertig ist das Eyecandy.

Und inhaltlich? Ja, auch in Sachen Story gefällt „Helter Skelter“ mit seinem Mix aus Drama und Psycho-Thriller, erinnert oft an den grandiosen Anime „Perfect Blue“ von Satoshi Kon garniert mit ein bißchen Body Horror. Sawajiri spielt Lilico sehr überzeugend, mal verführerisch, mal verletzt, mal als echtes Miststück. Da hat man wirklich Mitleid mit ihrer Assistentin, dem Make-up-Artist & Co. Auch die Geschichte rund um die Ermittlungen um die Beauty Klinik störten mich jetzt nicht mehr so sehr wie damals, dennoch finde ich sie immer noch fast überflüssig für die Geschichte. Entweder also ganz weglassen oder noch mehr davon erzählen…aber das ist nur ein kleiner Makel, der Rest ist tolles japanisches Kino! Ach, das muss man auch noch erwähnen: der Soundtrack ist interessant gewählt, unter anderem gibt es zum Einstieg Nina Hagen zu hören, später dann die „Ode an die Freude“…das unterstreicht den Wahnsinn des Films recht gut.

Leider gibt es „Helter Skelter“ auch zehn Jahre nach seinem Release nicht im Westen auf DVD oder Blu-ray. Ich konnte damals zum Glück letztere aus Hong Kong ergattern, die aber leider eine Code A-Disc ist. Daher ist ein freigeschalteter Player ein Muss. Die Disc bietet den japanischen O-Ton und englische sowie chinesische Untertitel, an Extras sind der Trailer und TV-Spot vorhanden. Also nichts besonders…

#Japanuary 2022 Film 7 – The Snake Girl and the Silver-Haired Witch

Der #Japanuary 2022 neigt sich langsam dem Ende zu und somit folgen heute nun die Besprechungen zu Film 7 und 8 hier auf meinem kleinen Blog. Das vorletzte besprochene Werk ist somit Noriaki Yuasas Gruselspaß „The Snake Girl and the Solver-Haired Witch“ aus dem Jahre 1968, der sich thematisch in Richtung des ersten diesjährigen Japanuary-Films „The Great Yokai War“ bewegt. Es geht nämlich um mystische Wesen…

Das Mädchen Sayuri lebt aktuell in einem Waisenhaus, das von Nonnen geführt wird. Eines Tages kann sie zurück zu ihrer eigentlichen Familie, die sie dort ausfindig gemacht hat. Doch die anfängliche Euphorie weicht recht schnell der Angst vor seltsamen Ereignissen im Haus. So ist die Mutter geistig nicht ganz bei sich, empfängt Sayuri dennoch sehr warmherzig in der Familie. Doch nachdem ihr Vater, der sich beruflich mit exotischen und hochgiftigen Tieren beschäftigt, auf eine Dienstreise muss, wird das Leben für Sayuri immer beschwerlicher.

Grund dafür ist die plötzlich aufgetauchte Schwester Tamami, die bisher ihr Dasein auf dem Dachboden fristen musste. Einer der Gründe dafür scheint vor allem ihr entstelltes Gesicht zu sein, doch auch so scheint irgendwas nicht mit ihr zu stimmen. Schon bald vermutet Sayuri, dass ihre Schwester in Wirklichkeit eine Schlange ist und ihr nach dem Leben trachtet.

„The Snake Girl and the Silver-Haired Witch“ ist kein wirklich gruseliger Film. Dafür wirken die Effekte zu altbacken und die Schockmomente zu lasch und vorhersehbar. Man könnte fast meinen, dass man es mit einem kinderkompatiblen Grusel-Film zu tun hat, der auch gar nicht sonderlich erschrecken wollte.
In diese Richtung zielt auch etwas die Auflösung des Ganzen, aber das müsst ihr dann schon selber herausfinden.

Mir persönlich hätte etwas mehr Charakteraufbau gut gefallen, selbst die „Schlangenschwester“ Tamami bleibt etwas blass und platt. Aber gut, der Film läuft halt auch nur 82 Minuten…Ansonsten wird einem hier ein atmosphärisches Werk präsentiert, das sicherlich die ein oder andere Länge hat. Einen spannenden Fakt zum Regisseur gibt es noch zu berichten: dieser hat sich seine Brötchen vor allem mit der Arbeit an „Gamera“-Filmen verdient, so unter anderem mit dem Erstling. Und wie es der Zufall will, war der Teil meines letztjährigen #Japanuary-Line-ups(siehe HIER).

„The Snake Girl and the Silver-Haired Witch“ gibt es auf Blu-ray vom britischen Kult-Label Arrow Films. Diese kommt in einem schönen Schuber daher und hat mit einem Interview, dem Trailer und einem Kommentar von David Kalat außerdem einige Extras an Bord der Disc. Obendrauf gibt es – wie üblich beim Label – ein informatives Booklet, das sich mit den Hintergründen des Films befasst.

#Japanuary 2022 Film 6 – Blind Beast

Im vergangenen Jahr habe ich an dieser Stelle den Film „Irezumi“ besprochen(mehr dazu HIER), der unter der Regie von Yasuzo Masamura entstand. Der Regisseur war einer der ersten, den ich im Rahmen meiner Begeisterung für japanische Exploitation-Werke wahrgenommen habe, doch leider habe ich sein Schaffen nie so wirklich verfolgt. „Blind Beast“ war mir zwar schon recht lange bekannt – u.a. gibt es ein deutsches DVD-Release von REM – doch irgendwie verschwand der Film und sein Regisseur lange aus meinem Fokus. Und nachdem ich „Blind Beast“ nun endlich gesehen habe, frage ich mich: WARUM?!?

Der Film aus dem Jahr 1969 handelt von einem blinden Künstler namens Michio und einem Model namens Aki. Nachdem diese dank einer Ausstellung eines Fotografen und Skulpteurs zu lokalem Ruhm kam, wird auch Michio auf sie aufmerksam. Zusammen mit seiner Mutter entführt er die junge Frau und will sie fortan als Muse und Vorlage für die Skulptur eines perfekten Frauenkörpers nutzen. Eingeschlossen in einer Lagerhalle voll seltsamer Kunstwerke, versucht sie fortan vor Michio zu fliehen. Doch so recht gelingen will ihr das nicht und so entwickelt sich langsam eine sehr skurrile Beziehung zueinander…

„Blind Beast“ ist wirklich eine Bestie an Film. Wägt man sich anfangs noch in Sicherheit und meint zu wissen, was einen da alles noch erwartet, dreht der Film in der zweiten Hälfte voll auf und präsentiert menschliche Abgründe deluxe. Mehr will ich hier gar nicht verraten, aber Fans des Genre Eroguro – also des Erotisch-Grotesken – kommen definitiv auf ihre Kosten. Kein Wunder, basiert der Film doch auf einem Werk von Edogawa Rampo, der berühmt für seine Werke aus diesem Genre ist.

Wie schon erwähnt, ist der Film in Deutschland vom Label Rapid Eye Movies auf DVD erschienen. Ich besitze die britische Blu-ray des Labels Arrow Video, das dem Film ein angemessenes Paket geschnürt hat. Neben einem Wendecover mit japanischem Kinoplakat, gibt es auch noch ein informatives Booklet mit einem Essay zum Film und der umfangreichen Filmographie des Regisseurs. Auf der Disc finden sich außerdem ein Audiokommentar und weitere Boni.

#Japanuary 2022 Film 5 – Ghost in the Shell 2: Innocence

Nachdem es vergangene Woche schon den großartigen Erstling im Rahmen des #Japanuary 2022 gab, wollte ich mir auch endlich mal wieder „Ghost in the Shell 2: Innocence“ anschauen. Die letzte Sichtung dieses Films liegt nämlich schon wieder viel zu lange zurück und auch die Erinnerung daran verblasste langsam.

Der zweite große „Ghost in the Shell“-Film erschien im Jahr 2004, also fast zehn Jahre nach dem ersten Teil, und entstand erneut unter der Regie von Mamoru Oshii. Und auch wenn man nach dem relativ ähnlichen Intro, in dem man wieder die Herstellung eines Cyborgs zu atmosphärischer Musik verfolgen kann, vermutet, dass man hier „more of the same“ bekommt, geht der Film in eine andere Richtung. Denn nachdem – ACHTUNG: SPOILER!! – Motoko Kusanagi am Ende des ersten Teils verschwindet, dreht sich der Film primär um ihren Sektion 9-Partner Batou.

Dieser wird an einen Tatort gerufen, an dem ein Cyborg mehrere Polizisten getötet hat und sich anschließend selbst in die Luft sprengt. Dabei ist dies nicht der erste Fall, in dem dieses spezifische Modell anderen Schaden zufügt und so beginnt er zusammen mit seinem neuen Partner Togusa mit den Ermittlungen. Relativ schnell wird klar, dass die Cyborgs hauptsächlich zu einem Zweck gebaut werden, sie sind Sexroboter. Doch was steckt hinter dem Verhalten der Cyborgs?

„Ghost in the Shell 2: Innocence“ verzichtet erneut auf einen riesigen aufgeblasenen Fall und bewegt sich in einem eher kleineren Rahmen. Dabei werden die Ermittlungsarbeiten von Batou und Togusa aber von einem deutlicheren Schwerpunkt auf philosophische Fragen begleitet, so gibt es eine komplette Sequenz, die sich deutlich als Mindfuck klassifizieren lässt und auch so gibt es immer wieder mal bedeutungsschwangere Dialoge auf die Ohren. Generell hat der Film eine gewisse Schwere, was mir persönlich den Zugang schon immer ziemlich…ja…schwer gemacht hat.

Auch optisch war ich mit „Innocence“ noch nie so ganz glücklich, einige CGI-Effekte wirkten schon im Jahr 2004 veraltet und sind heutzutage noch schlimmer anzuschauen. Doch durch den Einsatz von Computergrafiken bekommt der Film auch seine ganz spezielle Atmosphäre. Ein echt zweischneidiges Schwert! Freunde von klassischer Animation kommen dennoch auf ihre Kosten, die Bewegungen der Figuren sehen gut aus und die vielen Details in den Hintergründen sorgen für eine lebendige Welt. Auch die wenigen Actionszenen machen deutlich, dass Herr Oshii sein Werk versteht.
Mal wieder ein Highlight ist der Soundtrack, der erneut von Kenji Kawai beigesteuert wurde und der sich mit seiner Mischung aus Synthie-Sounds und Chören extrem am Erstling orientiert.

„Ghost in the Shell 2: Innocence“ ist sicherlich kein Meisterwerk wie es noch der erste Film aus dem Jahr 1995 war. Er ist einfach sehr sperrig und der grimmige Batou als Hauptfigur ist sicherlich auch nicht die erste Wahl für einen erfolgreichen Film. Andererseits hat man sich damit etwas getraut und nicht einfach der bewährte Erfolgsrezept stumpf wiederholt.

Ich habe den Film auf der südkoreanischen Blu-ray von Mirage Entertainment angeschaut. Diese ist regionfree und bietet neben dem japanischen O-Ton auch koreanische und englische Untertitel. Es gibt den Film zwar auch auf einer deutschen Blu-ray, doch diese hat das grauenhafte Cover, das damals von Dreamworks angefertigt wurde. Aufgrund eines speziellen Deals für die West-Veröffentlichung haben diese „Innocence“ in 2004 nämlich unter ihrer Flagge vermarktet und dabei Coverbild des Schreckens gestaltet.

#Japanuary 2022 Film 4 – Ghost in the Shell

Einer meiner ersten Kontakte in Sachen Manga waren die Werke von Masamune Shirow. Das begann alles mit dem grandiosen „Appledseed“ und ging dann ganz flott zu „Ghost in the Shell“. Schon damals begeisterte mich die Cyberpunk-Welt mit ihren neuralen Schnittstellen, dem einzigartigen Design und den dargestellten Umständen. Selten zuvor wirkte ein Kosmos so durchdacht, obendrein gab es mit Motoko Kusanagi noch eine toughe und coole Hauptprotagonistin.

Doch so sehr ich den Manga mochte, der Anime aus dem Jahr 1995 hatte gehörige Anlaufschwierigkeiten in meinem Anime-Kosmos. Ich erinnere mich noch sehr genau an das erste Einlegen der VHS – ja, so alt bin ich – und die ersten Minuten des Films. Das eher realistische Design der Charaktere hat mich eher abgeschreckt, war ich doch den klassischen Manga-Look des Originals gewohnt. Doch in Sachen Inhalt enttäuschte mich „Ghost in the Shell“ nicht, auch die damals wegweisende Inszenierung sorgte für den ein oder anderen Begeisterungssturm vor der Glotze. Doch stop…worum geht es eigentlich?

In dem Anime von 1995, der unter der Regie von Mamoru Oshii entstand, geht es um Motoko Kusanagi und ihre Einheit bei Sektion 9. Ein vermeintlicher Hacker namens Puppet Master treibt sein Unwesen und beeinflusst nicht nur hochrangige Politiker, sondern missbraucht auch einfache Menschen für seine Pläne.
Während man zunächst recht schnell Ergebnisse liefern kann, wird aber auch klar, dass es sich hierbei nicht um einen gewöhnlichen Hacker handelt.

Mehr sollte man zu dem Film nicht verraten, es soll ja schließlich spannend bleiben. Und „Ghost in the Shell“ lohnt sich…der Anime begeistert nicht nur mit seiner Geschichte voll existenzieller Fragen, auch die Inszenierung ist auf einem Top-Niveau. Kein Wunder, dass sich unter anderem die „Matrix“-Macher hier an einigen Elementen bedient haben. Schon alleine die Anfangssequenz samt Intro, in dem man die Produktion eines Cyborgs nachverfolgen kann, könnte ich mir immer und immer wieder anschauen. Das ist natürlich auch der Musik von Kenji Kawai geschuldet, der die Szenerie hier mit perfekten Synthie-Sounds unterlegt.

Hier stimmt einfach alles. Es gibt keine Ausrede, den Film nicht zu schauen. Auch wer nichts mit Anime anfangen kann, hat hier aufgrund des gewählten Artstyles nichts zu befürchten.
„Ghost in the Shell“ gibt es auf zahlreichen Formaten…DVD, Blu-ray und in den USA sogar schon auf 4K-UHD. Ich selbst besitze die britische Blu-ray im Steelbook, welche absolut in Ordnung geht. Solltet ihr euch den Film noch anschaffen wollen, ignoriert bitte die fürchterliche 2.0-Version des Anime. Neben einer anderen Farbgebung hat man den Film nämlich vor allem mit neuen CGI-Sequenzen „verschönert“. Fürchterlich!

#Japanuary 2022 Film 3 – Ritual

Hideaki Anno kennt man natürlich vor allem durch sein Meisterwerk „Neon Genesis Evangelion“ und andere Vorzeige-Anime wie „Gunbuster“ oder „Nadia – The Secret of Blue Water“. Doch der Gute hat sich auch schon immer im Bereich der Realfilme ausgetobt und mit „Shin Godzilla“ wohl einen der besten Einträge in der Film-Reihe geschaffen. Neben Klamauk wie der Anime-Verfilmung „Cutie Honey“ und dem bekannten „Love & Pop“, ist „Ritual“ eines seiner weiteren Werke aus dem Live Action-Segment.

In dem Film geht es um einen jungen Filmregisseur(gespielt von Regisseur Shunji Iwai), der in seine Heimatstadt Ube zurückkehrt. Die Beweggründe dafür sind nicht wirklich klar, anscheinend brauchte er eine Pause von der Arbeit an einem aktuellen Projekt. Doch eigentlich ist das alles auch irrelevant, denn hier geht es vor allem um die Beziehung zu einer jungen Frau(Ayako Fujitani…einfach großartig), die er eines Tages an den Bahngleisen trifft. Diese fällt ihm aufgrund ihres extrovertierten Äußeren sofort auf und übt eine gewisse Faszination auf ihn aus.
Von da an laufen sich die beiden regelmäßig über den Weg, die Gespräche werden intimer, die Beziehung zueinander enger. Und jeden Tag erzählt ihm die junge Frau, dass sie morgen Geburtstag hätte.

„Ritual“, oder „Shiki-Jitsu“ im Original, kann man eigentlich als Experimentalfilm bezeichnen. Viele Sachverhalte werden nicht direkt erklärt, sondern eher mit der Art der Inszenierung verdeutlicht. Das macht den Einstieg nicht gerade einfach, was auch an den sehr seltsamen Dialogen zu Beginn liegt. Doch der Film lässt den Zuschauer so schnell nicht mehr los. Zu faszinierend zeigt Anno den Aufbau der Beziehung der beiden und natürlich will man auch unbedingt wissen, was hinter den täglichen Geburtstagsankündigungen steckt.
Dass es letztlich vor allem um psychische Erkrankungen und den Umgang damit geht, ist kein Spoiler und wird relativ schnell klar. Und auch hier beweist Anno das richtige Gespür fürs Thema, was sicherlich auch an seinen eigenen Erfahrungen mit den Auswirkungen einer Depression liegt. Das ist alles so sensibel und niemals platt oder klischeehaft inszeniert…richtig toll! Obendrauf gibt es übrigens einen sehr hörenswerten Soundtrack mit instrumentalen Tracks und ein paar spannenden Indie-Nummern. Großes japanisches Kino!

Leider hat es „Shiki-Jitsu“ nie so wirklich in den Westen geschafft…eine Schande! Der Film, der übrigens von einem Nebenarm von Studio Ghibli produziert wurde, ist lediglich in Japan auf DVD und Blu-ray erhältlich. Ich besitze ihn als Teil der Hideaki Anno Live Action Film Collection, die auch „Cutie Honey“ und „Love & Pop“ beinhaltet. Glücklicherweise sind alle Filme darin englisch untertitelt, und die Discs sind regionfree.

Statt einem Trailer gibt es hier einen tollen kleinen Musikclip mit dem Song „Little Dark Age“ von MGMT, untermalt mit Szenen aus „Ritual“.

#Japanuary 2022 Film 2 – Hanging Garden

Filme von Toshiaki Toyoda begleiten mich schon seit vielen Jahren und seit den Anfängen meiner Begeisterung für japanische Filme. Und auch wenn Titel wie „9 Souls“ oder „Blue Spring“ immer eine gewisse Faszination auf mich ausüben konnten, war nie der richtig große Kracher dabei.

Doch in meiner Neugierde über einige der enthaltenen Filme griff ich im vergangenen Herbst erneut zu einem Release von Third Window Films, das sich auf mehreren Discs mit Toyodas Werken aus den Jahren 2005 bis 2021 beschäftigt…zumindest mit den meisten davon.

Und da steh ich also nun mit meiner Blu-ray von „Hanging Garden“ und bin nach der Sichtung vollkommen hin und weg. Was war das denn eben? Geht man von den ersten Minuten des Films und bekannten Postern und Artworks aus, erwartet einen hier eine leichte und vielleicht auch kitschige Geschichte über die vierköpfige Familie Kobayashi, doch was sich dann in den 110 Minuten daraus entspinnt, ist der reine Wahnsinn!

Wir verfolgen dabei hauptsächlich die Geschichte der Mutter Eriko, die alles dafür in die Wege leitet, um das Familienidyll aufrechtzuerhalten. Man habe voreinander keine Geheimnisse, hießt es einmal während eines Familienessens und so teilen die Eltern auch gerne die Informationen mit ihren Kindern, wo und unter welchen Umständen diese gezeugt wurden. Doch spätestens mit dem ersten Auftreten von Erikos Mutter kommt sowas wie Unbehagen auf, irgendwas scheint nicht zu stimmen. Auch der, ach so glückliche Ehemann betrügt seine Frau munter, während die Tochter sich in einem Love Hotel für ein Schmuddelmagazin ablichten lässt. Dass es hier irgendwann mal zu einer Explosion kommen muss, dürfte also klar sein.

Mehr will ich zu „Hanging Garden“ auch gar nicht verraten. Oft fühlte ich mich an Miikes „Visitor Q“ erinnert(besprochen an dieser Stelle), nur dass dieser Film hier mit weniger Muttermilch auskommt. Dennoch wird auch hier die Situation der japanischen Familien gut dargestellt, analysiert und auseinandergenommen. Und das alles wird angereichert mit schön gefilmten Bildern, einem zauberhaften Soundtrack und einigen echt skurrilen Momenten, die wirklich überraschen können.

Wie oben schon erwähnt, ist „Hanging Garden“ Teil der neuen Toshiyaki Toyoda-Box, die im Oktober 2021 beim britischen Label Third Window Films erschienen ist. Ansonsten ist die Verfügbarkeit des Films nicht die beste. Wem es speziell nur um diesen Film geht, kann sich auch nach der japanischen DVD umschauen. Diese hat nämlich sogar englische Untertitel mit an Bord.

#Japanuary 2022 Film 1 – The Great Yokai War

Ihr wisst was los ist…im Januar ist #Japanuary-Zeit! Es gilt also mal wieder acht Filme aus dem Land der aufgehenden Sonne zu sichten und diese zu besprechen. Den Anfang macht in diesem Jahr „The Great Yokai War“ von keinem geringeren als Takashi Miike.

Anfang der 2000er hatte der japanische Film eine echte Hochphase in Deutschland, was unter anderem auch Mister Miike geschuldet war, der sich mit „Audition“, „Dead or Alive“ und „Gozu“ einen gewissen Ruf erarbeitet hatte. Seine Filme versprachen viel Gewalt, nackte Haut und Yakuza mit dicken Eiern. Umso verwirrter war für mich die damalige Ankündigung, dass er mit „The Great Yokai War“ nun einen Kinderfilm machen würde. Miike und Kids?!?! Das wollte so gar nicht zusammenpassen, aber – und so viel kann man vorab verraten – der Film ist eine echte Überraschung.

Der junge Tadashi ist mit seiner Mutter aufs Land gezogen, da diese sich von ihrem Mann getrennt hat. Nun wohnen die beiden also bei dem seltsamen Großvater, Tadashi vermisst aber sowohl seine Schwester in Tokyo und kommt außerdem in der Schule so gar nicht klar. Als er eines Tages bei einem Dorffest aber zum Kirin Rider ernannt wird und das Dorf beziehungsweise ganz Japan plötzlich von einer finsteren Schar an Dämonen bedroht wird, nimmt er all seinen Mut zusammen und stellt sich der Herausforderung. Hilfe bekommt er dabei von einigen Yokai, japanischen Geisterwesen, die dem Schurken eigentlich als Futter für seine diabolische Maschine dienen sollen.

„The Great Yokai War“ ist von Minute 1 an ein unterhaltsames Abenteuer für Jung und Alt. Auch wenn sich Miike inhaltich hier schon sehr auf die jüngere Zuschauerschaft konzentriert hat, gibt es doch so einige gruselige und brutale Momente. Und auch in sexueller Hinsicht gibt es die ein oder andere subtile Szene, zum Beispiel mit der Flussgöttin Kawahime oder Chiaki „Gogo“ Kuriyama. Miike schafft es also seine Elemente für die er berühmt und berüchtigt ist, auch in einem Kinderfilm unterzubringen. Ein echter Regie-Gott!

Ganz hervorragend sind aber auch die unterschiedlichen Yokai gelungen. Wenn man für die fantasievollen Geisterwesen nur ein bißchen was übrig hat, wird man hier seinen Spaß haben. Egal ob scheinbar nutzloser Bohnenzähler, der einbeinige Regenschirm oder der klassische Kappa…das ist schon großes Kino. Ja, der ein oder andere Effekt sieht mal nicht ganz so professionell aus und wirkt schlecht gealtert, vor allem bei CGI-Monstern, aber darüber kann man meist gut hinwegsehen.

„The Great Yokai War“ macht über seine zwei Stunden Laufzeit durchgehend Spaß und gefällt mit seinen skurrilen Einfällen und vor allem den vielen verschiedenen Yokai. Humor, Spannung, Abenteuer…fast fühlt man sich an eine japanische Variante von „The Goonies“ erinnert…nur mit Kappas und feuchten Fluss-Prinzessinen…und epischer!
Wer sich nun auf die Suche nach dem Film begeben möchte: in deutscher Sprache gibt es „The Great Yokai War“ nur auf DVD und das auch nur noch in gebrauchter Form. Ansprechend präsentiert wird der Film aber in der neuen „Yokai Monsters Collection“ von Arrow Video. Dort gibt es neben Miikes Werk auch noch die drei Filme „100 Monsters“, „Spook Warfare“ und „Along with Ghosts“ aus den späten 60er Jahren. Obendrauf beinhaltet die Box neben massig Extras auf Disc auch noch einen Yokai Guide und ein kleines Büchlein mit Infos zu den Filmen und einigen Yokai-Artikeln. Darunter unter anderem einer über Mangaka Shigeru Mizuki, der auch in „The Great Yokai War“ als einer DER Zeichner thematisiert wird, wenn es um Yokai geht.