Echter Männersport: Madden NFL 25 für die Playstation3

Madden 11, Madden 12, Madden 13, Madden 25….Hä? Moment mal. Lief da bei EA Sports etwas schief bei der Nummerierung? Oder greife ich hier locker mal 11 Jahre vor?
Natürlich keines von beidem. Anlässlich des 25. Geburtstags respektive 25. Teils der American Football-Reihe änderte EA einfach die Nummerierung.

Denn es war im Jahre 1989, in dem der erste Teil „John Madden Football“ auf dem Apple II erschien. Jährliche Updates wurden zur Gewohnheit und so kann EA heute auf eine beeindruckende Reihe zurücksehen, die zwar auch mal den ein oder anderen Tiefpunkt hatte und umstrittene Features enthielt(die meist relativ schnell wieder verschwanden), aber insgesamt zu einer der erfolgreichsten Videospielreihen aller Zeiten gehört.

 

Gleich zum Einstieg vermisse ich die EA-typische Bombast-Präsentation etwas. Kein Intro, kein Wow-Effekt. Hätte ich zum Jubiläum anderes erwartet.

Aber gut, daran soll es nicht scheitern.

Das Hauptmenü kommt in der, momentan so angesagten Kacheloptik daher. Durch die Schulterbuttons kann man durch die verschiedenen Oberpunkte switchen. Das passiert leider ab und zu im Schneckentempo und könnte deutlich flüssiger laufen. Wie schon im Vorjahr kann man übrigens seinen Spielstand aus dem College- Pendant „NCAA Football 14“ übernehmen.

Von den Spielmodi her gibt es keine großen Überraschungen: Exhibition Match, Saison, Ultimate Team, Moments, Skills Trainer(sowohl für Einsteiger als auch Profis) und den Karrieremodus, der sowohl online wie offline gespielt werden kann.
Da es zu den ersten fünf Varianten nicht viel Neues zu schreiben gibt, werde ich meinen Fokus in den kommenden Zeilen auf den Karrieremodus richten.

Zunächst wählt man aus, ob man als Spieler, Coach oder Teambesitzer die Krone des American Football erringen will.
Ich entscheide mich für den Letzteren und die Green Bay Packers als Mannschaft. Zur Wahl steht dann noch, ob man Ex-Spieler, ein schwerreicher Mogul oder ein längjähriger, wohlhabender Fan ist.

Natürlich bin ich ein Fan und will nur den langfristigen Erfolg meines Teams. Schönes Detail am Rande: in dem angezeigten Newsfeed zweifelt ein Reporter an meinen Absichten, da das Team schon immer der Stadt Green Bay gehörte und so unabhängiger war. Ich werde ihnen zeigen, wo der Quarterback sein Suspensorium hat…haha.

Die Einstellungsmöglichkeiten und die Coaching- bzw Finanzoptionen sind unglaublich tiefgehend. So ist nun ein Stadionumbau möglich, man kann die Preise einzelner Merchandise- Artikel oder sogar der Portion Pommes vom Stadion- Imbiss ändern. All das hat Auswirkungen auf zahlreiche Statistiken, wie das Team und sein Umfeld von den Fans und der Liga angesehen wird. Da gibt es schon einmal eine Rüge, weil das Popcorn teurer ist als in den anderen Stadien.
Um dem Realitätsanspruch komplett gerecht zu werden, gibt es zu einem späteren Zeitpunkt(mit mehr Geld in den Taschen) sogar die Option das Team-Franchise in eine andere Stadt zu verlegen. Auch hier wieder mit allen nötigen Details wie neuem Teamnamen und passendem Logo.
Unter der Woche während der regulären Saison gibt es noch die Möglichkeit seine Mannschaft zu trainieren(verschiedene Situationen müssen gemeistert werden und die verdienten XP können zum Aufbessern des Teams verwendet werden), man kann mit den Journalisten reden(die Antworten wirken sich auf das Ansehen aus) oder man beschäftigt sich mit den aktuellen Angeboten, die der Transfermarkt hergibt.
Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt und gerade auf Einsteiger kann das am Anfang ziemlich abschreckend wirken. Doch ich kann euch beruhigen: vieles kann man der CPU überlassen, zB das Aufleveln der Spieler oder das Aussortieren schlechterer Teammitglieder am Saisonanfang. So kann man sich auf das konzentrieren, was einem besonders liegt.

 

Auf dem Platz gibt es die gewohnt großartige Präsentation, die in vielen Momenten einer TV- Übertragung gleicht. Nur ohne die sonst so lästigen Werbeunterbrechungen…

Manche Spieltage stehen unter besonderen Mottos, wie zum Beispiel im Oktober während der Brustkrebs- Kampagne oder zu Thanksgiving.

 Durch die Gameflow- Option werden dem Spieler sowohl in der Offense als auch Defense die Spielzüge empfohlen. So können sich auch Rookies schnell zurechtfinden ohne minutenlang das Playbook studieren zu müssen.

Dennoch sei es jedem empfohlen, sich damit auseinanderzusetzen, denn nur so entfaltet Madden NFL seine ganze Tiefe.

Gab es in den letzten Jahren(besonders bei Madden 12) doch immer wieder mal Ruckler, ist diese Version fast perfekt. Die ganzen feinen Details an den Spielern sind wunderbar anzuschauen. So verschmutzen die Trikots mit fortlaufender Spielzeit oder der Rasen wird in Mitleidenschaft gezogen.

Leider sind die Figuren am Spielfeldrand größtenteils statische Protagonisten, die sich nicht mal bewegen, wenn so ein 130kg-Koloss auf sie zu geflogen kommt. Da kann man nur auf die Next Gen-Fassungen hoffen.

Ebenso wiederholen sich zu viele der Zwischensequenzen, zB wenn ein Spieler zum Trinken an den Spielfeldrand geht(eigentlich bei jedem Time Out) oder der Coach wild gestikuliert. Auch beim Touchdown- Jubel sieht man oft nur den punktenden Spieler, das restliche Feld ist leer.

Was mich richtig umgeblasen hat, ist die mittlerweile hohe Qualität von EAs Physik- Engine „Infinity 2“. Ein so unglaublich realistisches Verhalten von Körperteilen, die aufeinander prallen, hab ich so noch nicht erlebt. Kein Tackle gleicht dem anderen und der Spieler fällt auch nicht gleich hin, sondern taumelt nur und kann eventuell noch weiterlaufen. Muss man gesehen haben!!!! Und die Animationen. Achtet im Replay mal auf die Hände des ballfangenden Spielers…
Dazu passend fühlen sich die Spieler agiler an. Man hat nicht mehr das Gefühl, einen Panzer zu steuern. So hat man während des Laufens mit dem Ball viele Optionen, um der gegnerischen Defense zu entkommen.
Auch die KI der Teams ist sehr hochwertig. Die gegnerischen Mannschaften nehmen Auszeiten zum passenden Moment, wählen die richtigen Spielzüge und sind schon ab dem „Pro“- Level(Schwierigkeitsstufe 2) fordernd.

Eigenschaften einzelner Spieler wurden perfekt in das Spiel übertragen. So ist der Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, wie im echten Leben sehr laufstark und legt öfter mal selber einige Yards zurück.

Die Kommentatoren sind gewohnt hochklassig, jedoch wie der Rest des Spiels nur in Englisch. Aber bei den wenigen Anhängern dieser großartigen Sportart in Deutschland, ist das auch kein Wunder. Da würde sich eine Lokalisation nicht rechnen.

Die Stimmung im Stadion ist mir etwas zu verhalten, es könnte mehr los sein. Ebenso ist das Publikum eine sehr grobpixelige Angelegenheit.

Schön gelöst haben die Herren von EA Tiburon die Wettereffekte. So machen sich diese nicht nur visuell deutlich, sondern auch in Form von ausrutschenden Spielern oder schwer zu fangenden Bällen bei Regen oder Schnee.

 

 

Alles in allem ist Madden NFL 25 ein passendes Spiel zum Jubiläum der Serie. Selten hat sich American Football auf Konsole so realistisch angefühlt wie hier. Auch war jedes meiner Matches absolut fesselnd und spannend. Da gibt es hier mal eine Interception, da mal einen verpatzten, vierten Spielzug oder sogar eine Verletzung des Quarterbacks.

Natürlich sind die meisten Neuerungen nur Details. Aber ebenso wie bei FIFA oder anderen Sportreihen mit jährlichen Updates, sind es genau diese, die oft den Unterschied und den kleinen Schritt näher zur Perfektion machen.

Jedoch ist technisch nicht alles einwandfrei. Hier und da Ruckler im Menü und die nicht so schönen Erscheinungen am Spielfeldrand könnte man bei der NextGen- Fassung angehen. Und ich will verdammt noch mal endlich Cheerleader auf dem Rasen sehen. Oder im Managermodus sogar das Casting hierfür leiten…;-)

Auch die fehlende deutsche Lokalisierung könnte so manchen Interessierten abschrecken, denn so manche Abkürzung oder Fachbegriffe sind im Englischen nicht gleich logisch und ohne Hintergrundwissen schwer zu erraten.

Aber lasst ihr euch davon nicht beirren, bekommt ihr ein erstklassiges Sportspiel, das einen echt lange an den Fernseher fesseln kann.