Filmlogbuch Nr.96- The Hateful Eight

Ein Schneesturm zwingt die Reisenden in einer Kutsche nach Red Rock bei Minnies Miederwaren einen Stop einzulegen. Bei den Passagieren handelt es sich keineswegs um normale Fahrgäste, denn u.a. sind zwei Kopfgeldjäger samt Beute und ein vermeintlicher Sheriff mit an Bord.
Da seine Beute 10000$ wert ist, ist der Kopfgeldjäger John Ruth besonders angespannt und kritisch jedem Unbekannten gegenüber. Das bessert sich auch nicht als er noch auf vier weitere Gäste in der Hütte trifft und die Besitzerin des Miederwaren-Ladens auch nicht anwesend ist. Nach und nach werden die Zweifel unter den Reisenden größer und das Misstrauen wächst. Ist vielleicht doch einer der Anwesenden ein Komplize seiner Gefangenen, Daisy Domergue?

„The Hateful Eight“ ist Tarantinos neuester Streich und sein achter Film seit seinem Debüt „Reservoir Dogs“. Mit diesem kann man den Western auch fast am ehesten vergleichen, denn wie auch in der Geschichte um die Bankräuber, wird hier sehr viel Wert auf Dialog geredet und kaum Actionszenen geboten. Auch die dargebotenen Handlungsorte sind „Reservoir Dogs“ nicht unähnlich. So spielt „The Hateful Eight“ eigentlich zu 75% in der Hütte und es gibt nur wenig Außenaufnahmen. Diese sind dann aber auch ein großes Highlight, da Tarantino die Winterszenerie wunderschön einfängt.
Leider ist der Film aber fast einer seiner schwächsten. Das liegt besonders an der stolzen Laufzeit von 168 Minuten und an der Langatmigkeit so mancher Szene. Stechen Tarantinos Filme eigentlich immer durch einen besonderen Wortwitz und die kultigen Dialoge hervor, so funktioniert das in „The Hateful Eight“ nur selten. Die Dialoge sind oft viel zu lang und lassen den Wortwitz vermissen. Auch viele Gags sind eher platt.
Dadurch zieht sich der Film unglaublich in die Länge und wird wohl ähnlich wie „Death Proof“ realtiv schnell vergessen werden. Warum der Soundtrack(ein großteil von Ennio Morricone) einen Oscar verdient hat, ist mir bisher nicht klar. Dieser ist sehr gut und wird auch defintiv wieder in meiner Sammlung seinen Platz finden, aber an die gute Mischung eines „Django Unchained“-OSTs kommt das leider selten ran.
Die Schauspieler machen alle eine gute Arbeit, aber außer Jennifer Jason Leigh und Kurt Russell blieben alle etwas blass. Kann auch sein, dass das an der deutschen Synchro lag, die ich im Kino als extrem schlecht empfand und auch die Abmischung irgendwie nicht das Gelbe vom Ei war. Besonders die Stimme des Sheriffs war ganz mies gewählt und wollte den Südstaaten-Slang ins Deutsche übertragen.
Daher bin ich auf den Release der Blu-ray gespannt und werde mir dann auch nochmal die OV anschauen.
Versteht mich nicht falsch…“The Hateful Eight“ ist immer noch ein guter Film, aber eben einer von Tarantinos Schlechtesten. Und man erwartet einfach mehr, wenn man sich einen Film des Meisterregisseurs im Kino anschaut.

7/10 Punkte

Trailer

„The Hateful Eight“ läuft seit Ende Januar 2016 in den deutschen Kinos. Eine spezielle Langfassung mit knapp 3 Stunden Laufzeit lief in einigen wenigen Kinos in Deutschland. Und zwar nur in solchen, die noch einen 70mm-Projektor ihr eigen nennen. Die Langfassung besteht aber hauptsächlich aus längeren Landschaftsaufnahmen und hat inhaltlich nicht viel mehr zu bieten als die normale Kinoversion.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s