Filmlogbuch Nr.118 – 100 Yen Love

Ichikos Leben kann man nicht wirklich als spannend bezeichnen. Anfang 30 lebt sie immer noch bei ihren Eltern, sie arbeitet nicht und spielt lieber mit ihrem Neffen Videospiele, in denen sie keine Gnade walten lässt. Nachdem sie sich mit ihrer gerade wieder eingezogenen Schwester heftig in die Haare bekommt, zieht sie endlich von Zuhause aus und beginnt ihr eigenes Leben.
Einen Job findet sie prompt in einem 100 Yen-Shop, einem kleinen Supermarkt voller seltsamer Angestellten und Kunden. Und so lebt sie in den Tag hinein bis sie eines Abends auf dem Nachhauseweg an einem Boxklub vorbeikommt und dort dem Boxer Yuji begegnet. Mit diesem beginnt sie eine seichte Romanze, muss aber erkennen, dass sie wohl nicht interessant genug ist, damit er bei ihr bleibt.
Um sich selbst und ihrer Umwelt zu beweisen, dass sie etwas schaffen kann, beginnt die mit dem Boxen. Und das voller Elan.

 Man kann nur schwer in Worte fassen, was für ein genialer Film „100 Yen Love“ ist. Die großartige Sakura Ando spielt Ichiko so unglaublich genial, man möchte ihr jede Sekunde in den Hintern treten. Hinzu kommt die tolle Situationskomik und gegen Ende die mitreißende Phase, in der sie das Boxen lernen will und einfach alles gibt.
Hier stimmt von Anfang bis Ende einfach alles, die zwei Stunden vergingen wie im Flug. Anschauen!

 9/10 Punkte

Trailer

 Kommen wir zum großen Manko von „100 Yen Love“: der Verfügbarkeit in einer verständlichen Version. So gibt es weltweit bisher nur das Release aus Hong Kong als DVD oder Blu-ray(Code A), das englische Untertitel an Bord hat. Blöderweise bekommt man dieses nur sehr schwer, da es in den meisten Shops relativ schnell ausverkauft war. Man muss hoffen, dass sich endlich mal eines der großen Labels aus dem Westen erbarmt und dieses Schmuckstück des gegenwärtigen, japanischen Kinos veröffentlicht.

Filmlogbuch Nr.117 – Sühne

Vier Mädchen erleben im zarten Alter von neun Jahren mit, wie ihre Freunde Emily von einem fremden Mann getötet wird. Deren Mutter Asako kann den Vieren nicht verzeihen, da sie ihnen vorwirft, Emily nicht geholfen zu haben und sie angeblich die Identität des Mörders für sich zu behalten wollen.
15 Jahre später sind die Mädchen zu jungen Frauen herangewachsen und haben die grausame Tat von damals entweder fast vergessen oder verdrängt. Jedoch haben sie mittlerweile alle ihre eigenen Probleme, die ihr Leben teilweise beträchtlich auf den Kopf stellen. Und mittenrein platzt Asako, die immer noch auf der Suche nach dem Mörder ihrer Tochter ist.

„Sühne“ ist eine fünfteilige Fernsehreihe von Kyoshi Kurosawa, der für Filme wie „Pulse“ oder „Cure“ verantwortlich ist. Neben dem Serienformat gibt es aber auch einen zweiteiligen Zusammenschnitt der Episoden, der hierzulande bei Arte zu sehen war.
Kurosawa ist eigentlich bekannt für seine Thriller, die meist einen übersinnlichen Touch haben und den Zuschauer nach dem Filmgenuss oft ratlos sitzen lassen. „Sühne“ entspricht da eher einem Werk wie „Tokyo Sonata“, das schmerzhaft in die Wunden der japanischen Gesellschaft gedrückt hat und das übliche Familienbild Japans komplett auseinandergenommen hat. Die typische Kurosawa’sche Mordgeschichte dient dabei eher als roter Faden, um die fünf Folgen miteinander zu verknüpfen und die Schicksale der Frauen zu zeigen.
Dabei ist „Sühne“ absolut unterkühlt inszeniert. Starre Kameraeinstellungen, kaum Musik und eine zum Ende hin immer mehr ins s/w gehende Farbgestaltung zeigen das Können Kurosawas. Großes Kino!

 8/10 Punkte

 Trailer

Leider gibt es „Sühne“ bisher nur in Form der Ausstrahlung von Arte auf Deutsch. Wer die Serie auf Blu-ray bzw. DVD haben will, muss auf das Release in Nordamerika zurückgreifen. Oder schaut nach Frankreich(Französisch-Kenntnisse vorausgesetzt).

Filmlogbuch Nr.116 – Parasyte Part 1 & 2

Die Erde ist krank und von einer fast unheilbaren Krankheit befallen. Dem Menschen. Um die Natur und den Planeten zu retten, fallen eines Nachts außerirdische Parasiten auf die Erde nieder und nisten sich in den Gehirnen einiger Menschen ein. Auch Shinichi sollte von einem Alien befallen werden, doch er konnte sich im letzten Augenblick noch wehren. Blöd nur, dass es der Parasit in seine rechte Hand geschafft hat, denn von nun an entwickelt diese ein Eigenleben. Nicht nur, dass sie in den unpassendsten Momenten spricht und wahnsinnig flexibel ist, ebenso will sie alles über die Menschheit lernen und liest ein Buch nach dem anderen.
In der gleichen Zeit werden jedoch auch einige grausame Morde an Menschen begangen, doch kein Täter kann gefasst werden. Als Shinichi zum ersten Mal auf einen Menschen trifft, dessen Gehirn von dem Parasiten befallen wurde, ist auch klar, wer es war. Denn durch die Mutation fallen die Betroffenen über ander Menschen bisher. Und das soll solange geschehen, bis es keine Menschen mehr gibt. Doch Shinichi und Migi(seine rechte Hand… im wahrsten Sinne des Wortes) stellen sich der Bedrohung jedoch entgegen.

Wie klein manchmal die Welt ist. Vor unzähligen Jahren gegen Ende der 90er fiel mir eine englische Manga-Anthologie namens Pulp in die Hände. In dieser fand ich u.a. ein Kapitel aus „Parasyte“ welches oben beschriebenem Film zu Grunde liegt. Dieses Werk entstand 1989 unter der Feder von Hitoshi Iwaaki und genießt zur Zeit eine absolute Renaissance. Denn neben der zweiteiligen Filmreihe, wurde der Stoff letztes Jahr auch als Animeserie umgesetzt. Passend dazu veröffentlicht Panini Manga seit September auch den Manga, der in 10 Ausgaben abgeschlossen ist.
Doch zurück zum Film. „Parasyte“ ist ein sehenswerter Zweiteiler, der vor allem in Teil 2 absolut mitreißend und spannend inszeniert ist. Gerade am Anfang weiß man oft nichts mit dem wilden Stilmix anzufangen. Mal lustig, mal dramatisch. Dazu dreht der Film in den brutalen und gruseligen Szenen oft zu schnell ab, was wie ein Eingeständnis an den Mainstream-Status des Kinofilms wirkt. Denn gerade der Manga geizt nicht mit der ein oder anderen Splattereinlage.
Sehr sympathisch sind auch die Hauptcharaktere. Allen voran Shota Sometami als Shinichi und Eri Fukatsu als seine Gegenspielerin machen einen hervorragenden Job.
Oft von mir kritisierte, schlechte CGI-Effekte sind in „Parasyte“ eher selten zu sehen. Klar, Migi wirkt manchmal etwas arg aufgesetzt, aber alles in allem hat die Effekte-Abteilung einen guten Job gemacht.
So kann ich die Filme nur jedem wärmstens ans Herz legen, der nur ein bißchen was für kreative Horrordramen mit leichtem Comedyeinschlag übrig hat. Auch den Manga kann ich absolut empfehlen, über den Anime werdet ihr in Bälde etwas auf meiner Seit lesen.

 8/10

Trailer

„Parasyte“ gibt es mittlerweile in England auf Blu-ray. Beide Teile wurden hier seperat von Animatsu veröffentlicht, haben aber außer dem Film keine Extras an Bord. In Deutschland wird Teil 1 von Eye See Movies Ende Oktober veröffentlicht, Teil 2 folgt dann einige Zeit später.