Xièxie! – Taiwan 2017 Teil 2

Südostasien in Taiwan – Tainan

 

Nach unserem kurzen Abstecher ins Landesinnere ging es per Bus und Bahn in das heiße Tainan, welches einen komplett anderen Eindruck hinterließ als die anderen Städte, die wir während unseres Taiwan-Trips besuchten. Denn Tainan ist wesentlich quirliger und chaotischer als zum Beispiel Taipeh, vor allem aufgrund seines immens hohen Rolleraufkommens rund um den Bahnhof. Gemischt mit der Hitze und dem leichten Sonnenstichs vom Vortag waren die ersten Stunden dort recht überfordernd, was sich aber in den Abendstunden bessern sollte.

 

Wir wohnten im Ing Wang Hotel, welches gute 15 bis 20 Minuten Fußmarsch vom Hauptbahnhof entfernt liegt und in einer ruhigen Nebengasse zu finden ist. Das Personal war mal wieder superfreundlich, das Zimmer leider recht klein und die Klimaanlage laut. Aber sonst war das Hotel absolut empfehlenswert, auch das reichhaltige Frühstücksbüffet mit Reis, Toast, Nudeln oder Porridge war einen Abstecher wert.

 

Am ersten Tag in Tainan schlenderten wir ein bisschen durch das Uni-Viertel hinter dem Hauptbahnhof und erkundeten die zahlreichen Shops in der Beimen Road. Mehr Kultur gab es dann an Tag 2 in Anping, welches ein altes Stadtviertel Tainans und mit dem Bus recht gut erreichbar ist. Bei der 45-minütigen Fahrt mit dem Bus durch die Stadt sieht man auch allerhand und so bekamen wir gleichzeitig auch noch eine tolle Tour durch die City. Die Linien 88 und 99 fahren ab dem Bahnhof in regelmäßigen Abständen, zahlen kann man auch diesen mit der Easy Card.

Neben den verwinkelten Gassen in Anping kann man sich allerlei Tempel, das Fort Zeelandia oder alte Damen beim Austernputzen anschauen. Wer es noch maritimer mag, hat in Laufweite noch den Hafen, der echt schön gestaltet ist und nicht so voll wie der Rest der Stadt ist.

 

Auch wenn wir auf unseren Reisen kaum zweimal im selben Restaurant oder Lokal essen, in Tainan hatte es uns eine Gaststätte besonders angetan: Chih Kan Dan Zai Noodles!!

Selten haben wir so gut gegessen und uns die Mägen vollgeschlagen. Was die Damen und Herren dort in der Küche gezaubert haben, ist der Wahnsinn. Egal ob feine Reisnudeln in Brühe mit Hack und frittiertem Knoblauch oder gedünsteter Milchfisch…da war ein Essen besser als das andere. Und denkt jetzt bloß nicht, dass das alles unglaublich teuer gewesen sei. Günstiger war es nur auf dem Nachtmarkt und so haben wir uns für knapp 15 bis 20€ Leckereien bis zum Umfallen gegönnt. Erkennen kann man das Lokal übrigens an der…äh…Kuhfigur mit recht großen..äh…„Eutern“..??!?!

 

Verregnetes Surfmekka – Kaohsiung

 

Nach der Hitze Tainans tat ein bisschen Abkühlung ganz gut und so war es nicht weiter schlimm, dass uns Kaohsiung mit etwas Regen begrüßte. Die Temperaturen waren immer noch deutlich über 20 Grad, aber das Fehlen der stechenden Sonne war kein sooo großer Verlust.

Nach Kaohsiung kamen wir per Zug und waren etwas über zwei Stunden unterwegs. Am Bahnhof angekommen reichte ein kurzer Anruf im Hotel und wir wurden recht flott von einem netten Angestellten mit dem Hotel-Shuttlebus angeholt.

 

Unsere Unterkunft in Kaohsiung war ein recht modernes Hostel und hieß Legends Hotel. Neben einer kunterbunten Gestaltung der Lobby war auch unser Zimmer mit einem psychedelischen Gemälde oberhalb des Bettes ausgestattet, außerdem gab es neben der gemütlichen Schlafmöglichkeit auch kostenlose Getränke und Instand-Nudelsuppe. Auch das im Preis eingeschlossene Frühstück bot wieder eine tolle Mischung aus westlichen und chinesischen Speisen. Da das Hotel in einer Nebenstraße liegt, ist der Verkehr recht gering, in zehn Minuten kann man zu Fuß die U-Bahn-Station City Council erreichen.

 

Trotz des Regenwetters, das immer wieder einmal der Sonne Platz machte, fuhren wir noch am ersten Tag mit der Metro Richtung Hafen und setzten dort mit der Fähre über auf die Insel Qijin, wo wir uns nicht nur den Leuchtturm und die alten Fortgemäuer anschauten, sondern auch einen Abstecher an den Strand machten. Und dort traf sich gerade die Surfszene Kaohsiungs und so war einiges zum Schauen geboten.

Nachdem wir den zweiten Tag einige Stunden in der Dream Mall verbrachten – mitsamt Fahrt mit dem Riesenrad auf deren Dach – und wir uns im Untergrund die Formosa Boulevard Station(eine wunderschöne Metro-Haltestelle mit Evolutionsgeschichte aus Glas)anschauten, nahmen wir auch noch einen Trip an den Lotus Pond auf uns. Dieser ist sehr sehenswert, aber bei schönem Wetter wohl noch eindrucksvoller.

Stichwort „eindrucksvoll“: die Kaohsiung Mass Rapid Transit, also die Metro, hat ihre eigenen Maskottchen in Form einiger Anime-Mädels. Neben unzähligen Postern, auf denen diese auf diverse Dinge hinweisen, gibt es sogar Souvenirshops für die KMRT-Damen.

 

Da wir in Kaohsiung sehr viel gelaufen sind, mussten wir uns leider auf dem hiesigen Nachtmarkt wieder die Bäuche voll schlagen. Schließlich sollte man die verbrauchte Energie auch wieder voll auffüllen. Alte Bauernweisheit!

In Laufnähe zu unserem Hostel befand sich der LiuHe-Nachtmarkt, den wir an beiden Abenden unseres Aufenthalts in Kaohsiung besuchten. Auch hier lag der Schwerpunkt wieder auf vielen frittierten und gebackenen Leckereien, auch ein Shaved Ice gab es mal als Nachtisch.

 

Schon wieder Surfer! – Kenting

 

Nach den vielen quirligen Städten ging es nun so langsam in den gemütlichen Teil des Urlaubs über und so machten wir uns mit dem Bus auf in die Richtung Kenting Nationalpark, genauer gesagt nach Jialeshui.

Da man dort nur schwer mit dem Zug hinkommt, haben sich zahlreiche private Busunternehmer auf diese Route spezialisiert, wir verließen uns dabei lieber auf eine offizielle Busfirma mit einem etwas moderneren Gefährt.

In Jialeshui angekommen, wurden wir von unserem nächsten Host, Winson abgeholt, der uns auch prompt auf der Fahrt zur Unterkunft einige interessante Spots in der Nähe zeigte.

 

Und Zeit dafür war ordentlich, denn Winsons House liegt etwas abgelegen von Jialeshui, dafür aber extrem ruhig. Der ehemalige Surfer Winson, der auch Surfstunden gibt(machte meine Frau einmal mit), ist ein sehr lockerer Typ, der sich dort sein eigenes kleines Hotel gebaut hat und saubere Zimmer bietet. Neben einem Frühstück, welches er uns jeden Morgen frisch zubereitete, war er auch für unsere Fragen offen und wusste allerlei zu erzählen. Er sorgt sowohl für Fahrrad- als auch Rollerverleih, die uns angebotenen Rädern waren jedoch eher mau. Auch die Roller haben ihren Dienst zwar verrichtet, waren jetzt aber in keinem vertrauenswürdigen Zustand. Dafür war es preislich recht ok.

 

Manzhou, der Ort in dem wir lebten, besteht aus nur wenigen Häusern und ein paar streunenden Hunden, liegt aber direkt am Meer. Zwar gibt es dort drei Lokale, allerdings sind die nicht unbedingt auf Touris eingestellt und machen meist um 18 Uhr zu. Es ist also empfohlen, euch in Jialeshui oder Kenting mit Essen einzudecken, wenn ihr nicht immer wieder dorthin fahren wollt.

Nachdem wir uns am ersten Nachmittag noch mit den Rädern abquälten, besorgte uns Winson am zweiten Tag Roller mit denen wir fortan durch die Gegend düsten. An der Küste entlangzufahren und immer wieder einmal anzuhalten, um die Aussicht zu genießen, machte richtig Spaß. Auch der abendliche Tropenregen konnte den Spaß auf dem Roller nicht verderben.

Von Jialeshui ging es nach Kenting(was in einigen Straßenzügen an Partymeilen auf Mittelmeerinseln erinnert) und weiter nach Hengchun. Ein absolutes Kuriosum war der dortige Strand hinter dem sich ein Atomkraftwerk erhebt. Ins Wasser sind wir dort nicht. Die Angst, am nächsten Tag mit einem zweiten Kopf aufzuwachen, war dann doch zu hoch. Ist zumindest ein wirklich seltsames Bild!

 

Wie schon gesagt, liegt Winsons House nicht gerade zentral und abends wollten wir dann doch nicht durch die Dunkelheit durch unbekannte Regionen fahren. Daher haben wir uns auf dem Markt in Jialeshui und dem örtlichen Family Mart mit Lebensmitteln eingedeckt.

An einem Abend lud uns Winson zum Grillen ein, da einige Freunde von ihm zu Besuch waren und so wurde ordentlich aufgetischt. Neben viel Muscheln und Fisch gab es auch gegrillte Krabben und eine Gemüsesuppe. Dass wir als Deutsche kein Bier mögen, hat die Taiwanesen sichtlich schockiert, das hat aber nichts an ihrer Geselligkeit geändert.

 

Inselurlaub – Green Island

 

Nachdem schon die Tage in Kenting sehr entspannt waren, ging es für uns nun Richtung Green Island. So brachte uns eine Bekannte von Winson gegen ein kleines Taschengeld mit dem Auto nach Fangshan, von dort ging es mit dem Zug nach Taitung. Dort angekommen schnappten wir uns ein Taxi, das uns zum Hafen und so zur Fähre nach Green Island brachte.

Die Überfahrt von Taitung nach Green Island kann sehr unangenehm sein und ist stark abhängig von der Wetterlage. Alternativ kann man auch von Taitung mit dem Flugzeug übersetzen, ich wollte dem Tod aber ins Auge sehen und wählte lebensmüde die Fähre…was ich bereuen sollte.

Denn die Fahrt ins grüne Paradies war eine der schlimmsten Bootsfahrten ever. So ist die Fähre zwar schon recht groß, die Wellen aber so extrem, dass alles von rechts nach links und von oben nach unten fällt.*Dramatisierung nicht ausgeschlossen* Und auch wenn ich meine Tabletten gegen Reisekrankheit genommen hatte, war mir etwas übel. Zum Glück gingen aber auch diese 40 Minuten vorbei.

Auf Green Island angekommen erwartete uns schon der Besitzer unserer Unterkunft, der unsere Rucksäcke entgegen nahm und uns auf E-Roller verfrachtete. Dies war insofern überraschend, da wir das nicht mitgebucht hatten, aber wohl im Preis inbegriffen ist.

 

Auf Green Island übernachteten wir in Jack’s Inn, welches einen recht netten Besitzer hatte, aber leider recht verlassen. Wir waren die einzigen Gäste zu dieser Zeit, hatten also unsere Ruhe. Das Zimmer war sauber und ordentlich, das Bad schon etwas älter aber auch noch vollkommen in Ordnung. Das Hotel liegt an der Nordküste und ist mit dem Roller innerhalb von zehn bis fünfzehn Minuten zu erreichen.

Der Shuttleservice für unser Gepäck vom und zum Hafen war kostenlos, sowie auch die beiden geliehenen E-Roller. Die Akkus der Roller mussten regelmäßig wieder gegen Volle ausgetauscht werden, was am Hafen gemacht wurde. Einmal bekamen wir sogar einfach neue Roller hingestellt.

 

Green Island selber ist eine kleine Insel, die man mit dem Roller in ca. eineinhalb Stunden umrunden kann. Neben dem Hafen gibt es noch ein paar kleinere Städtchen, die vor allem voller Tauchbasen sind. Denn Schnorcheln und Tauchen sind die Lieblingsbeschäftigungen der Touris, die nach Green Island kommen.

Für erfahrene Taucher wie meine Frau ist die Insel für diesen Sport allerdings nicht unbedingt zu empfehlen, denn die Tauchbasen sind vor allem auf Anfänger und Einzeltäter spezialisiert. Auch auf Anfrage bei mehreren Tauchbasen traute sich keine so richtig an die Westlerin ran, die die Meerestiefen rund um die Insel entdecken wollte. So hieß es selbst ist die Frau und sie ging schnorcheln. Und das ohne aneinander gebundene Schnorchler, die nur dreifach abgesichert im knöcheltiefen Wasser umher planschten.

Neben einigen Trails, die wir uns hoch und runter geschwitzt haben, gibt es viel auf der Insel zu entdecken. Egal ob der kleine Tempel in der Höhle, das verlassene Dorf an der Ostseite der Insel oder die kurvigen Straßen die ein tolles Auf und Ab bieten…Green Island ist definitiv eine Reise wert!

An einem Abend gingen wir außerdem in die Haishui Wenquan-Therme, deren heißes Salzwasser eine echte Attraktion ist. Die Therme hat rund um die Uhr offen, etwas albern war aber die Badekappen-Pflicht. Schlimmer war nur, dass wir zwar von unserem Host vermeintliche Kappen bekamen, diese sich allerdings als Duschkappen herausstellten. Dadurch dass es an dieser Stelle der Insel auch noch so unglaublich windig ist, war man mehr damit beschäftigt, diese Kappe irgendwie auf dem Kopf zu halten statt die Therme zu genießen. Als einzige Westler waren wir auch ein echter Hingucker dort!

Doch Green Island ist nicht nur für seine schöne Seiten bekannt, denn früher war die Insel vor allem dafür bekannt, dass man unliebsame Gegner des Regimes dort in das Gefängnis steckte. Das Gelände kann man auch heute noch besichtigen, neben den zerfallenen Baracken gibt es auch ein Museum, welches stark an das KZ in Dachau erinnert. Ein eher unschöner, aber interessanter Platz auf Green Island.

Wer Strände zum Baden und Sonnen sucht, sollte auf alle eher an der Südseite der Insel suchen. Aufgrund des starken Wellengangs und der starken Winde sind die Ost- und Westseite recht ungeeignet dafür.

 

Die größte Auswahl an Lokalen bietet vor allem die „Hauptstadt“ Nanliao, hier gibt es neben taiwanesischen Spezialitäten aber auch Exotisches wie Pizza oder Burritos. Hier merkt man, dass man vor allem auf ein jüngeres Publikum ausgelegt ist. Unter der Woche ist übrigens deutlich weniger los als am Wochenende, so haben auch einige Lokale eher oder komplett geschlossen.

 

Die Rückfahrt mit der Fähre war dann übrigens weniger übelkeitserzeugend als befürchtet und doch recht gemütlich. Da war die anschließende Formel 1-Fahrt des Taxifahrers zum Bahnhof wesentlich aufregender, aber schließlich mussten wir ja auch unseren Zug nach Taipeh erwischen.

 

Die letzte Nacht verbrachten wir also wieder in Taiwans Hauptstadt, genauer gesagt im Park City Hotel in Luzhou. Das Hotel war für seinen Preis unglaublich komfortabel, der Ausblick auf die Stadt atemberaubend.

Am letzten Abend ging es für uns noch einmal auf den Shilin-Nachtmarkt, denn schließlich brauchten wir noch ein paar Mitbringsel und wollten natürlich nochmal das sensationelle Nachtmarkt-Essen genießen. Außerdem gab es noch ca. 35 Kilogramm an Schüsseln und Tellern, die meine bessere Hälfte mit nach Deutschland nehmen wollte.

Da wir an unserem Abreisetag selber noch bis zum Abend um acht Uhr Zeit hatten, stürzten wir uns noch einmal in das Stadtleben von Taiwan und genossen deren Atmosphäre. Nachdem wir mittlerweile auch entdeckt hatten, dass es eine Metro Richtung Flughafen gibt, nahmen wir diese auch prompt. Hier ist zu beachten, dass es zwei dieser Bahnen gibt. Eine hält an fast jeder Station, die andere ist eine Schnellbahn. Aber da an dem Flugschalter aufgrund einer Gruppe von Austauschstudenten das pure Chaos herrschte, war auch diese Verspätung relativ egal. Und so konnten wir es uns letztlich pünktlich und vom Urlaub zufrieden auf den tollen Sitzen der Premium Business Class nieder.

 

Taiwan war für uns eine riesige Überraschung. Zwar lasen sich die Reiseberichte im Vorfeld schon recht gut, aber dass sich das Land so weit vorne bei den Lieblingsreisen positionieren würde, dachte wohl keiner von uns.

Neben den tollen Menschen, die einem immer nett und respektvoll gegenüber traten, war es aber auch die sagenhafte Landschaft, die einen immer wieder atemlos dastehen ließ. Egal ob in der Taroko-Schlucht, in Kenting oder auf Green Island, hier kann man es aushalten.

Wie man wohl dem Text entnehmen kann, war auch das Essen ein großes Highlight. Neben den tollen Dumplings, den tollen Nudeln oder den leckeren Suppen, konnten aber auch Interpretationen von westlichen Sachen überzeugen. Ich erinnere mich da an ein sagenhaftes Sandwich mit Wedges in Tainan…wow!

Auch die Sprachbarriere war zu keiner Zeit ein wirkliches Hindernis. Man braucht nur eine Frau, die mutig genug ist, sich auch in ein Lokal zu setzen, in dem es keinerlei Hinweise auf eine englischsprachige Person gibt und dann mit Händen und Füßen bestellt. Meist gibt es aber auch eine englischsprachige Karte… Aber auch im Nahverkehr war alles doppelt angeschrieben und ziemlich idiotensicher. Sollte man sich mal anschauen, wenn man an Ländern wie Japan oder Korea seinen Spaß hatte.

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Xièxe! – Taiwan 2017 Teil 1

Wer an Taiwan denkt, dem fällt vermutlich zuerst das Siegel „Made in Taiwan“ ein, das vor vielen Jahren noch für billige Elektronikartikel stand. Mittlerweile ist Taiwan das Zuhause von Technologie-Riesen wie Acer oder HTC und braucht sich vor Ländern wie Japan und China nicht mehr zu verstecken, hat diese in manchen Punkten sogar überholt.

Leider gerät Taiwan aber wieder nur in die Schlagzeilen, wenn ein weiterer Taifun den Inselstaat heimsucht oder es mal wieder zu Unstimmigkeiten mit dem großen Nachbarn China kommt, die bisher immer recht glimpflich ausgingen. Abgesehen davon nimmt man die Republik China, wie das Land offiziell heißt, schon gar nicht als Urlaubsziel wahr. Und das ist echt schade, denn Taiwan bietet so viel abwechslungsreiche Natur, leckeres Essen und sehenswerte Plätze und sollte von viel mehr westlichen Touristen als Reiseziel anerkannt sein.

 

Nachdem unsere Wahl auf Taiwan als nächste Urlaubsdestination fiel, hieß es erst einmal eine Route festzulegen, die uns in unserem dreiwöchigen Trip genug von Land und Leuten sehen lässt ohne dass man jede Nacht in einem anderen Bett schläft. Dank den Reiseführern von Lonely Planet(gab es bis dahin nur auf Englisch, mittlerweile auch in Deutsch verfügbar) und dem Reise Know-How fanden wir recht schnell eine ansprechende Route und machten uns an das Buchen der Unterkünfte und des Flugs.

 

Direktflüge nach Taiwan sind von Europa aus echte Mangelware. So fliegt die taiwanesische Linie Eva Air von Paris aus Taipeh an, von Deutschland aus geht es nur mit China Airlines, die trotz des Namens tatsächlich auch aus Taiwan stammen. Republik China und so…wer hat aufgepasst?

Also fiel die Wahl recht klar auf China Airlines, die Frühbuchern übrigens einen ganz besonderen Service bieten. Denn kümmert man sich früh genug um seinen Flug, bei uns ca. sechs Monate vorher, bekommt man ein kostenfreies Upgrade auf Premium Economy-Plätze. Und das hat sich wirklich gelohnt. So war der Direktflug mit knapp 900€ zwar nicht gerade günstig, aber immer noch besser als mit Umstieg und verschenkter Zeit. Auch wenn ich im Vorfeld nicht viel Gutes über China Airlines gelesen habe und man so seine Probleme in der Vergangenheit hatte, war ich dann doch recht überrascht. Nicht nur im Bereich Service muss sich die Fluggesellschaft vor den anderen wie JAL, ANA oder Asiana Airlines verstecken, auch das Essen war richtig gut und entsprach nicht dem verkochten Standardquatsch, den man sonst ab und an mal bekommt. Auch die Plätze in der Premium Economy waren Bombe und optimal für einen 12 Stunden-Flug. Große, gemütliche Sitze mit allerlei verstellbaren Lehnen und Fußteilen, riesige Monitore mit einem guten Unterhaltungsprogramm und ein umfangreiches Set aus Noise Cancelling-Kopfhörern, Decken, Kissen usw. Es ging uns also sehr gut während des Hinflugs! Und auch der Rückflug war spitze! Klare Empfehlung!

 

Taipeh, da sind wir!

 

Aufgrund der Zeitverschiebung und des Mittagsfluges am Vortag, erreichten wir Taiwan bzw. den internationalen Flughafen nordwestlich von Taipeh am frühen Sonntagmorgen. Und zunächst begrüßte uns die 2,6 Millionen Einwohner-Stadt mit Regen aber trotzdem hohen Temperaturen. Dank ordentlichem Schlafmangel und dem Luxus eines 12-stündigen Aufenthalts im klimatisierten Flieger rannte man also zunächst gegen eine ordentliche Wand aus warmer, feuchter Luft.

Vom Flughafen Taoyuan kann man entweder mit der Metro oder dem Bus in die Stadt fahren. Da die Metrolinie aus und in die Innenstadt recht neu war, wussten wir davon bei unserer Ankunft nichts und besorgten uns ein Busticket, welches gerade einmal 125 NT$(ca. 3,50€) kostete. Im klimatisierten Reisebus ging es nach einer kurzen Wartezeit bis zum Hauptbahnhof in Taipeh und von dort mit der Metro weiter zu unserer Unterkunft. Für die Fahrt mit der U-Bahn besorgten wir uns die Easy Card, die man immer wieder aufladen kann und auch in den meisten anderen Großstädten Taiwans für den Nahverkehr nutzen kann. Außerdem kann man in vielen Läden, vor allem den 7 Eleven oder anderen Convenience Stores auch damit bezahlen.

 

Unser Hotel lag direkt am Daan Park und war das Dandy Hotel Daan. Das Zimmer erwies sich als wahrer Glücksgriff, denn zum einen bekamen wir ein Upgrade eine Klasse höher, so dass wir einen grandiosen Blick auf den Park hatten, andererseits war auch das Zimmer selbst und das Personal richtig toll. Man sollte sich nicht von der komischen Lage der Eingangstür in einer Seitenstraße beirren lassen, denn hier bekommt man für sein Geld ein kleines, aber feines Hotel. Leider mussten wir aber noch bis 15 Uhr warten, denn erst dann konnten wir offiziell einchecken. Also hieß es nun den Schlaf zu bekämpfen und die sieben Stunden irgendwie rumzukriegen bis man das erste Mal die Füße hochlegen konnte.

 

Also beschlossen wir dem Zoo einen Besuch abzustatten, der etwas außerhalb der Stadt liegt und recht schön sein soll. Gesagt getan, mit dem Hotel-WLAN kurz die Metro-Route gecheckt, im 7 Eleven noch schnell mit einer kleinen Stärkung versorgt und ab ging die Post. Nach einer Fahrt von ca. 30 Minuten waren wir dann auch schon da und wirklich am Stadtrand Taipehs. Nachdem wir schon viele schlimme Zoos oder fürchterliche Tierhaltung in Asien gesehen hatten, waren wir dann wirklich überrascht wie schön der Zoo in Taipeh ist. In meinem persönlichen Ranking liegt er mit dem in Singapur auf einem Level und der war schon klasse. Auch über den Eintritt von nicht einmal zwei Euro kann man nicht meckern. Auch deshalb waren wir etwas verwundert, dass nichts los war und man nur vereinzelt Gäste im Zoo sah. Später haben wir erfahren, dass die einen Tag vor unserer Ankunft ein heftiger Regenschauer für böse Überschwemmungen, teils sogar Erdrutsche gesorgt hatte und vermutlich deshalb die Leute lieber noch zuhause geblieben sind.

 

In Taipeh selbst waren wir dann für vier Nächte und das ist für diese Megacity auch dringend nötig. Neben allerlei Tempeln wie dem Longshan oder den Bao’an und Konfuzius-Tempel, waren vor allem die Nachtmärkte absolut sehenswert. Denn neben allerlei buntem Firlefanz wie Fidgetspinnern oder sensationell günstigen Fußballtrikots von Real Madrid, die man so im Westen noch nicht gesehen hat*räusper* ist natürlich das Essen der Hauptgrund für den Besuch dieser Märkte.

Aber zum Essen kommen wir zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal, schließlich kommt das Beste zum Schluss!

Spannend war auch der Creative Park, eine umgebaute Brauerei mit allerlei kleinen Läden, der Gunag Hua Digital Plaza, der der feuchte Traum eines jeden Elektronikfans ist oder ein Ausflug an die Küste nach Tamsil. Natürlich war neben den vielen Tempeln auch noch weitere Kultur angesagt wie die CKS Memorial Hall, bei der wir sogar der Wachablösung beiwohnen konnten und uns heute noch fragen, wie zum Teufel die Wachen es schaffen, nicht zu blinzeln. Was ist da denn los?!?
Wer nach Taipeh reist, kommt natürlich auch an einem Besuch des Taipei 101 nicht vorbei, welches vor einigen Jahren noch als höchstes Gebäude der Welt galt. Heute ist es nur noch an Stelle 5 und das ist irgendwie enttäuschend…quatsch. Der Wolkenkratzer ist ein imposanter Bau, den man sich am besten vom Elephant Hill aus ansieht, den man dank einer schweißtreibenden Wanderung erst genießen kann, wenn man endlich wieder Luft bekommt und auf dem Weg nach oben nicht erschwitzt ist.

Aber wie versprochen: das Essen!!! Wowowowowowow! Nie hätte ich erwartet, dass man in Taipeh so gut essen kann. Ob dies man Sterne-Restaurant Din Dai Fung ist, in dem es anbetungswürdige und, trotz des Sterns leistbare Dim Sum gibt oder die Beef Noodle Soup bei Yong Kang, das Essen rockt. Am vielfaltigsten und günstigsten kann man wohl aber auf den Nachtmärkten essen. Hier besonders zu empfehlen ist der Markt in Songshan und beim Longshan-Tempel. Auf beiden bekommt man viel Frittiertes, leckeres Mango Shave Ice(eine Delikatesse samt Kondensmilch und Pudding on top!) oder leckere Würstchen im Reisbrötchen. Es war schlicht gesagt einzigartig lecker! Als wagemutige Touristen haben wir uns auch in das Abenteuer Stinketofu gestürzt, bei dem es sich um fermentierten Tofu handelt, den es in verschiedenen Varianten gibt. Wir entschieden uns für die gebackene Version mit einer würzigen Soße und etwas Kraut on top. Zwar riecht der Tofu wirklich bestialisch, aber geschmacklich war das jetzt nicht das Schlechteste. Schmeckte wie ein sehr reifer Käse. Hat also gepasst! Von Perversitäten wie Schlangen- oder Hundefleisch haben wir zum Glück nichts gesehen, muss auch nicht unbedingt sein.

 

Nihao Hualien

 

Bevor wir unsere Tour an der Westküste Taiwans mit recht vielen Stationen starteten, ging es aber noch einmal in die andere Richtung an die Ostküste, genauer gesagt nach Hualien. Hauptgrund hierfür war vor allem die Taroko-Schlucht und der gleichnamige Nationalpark, der sich vor allem zum Wandern hervorragend eignet.

Aufgrund des großartigen Zugnetzes welches einmal um die komplette Insel herumgeht, war das Hinkommen kein großes Problem. Von der Mainstation in Taipeh bis zum Hauptbahnhof Hualien waren es gerade einmal knapp zwei Stunden. In der Stadt selber mietet man sich bestenfalls ein Fahrrad, denn so ist das Herumkommen am günstigsten und bequemsten. Da unsere Unterkunft aber zum Glück nur wenige Minuten vom Bahnhof entfernt lag, konnten wir zunächst einmal unser Gepäck unterbringen und uns dann an die Erkundung der Stadt machen.

 

Das Wow Hostel sprang mir schon bei den ersten Recherchen für den Taiwan-Urlaub ins Auge und punktete mit dem guten Ruf, den es unter Reisenden genießt. Und auch wir waren nicht enttäuscht davon. Das Zimmer präsentiert sich in moderner Betonoptik, das Bad war nagelneu und in einem tollen Zustand. Lediglich das WLAN war recht langsam, auch das Frühstück braucht man in einem Land wie Taiwan nicht wirklich im Hotel wahrzunehmen, denn es beschränkte sich auf Toast, Marmelade und Tee. Viele von den Gästen(hauptsächlich aus Taiwan und anderen asiatischen Ländern) machten aber auch Gebrauch von der Möglichkeit, die Küche zu nutzen und selber zu kochen.

Nachdem wir uns am ersten Abend noch Räder gemietet hatten und an der Küste entlang wieder Richtung Norden gefahren sind, überraschte uns leider ein ziemlicher Regenguss und beendete die Radtour auf den sehr gut ausgebauten Radwegen. Für knapp acht Euro gab es übrigens die beiden Räder für eine Dauer von vier Stunden. Ein fairer Preis! Und im Gegensatz zu späteren Erlebnissen waren die Bikes in einem echt guten Zustand.

Am nächsten Tag stand jedoch der Hauptgrund für unseren Abstecher nach Hualien auf dem Programmpunkt: der Taroko-Nationalpark. Glücklicherweise war das Wetter wieder recht schön geworden, bei Regen hätte man sich den Tagesausflug sparen können. Auch wenn unser Hotel auch Ausflugspakete angeboten hat, besorgten wir uns unser Busticket auf eigene Faust, was sich als nicht sonderlich kompliziert herausstellen sollte. Die Verkaufsterminals der Busunternehmen sind nämlich gleich neben dem Bahnhof und waren so schnell erreicht. Da es vor Ort auf den meisten Trails keinerlei Möglichkeiten gibt, sich etwas zu Trinken oder gar zu Essen zu kaufen, sollte man sich vorher in der Stadt mit genügend Proviant eindecken. Im Nationalpark selber sind wir den Shakadang Trail gelaufen, für den man Hin und Zurück ca. drei Stunden benötigt und anschließend mit dem Bus bis ganz nach oben in das Städtchen Tianxiang gefahren. Über diesem thront eine relativ schicke Pagode, die wir uns einmal von der Nähe anschauen wollten und dafür einige steile Treffen in Kauf nehmen mussten. Doch viel wilder war dann der eintretende Regen, der uns bis auf die Socken aufweichte und letztlich auch den Tod für meine Schuhe bedeute, die sich von diesem Trauma nicht mehr erholen wollten. Mit dem Bus ging es letztlich dann wieder zurück nach Hualien, wo wir den Abend mit einem gemütlichen Spaziergang durch die Innenstadt ausklingen ließen und sich die Stadt mit allerlei Events wie der Vorführung einer örtlichen Breakdance-Gruppe überaus positiv ins Gedächtnis verankerte.

 

Der Eindruck, den uns Taipeh vom taiwanesischen Essen vermittelte, verhärtete sich in Hualien weiter. Neben einer großartigen Runde Dumplings und einer dazu passenden Suppe in der Innenstadt, war vor allem der Nachtmarkt mal wieder eine Offenbarung. Dieser wurde wohl erst kürzlich neu gestaltet und präsentierte sich recht modern, neben Essensbuden gab es auch musikalische Klänge auf die Ohren. Neben einer Rouladen-ähnlichen Fleischrolle, die mit Frühlingszwiebeln gefühlt war, gab es spicy Maiskolben und einen Baoban, einen Burger auf taiwanesische Art. Dieser bestand aus einem Reismehlbrötchen und war mit Hühnchenfleisch, Nudeln, etwas Gemüse und einer Soße nach Wahl belegt. SUPERLECKER!

 

Sonne, Mond und…Seen?!? Der Sun Moon Lake!

 

Aufgrund von Taiwans Geografie mussten wir für unseren nächsten Tourstopp einen gehörigen Umweg machen. Denn in der Theorie könnte man von Hualien einfach über die Berge hinüber zum Sun Moon Lake, da dieser Weg aber nicht ohne weiteres zu befahren ist und sowieso zu unserer Reisezeit gesperrt war, hieß es für uns: einmal um die halbe Insel rum! So mussten wir mit dem Zug von Hualien nach Taichung und von dort mit dem Bus weiter an den Sun Moon Lake. Dafür ging einmal locker der ganze Tag drauf, denn nach vier Stunden mit dem Zug sind das noch einmal 2 ½ Stunden mit dem Bus. Und bis wir diesen Bus gefunden haben, war es auch eine kleine Abenteuerreise. Denn am Bahnhof von Taichung steht zwar ein riesiger, moderner Busbahnhof, aber wer denkt, dass dort auch der Bus zum Sun Moon Lake abfährt, hat sich getäuscht. Dieser fährt einige Straßen weiter ab und hat sein Büro im Erdgeschoss eines unscheinbaren Gebäudes, das man gerne mal übersieht. Zum Glück hatten wir aber genug Zeit eingeplant und kamen so nicht sonderlich unter Zeitdruck. An der Endstation, in Shuishe, und nach einer knapp zweieinhalbstündigen Busfahrt wurden wir vom Sohn des Hotelbesitzers abgeholt. Denn da wir recht spät am Nachmittag ankamen, fuhr kein Bus mehr auf die gegenüberliegende Seite nach Ita Thao.

 

Als Unterkunft wählten wir das Full House Resort, ein recht gemütliches Häuschen, das von einem Künstler betrieben wird. Neben den Zimmern im Haupthaus, gibt es auch ein etwas teureres Appartement im Garten, wir hatten ein Doppelzimmer in Ersterem. Dieses war in einem einwandfreien Zustand und wie der Rest des Hauses mit allerlei Kunstwerken vollgestopft. Deshalb war es leider auch etwas staubig, was den Aufenthalt für Allergiker nicht so toll machen könnte. Sowohl innen als auch im Garten hat der Künstler zig Skulpturen aufgestellt, im Speisesaal – welcher gleichzeitig auch der Eingang- und Empfangsbereich ist – waren an jeder Wand unzählige Gemälde, Figuren, Schüsseln und Regale voller Nippes. Da hatte man definitiv was zu schauen!

 

Nachdem wir sowieso nur zwei Nächste am Sun Moon Lake verbrachten, war unser Programm auf den einen vollen Tag dazwischen beschränkt. Am Abend unserer Ankunft schlenderten wir durch Ita Thao, machten ein paar Fotos an der Anlegestelle der Fähren und versorgten uns mit Verpflegung, denn der nächste Tag sollte recht anstrengend werden.

Nach einer, nur wenige Minuten dauernde Überfahrt nach Shuishe(dank zahlreicher Unternehmen fahren alle zehn bis fünfzehn Minuten Schiffe) suchten wir das Touri-Zentrum auf und liehen uns zwei Fahrräder von einer sehr, sehr schrillen Dame mittleren Alters, die sich wahnsinnig über uns zwei deutsche Reisende freute und dies mit allerlei lauten Lachern und Gackern zeigte. Für einen recht fairen Preis von ca. 25€ bekamen wir beide Räder für einen kompletten Tag, Dabei waren die Marken-Bikes auf den ersten Blick fast neuwertig, doch leider sorgte vor allem mein Fahrrad für einiges an Ärger.

So wollten wir einmal um den kompletten See herumfahren, was ungefähr 25km sind und dank recht ordentlicher Fahrradwege kein Problem sein sollte. In Shuishe starteten wir gegen den Uhrzeigersinn auf recht gut ausgebauten Wegen, mussten irgendwann aber auch auf die reguläre Straße ausweichen. Da sich der Verkehr aber meist in Grenzen hielt, war das kein Problem. Dennoch kämpfte man gegen die teils extremen Höhenunterschiede und die sehr hohen Temperaturen. Doch was macht man nicht alles, wenn man Ende der Tour eine Iced Chocolate bei Starbucks lockt.

Während unseres Ausritts machten wir immer wieder mal an interessanten Spots halt, Highlight war aber der Wen Wu Tempel, der riesig und wirklich beeindruckend ist.

Wie schon angesprochen machte mein Fahrrad irgendwann die Grätsche, neben einer kaum funktionierenden Bremse ging auch meine Gangschaltung irgendwann nur noch recht sporadisch. So wurde die gemütliche Radfahrt zu einem ungewollten Workout…aber so hat man sich am Abend dann zumindest ein ordentliches Essen verdient!

Ach ja, wer einen Kopf nach deutscher Norm hat, wird mit den Helmen wohl auch nicht sonderlich glücklich. Die waren schon recht klein, aber beim Fahren auf normalen Straßen sollte man den leichten Druck lieber in Kauf nehmen!

 

In Ita Thao gibt es ein paar kleinere Restaurants, am ersten Abend gönnten wir uns am Hafen eine leckere Nudelsuppe und diverse andere Leckereien. Am zweiten Abend, nach unserer Tour de Taiwan, machten wir den lokalen Nachtmarkt unsicher und genossen vor allem Frittiertes. Ungekröntes Highlight: ein mit Reis gefülltes Hühnerbein!

 

Fortsetzung folgt…

Filmlogbuch Nr. 130 – Super Dark Times

Die beiden Freunde Josh und Zach sind unzertrennlich und verbringen jede freie Minute miteinander. Egal ob bei gemeinsamen BMX-Ausfahrten, Nachmittagen vor dem TV mit ausgeleierten VHS-Kassetten oder beim Abhängen im örtlichen Supermarkt, die beiden gehen durch Dick und Dünn.
Doch als Josh bei einem tragischen Unfall einen anderen Freund tödlich verletzt, beginnen die Probleme zwischen den beiden und vor allem Josh verändert sich hin zu einem echten Weirdo.

 

„Super Dark Times“ wird häufiger mit dem Über-Film „Donnie Darko“ verglichen und schwimmt sicherlich etwas auf der Erfolgswelle eines „Stranger Things“ mit. Denn auch dieser Film spielt in vergangenen Zeiten, hier den 90ern, und spielt mit deren Besonderheiten. Seien es Walkman, klobige Schnurlostelefone für daheim oder eben BMX-Räder, „Super Dark Times“ spricht Kinder der 90er absolut an.
Der Film bietet eine einfache und nachvollziehbare Geschichte und garniert diese mit einigen toll gefilmten Traumsequenzen. Atmosphärisch ist „Super Dark Times“ ein absolutes Brett, was nicht nur an der Kameraarbeit liegt, sondern auch an der musikalischen Untermalung. Sicherlich kein Gute Laune-Film für einen kuscheligen Popcorn-Abend, aber sehr sehr sehenswert, wenn man einmal ein etwas anderes Werk sehen will.

 

8/10 Punkte

 

„Super Dark Times“ gibt es in Deutschland auf Blu-ray und DVD, Sammler greifen aber zum Mediabook. Dieses beinhaltet beide Medien und ein 16-seitiges Booklet. Neben einem Audiokommentar gibt es noch 20 Minuten Bonusmaterial wie ein Gag Reel und entfernte Szenen.

 

#Japanuary 2018 – Die Bonusfilme

Der Japanuary 2018 war für mich eine tolle Möglichkeit, einige Filme aus dem Pile of Shame abzuarbeiten und einige Klassiker wieder einmal anzuschauen. Doch auch zwischen den geplanten Filmen war immer noch etwas Zeit für andere japanische Werke und diese möchte ich euch in einer Kurzreview vorstellen. Alles in allem war der #Japanuary ein guter Einstieg in das Filmejahr 2018 und man muss an dieser Stelle erneut den Initiatoren von @politikundliebe, Abspanngucker und Kompendium des Unbehagens für die tolle Idee und die Mobilmachung danken! Wer sich mal anschauen will, was alles in dieser Zeit geschaut wurde, kann dies bei den Kollegen von SchönerDenken, die in wahnsinniger Kleinstarbeit jedes Review katalogisieren werden.

 

Your Name

 

Makoto Shinkais neuesten Film habe ich bereits im Herbst 2017 gesehen, wollte die Chance aber noch einmal wahrnehmen und ihn auf der großen Leinwand genießen. Für mich ist das einer der besten Anime der letzten zwanzig Jahre und in seiner Umsetzung einfach großartig. Toller Soundtrack, wunderschöne Geschichte und eine Optik, die in einem unglaubliches Fernweh nach Japan erzeugt. Großes Kino!

 

9/10 Punkte

 

Blade of the Immortal

 

Als großer Fan des Manga war ich zu Beginn recht enttäuscht von den ersten Szenen aus Miikes 100.Film. So wirkte mir das alles zu sauber und butleer, doch nachdem ich nun den kompletten Film gesehen habe, bin ich anderer Meinung. Denn „Blade of the Immortal“ ist eine sehr gute Manga-Verfilmung geworden, die zwar dem großen Umfang der Vorlage natürlich nicht gerecht werden kann, aber inszenatorisch ganz Miike ist und daher ziemlich cool!

 

8,5/10 Punkte

 

Corpse Party: Tortured Souls

 

Als großer Videospielfan ist mir die „Corpse Party“-Serie recht gut bekannt, auch in den Manga habe ich mal kurz reingelesen. Deshalb wollte ich mir auch die Anime-Verfilmung dazu mal anschauen, aber schon bei OVA 2 von 4 war Schluss. Denn neben den superdämlichen Charakteren hat mir auch die lahme Geschichte nicht gefallen. Kann man sich schenken.

 

4/10 Punkte

 

The Garden of Words

 

Nach „Your Name“ wollte ich mir wieder mal einen anderen Sjinkai-Film anschauen und griff zu „The Garden of Words“. Die Geschichte ist recht nett, hat gegen die tolle Optik aber kaum eine Chance. Ganz nett für zwischendruch, auch aufgrund der kurzen Laufzeit, aber sicherlich kein Must-see.

 

7/10

 

Blame!

 

Auch hier bin ich riesiger Fan des Manga von Tsutomu Nihei und wie er den Comic damals trotz weniger Dialoge sehr ausagekräftig gemacht hat. Der Anime, der nun in Zusammenarbeit mit Netflix produziert wurde, verschiebt die Hauptfiguren leider etwas und auch die epischen Momente des Manga bleiben leider aus. Dennoch gefiel mir die Optik recht gut, inhaltlich ist das aber Ware von der Stange.

 

6/10

#Japanuary 2018 Film 8 – Love Exposure

Eigentlich hat Yu ein recht beschauliches Leben. Zusammen mit seinem Vater und seiner Mutter lebt er glücklich in einer kleinen Wohnung und durch die fromm-christliche Lebenseinstellung der Eltern ist aus ihm ein anständiger Junge geworden. Doch nach dem plötzlichen Tod der Mutter und nachdem sein Vater sich zum Priester hat weihen lassen, bringt die wilde Kaori nicht die erhoffte Ruhe in die Familie, sondern drängt den Vater dazu seinen Job aufzugeben. Schließlich verlässt sie ihn für einen jüngeren Mann und der Vater beginnt zu einem freudlosen und strengen Priester zu werden, der von Yu eine tägliche Beichte seiner Sünden fordert.

Aufgrund seiner Erziehung ist Yu aber ein so guter Mensch, dass er nicht einmal eine Ameise zertreten kann, also erfindet er jeden Tag aufs Neue Sünden, die er dem Vater beichten kann. Als dieser an seiner Glaubwürdigkeit zweifelt, will Yu zum Sünder Nr.1 aufsteigen und beginnt so eine Ausbildung beim Meister des „Unter-den-Rock“-Fotografierens. Dabei stellt er sich so gut an, dass sogar seine drei Freunde bei ihm in die Lehre gehen und künftig die Straßen unsicher machen. Bei einer der Jagden auf den perfekten Pantyshot, trifft er auf Yoko, in die er sich unsterblich verliebt und die seine „Maria“ sein könnte. Einziges Problem: aufgrund einer Wette war er in diesem Moment als Sasori verkleidet. Nun heißt es also, das Herz der Dame zu erobern und ihr irgendwie klarzumachen, dass er kein Mädchen ist. Als sich dann auch noch eine Sekte in das Leben der Familie mischt und die alte Flamme des Vaters wieder auftaucht, ist das Chaos perfekt.

 

Schon anhand der Beschreibung dürfte euch Leserinnen und Lesern klar sein, dass „Love Exposure“ kein gewöhnlicher Film ist. Die wahnsinnigen Ideen für das knapp vierstündige Werk entsprangen Meister-Regisseur Sion Sono aus seinen Gehirnwindungen, welche er grandios umsetzte. Denn auch wenn die Story zu Beginn noch recht albern wirkt, ist der Film ab der zweiten Hälfte eine dramtische Geschichte voller Enttäuschungen und Tränen und dem ein oder anderen Liter Blut. Das mag für manche Zuschauer sicherlich nicht funktionieren, für mich ist „Love Exposure“ einer der besten Filme des japanischen Kinos. Hier stimmt einfach alles, angefangen bei der Auswahl der Darsteller(u.a. Sakura Ando <3) über die musikalische Untermalung(klassische Stücke wie das „Hohelied der Liebe“ wechseln sich mit dem rockigen Soundtrack ab) bis hin zu der Kurzweiligkeit, die der Film trotz seiner 237 Minuten versprüht. Mit diesem Film begann außerdem meine Leidenschaft für Sonos Werke, die immer wieder Neues entdecken lassen und sicherlich zum Spannendsten gehören, was der Film aktuell zu bieten hat. Wenn man sich auf einige verrückte Ideen einlassen kann…

 

10/10

 

„Love Exposure“ gibt es in Deutschland sowohl als DVD als auch Blu-ray von Rapid Eye Movies. Gesehen habe ich den Film auf der Blu-ray des britischen Labels Third Window Films, welche neben der Filmdisc auch noch eine DVD mit den Extras beinhaltet.  In Japan gibt es mittlerweile eine Blu-ray mit der eigentlich vorgesehene Fassung des Films, die als TV-Serie konzipiert war. Diese Version ist in 30-minütige Epsioden aufgeteilt und läuft ca. 275 Minuten. Über ein Release dieser Fassung im Westen ist leider nichts bekannt.