#Japanuary 2023 Film 5 – Kotoko

So, mit „Kamikaze Girls“ war es hier bunt genug auf dem Blog, es geht im Japanuary nun in die Abgründe des menschlichen Seins und die Untiefen der Seele. Welcher Regisseur wäre da besser für geeignet als Mr. Body Horror, Shinya Tsukamoto. Der gute Herr war schon in den Anfangstagen meiner Begeisterung für den japanischen Film präsent, schließlich kommt man an solch einem Kult-Titel wie „Testuo“ nicht vorbei. Doch erst der hier vorliegende „Kotoko“ hat mich endgültig den Tsukamoto-Fanboy werden lassen, der ich nun bin.

In dem 91-minütigen Film begleiten wir die junge Frau Kotoko, die unter einer psychischen Erkrankung leidet. So sieht sie Menschen doppelt und fühlt sich von diesen schnell angegriffen. Dies erleichtert natürlich auch die Erziehung ihres kleinen Sohnes Daijiro nicht sonderlich und so kommt es zu einem Zwischenfall, der zur Folge hat, dass sich künftig ihre Schwester um den Jungen kümmert. Somit ist Kotoko wieder auf sich alleine gestellt und immer mehr mit den Auswirkungen ihrer Krankheit konfrontiert. Doch eines Tages trifft sie auf den Schriftsteller Tanaka, der von ihrem Gesang beinahe verzaubert wurde. So lässt er nämlich alles über sich ergehen, auch Kotokos blutige Angriffe auf ihn.

„Kotoko“ ist kein Film, den man sich für einen locker-flockigen Filmabend mal zurecht legt. Das Werk vereint Elemente aus dem Horror-Genre, vermischt sie mit Psychothriller-Inhalten und oben drüber streut Tsukamoto dann noch ein paar Flocken Body Horror. Fertig ist „Kotoko“, einer der mitreißendsten Filme, den ich je gesehen habe.
Nicht gerade unbeteiligt daran ist Schauspielerin Cocco, die eine sagenhafte Performance abruft, die vermutlich auch auf ihrer eigenen Geschichte basiert. Denn die in Okinawa geborene Sängerin/Schauspielerin/Tänzerin – ein echtes Multitalent – hat auch mit psychischen Problemen zu kämpfen und konnte sich somit ganz besonders gut in die Rolle der Kotoko versetzen. Außerdem entstand das Drehbuch laut Tsukamoto in enger Zusammenarbeit mit ihr.

Man sollte sich also auf einiges gefasst machen! Weiterhin versteht Tsukamoto es auf perfekte Art und Weise, diese Um- und Zustände zu visualisieren. Dank einiger verwackelter Bilder wird die Zerrissenheit und das Chaos in Kotokos Leben nochmal deutlicher gemacht, zusätzlich dazu schraubte der Regisseur auch noch an der Lautstärke. Babygeschrei oder das Krachen eines Woks auf den Boden sind somit nochmal unangenehmer und lassen sicherlich keine Wohlfühl-Atmosphäre entstehen. Dennoch kann der Film auch mit seinen ruhigen Momenten überzeugen, vor allem wenn Cocco eines ihrer Lieder anstimmt. Toll!

„Kotoko“ ist – wie so oft – leider nicht im deutschsprachigen Raum auf Disc oder in irgendeinem Stream zu finden. Daher rate ich zum Kauf der Blu-ray aus England, veröffentlicht von Third Window Films. Auf dieser ist auch ein spannendes Interview mit Tsukamoto selbst, in dem er die Entstehung beschreibt und von den Dreharbeiten erzählt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..