Dragon Ball Super: Super Hero

Als jemand, der schon Anfang der 1990er Jahre seine ersten Manga kaufte und Anime über die tollsten Umwege konsumierte, ist mir natürlich auch „Dragonball“ von Akira Toriyama ein Begriff. Die 42-teilige Manga-Reihe habe ich geliebt und bin regelmäßig zum Comic-Händler gepilgert, um mir die neueste Ausgabe zu holen. Auch die TV-Serie dazu war mir immer ein angenehmer Zeitvertreib, wenn auch nicht ganz so wichtig wie der Manga. Doch spätestens zu „Dragon Ball Z“ war ich irgendwie raus, da mochte ich den Charme der „Anfangstage“ und die Geschichte wie Son Goku und Co. zusammen kommen, doch immer ein bißchen mehr. Außerdem machte mir der extreme Fokus auf Kämpfe, die sich über zig Episoden hinziehen, einfach keinen Spaß.

Dennoch verlor ich die Reihe nie ganz aus dem Blick, so schaute man immer wieder mal in einen der Filme rein und auch in Sachen Videospielen beschäftigte man sich mit dem ein oder anderen Titel. Ganz frisch erschienen ist nun der neueste und mittlerweile 21. Animationsfilm aus dem schlagkräftigen Universum und hört auf den Namen „Dragon Ball Super: Super Hero“. Diesen durfte ich dank dem Verleih gestern im Kino sehen und möchte euch hier nun meinen Eindruck schildern.

Während Son Goku und Vegeta zusammen mit Broly auf Beerus‘ Planeten trainieren, braut sich auf der Erde mal wieder Unheil zusammen. Denn Schurke Magenta hat die Red Ribbon-Armee wieder auferstehen lassen und will nun – zusammen mit Dr. Geros Sohn, Dr. Hedo – die ultimativen Bösewichte erschaffen und somit die Weltherrschaft an sich reißen. Und vor allem die in seinen Augen bösartige Gruppierung rund um Bulma und die Capsule Corporation vernichten.
Zu diesem Zweck arbeitet Dr. Hedo an zwei neuen Cyborgs, die wesentlich stärker als ältere Modelle sein und auf den klassischen Superhelden seiner Kindheit basieren sollen. Gamma 1 und Gamma 2 sind somit geboren.

In einer ersten Auseinandersetzung zwischen Piccolo und Gamma 2 wird schnell klar, dass Dr. Hedos Kreation wirklich eine Gefahr darstellen könnte, worauf sich Piccolo in das Hauptquartier der Red Ribbon-Armee einschmuggelt und diese ausspioniert. Diese planen derweil schon ihren nächsten Coup, denn mit Hilfe von Son Gohans Tochter Pan will man diesen zu sich locken und endgültig beseitigen. Immerhin ist er aktuell der Stärkste in Bulmas „Terror-Organisation“. Was folgt sind einige handfeste Auseinandersetzungen zwischen unseren Helden und den bösen Buben der Red Ribbon-Armee. Und falls doch alles schief geht, hat Magenta noch ein ziemlich großes Ass im Ärmel.

„Dragon Ball Super: Super Heroes“ hat mir richtig gut gefallen. Auch wenn ich den Stil der CGI in den ersten Minuten sehr gewöhnungsbedürftig fand, profitierte der Film vor allem in den Actionszenen dadurch ungemein. Da die Figuren ziemlich viele Details besitzen und obendrein noch sehr cool animiert sind, fällt einem die Computergrafik irgendwann kaum noch auf. Unterstützt wird dies von schönen Texturen und Oberflächen, manchmal scheint es fast so als hätte man dies von Hand mit „echten“ Farben koloriert Ein wirklich beeindruckender Schritt, wenn man bedenkt wie kolossal sch… doch Ghiblis CGI-Versuch „Aya und die Hexe“ war.
Doch kann man den Film auch ohne Vorkenntnis der anderen Werke genießen? Ich würde sagen bedingt. Denn man bekommt zwar am Anfang eine kurze Zusammenfassung zu einigen der Figuren, vor allem der Bösewichte, spendiert, sollte aber zumindest die Haupttruppe rund um Son Goku und Co. kennen. Sonst versteht man viele Anspielungen vermutlich nicht und verlässt das Kino mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf.

Wenn ihr die Gelegenheit habt, „Dragon Ball Super: Super Hero“ im Kino zu sehen, dann nutzt sie. Vor allem das großartige Finale ist auf der großen Leinwand schon ziemlich beeindruckend!

#Japanuary 2022 Film 5 – Ghost in the Shell 2: Innocence

Nachdem es vergangene Woche schon den großartigen Erstling im Rahmen des #Japanuary 2022 gab, wollte ich mir auch endlich mal wieder „Ghost in the Shell 2: Innocence“ anschauen. Die letzte Sichtung dieses Films liegt nämlich schon wieder viel zu lange zurück und auch die Erinnerung daran verblasste langsam.

Der zweite große „Ghost in the Shell“-Film erschien im Jahr 2004, also fast zehn Jahre nach dem ersten Teil, und entstand erneut unter der Regie von Mamoru Oshii. Und auch wenn man nach dem relativ ähnlichen Intro, in dem man wieder die Herstellung eines Cyborgs zu atmosphärischer Musik verfolgen kann, vermutet, dass man hier „more of the same“ bekommt, geht der Film in eine andere Richtung. Denn nachdem – ACHTUNG: SPOILER!! – Motoko Kusanagi am Ende des ersten Teils verschwindet, dreht sich der Film primär um ihren Sektion 9-Partner Batou.

Dieser wird an einen Tatort gerufen, an dem ein Cyborg mehrere Polizisten getötet hat und sich anschließend selbst in die Luft sprengt. Dabei ist dies nicht der erste Fall, in dem dieses spezifische Modell anderen Schaden zufügt und so beginnt er zusammen mit seinem neuen Partner Togusa mit den Ermittlungen. Relativ schnell wird klar, dass die Cyborgs hauptsächlich zu einem Zweck gebaut werden, sie sind Sexroboter. Doch was steckt hinter dem Verhalten der Cyborgs?

„Ghost in the Shell 2: Innocence“ verzichtet erneut auf einen riesigen aufgeblasenen Fall und bewegt sich in einem eher kleineren Rahmen. Dabei werden die Ermittlungsarbeiten von Batou und Togusa aber von einem deutlicheren Schwerpunkt auf philosophische Fragen begleitet, so gibt es eine komplette Sequenz, die sich deutlich als Mindfuck klassifizieren lässt und auch so gibt es immer wieder mal bedeutungsschwangere Dialoge auf die Ohren. Generell hat der Film eine gewisse Schwere, was mir persönlich den Zugang schon immer ziemlich…ja…schwer gemacht hat.

Auch optisch war ich mit „Innocence“ noch nie so ganz glücklich, einige CGI-Effekte wirkten schon im Jahr 2004 veraltet und sind heutzutage noch schlimmer anzuschauen. Doch durch den Einsatz von Computergrafiken bekommt der Film auch seine ganz spezielle Atmosphäre. Ein echt zweischneidiges Schwert! Freunde von klassischer Animation kommen dennoch auf ihre Kosten, die Bewegungen der Figuren sehen gut aus und die vielen Details in den Hintergründen sorgen für eine lebendige Welt. Auch die wenigen Actionszenen machen deutlich, dass Herr Oshii sein Werk versteht.
Mal wieder ein Highlight ist der Soundtrack, der erneut von Kenji Kawai beigesteuert wurde und der sich mit seiner Mischung aus Synthie-Sounds und Chören extrem am Erstling orientiert.

„Ghost in the Shell 2: Innocence“ ist sicherlich kein Meisterwerk wie es noch der erste Film aus dem Jahr 1995 war. Er ist einfach sehr sperrig und der grimmige Batou als Hauptfigur ist sicherlich auch nicht die erste Wahl für einen erfolgreichen Film. Andererseits hat man sich damit etwas getraut und nicht einfach der bewährte Erfolgsrezept stumpf wiederholt.

Ich habe den Film auf der südkoreanischen Blu-ray von Mirage Entertainment angeschaut. Diese ist regionfree und bietet neben dem japanischen O-Ton auch koreanische und englische Untertitel. Es gibt den Film zwar auch auf einer deutschen Blu-ray, doch diese hat das grauenhafte Cover, das damals von Dreamworks angefertigt wurde. Aufgrund eines speziellen Deals für die West-Veröffentlichung haben diese „Innocence“ in 2004 nämlich unter ihrer Flagge vermarktet und dabei Coverbild des Schreckens gestaltet.

#Japanuary 2022 Film 4 – Ghost in the Shell

Einer meiner ersten Kontakte in Sachen Manga waren die Werke von Masamune Shirow. Das begann alles mit dem grandiosen „Appledseed“ und ging dann ganz flott zu „Ghost in the Shell“. Schon damals begeisterte mich die Cyberpunk-Welt mit ihren neuralen Schnittstellen, dem einzigartigen Design und den dargestellten Umständen. Selten zuvor wirkte ein Kosmos so durchdacht, obendrein gab es mit Motoko Kusanagi noch eine toughe und coole Hauptprotagonistin.

Doch so sehr ich den Manga mochte, der Anime aus dem Jahr 1995 hatte gehörige Anlaufschwierigkeiten in meinem Anime-Kosmos. Ich erinnere mich noch sehr genau an das erste Einlegen der VHS – ja, so alt bin ich – und die ersten Minuten des Films. Das eher realistische Design der Charaktere hat mich eher abgeschreckt, war ich doch den klassischen Manga-Look des Originals gewohnt. Doch in Sachen Inhalt enttäuschte mich „Ghost in the Shell“ nicht, auch die damals wegweisende Inszenierung sorgte für den ein oder anderen Begeisterungssturm vor der Glotze. Doch stop…worum geht es eigentlich?

In dem Anime von 1995, der unter der Regie von Mamoru Oshii entstand, geht es um Motoko Kusanagi und ihre Einheit bei Sektion 9. Ein vermeintlicher Hacker namens Puppet Master treibt sein Unwesen und beeinflusst nicht nur hochrangige Politiker, sondern missbraucht auch einfache Menschen für seine Pläne.
Während man zunächst recht schnell Ergebnisse liefern kann, wird aber auch klar, dass es sich hierbei nicht um einen gewöhnlichen Hacker handelt.

Mehr sollte man zu dem Film nicht verraten, es soll ja schließlich spannend bleiben. Und „Ghost in the Shell“ lohnt sich…der Anime begeistert nicht nur mit seiner Geschichte voll existenzieller Fragen, auch die Inszenierung ist auf einem Top-Niveau. Kein Wunder, dass sich unter anderem die „Matrix“-Macher hier an einigen Elementen bedient haben. Schon alleine die Anfangssequenz samt Intro, in dem man die Produktion eines Cyborgs nachverfolgen kann, könnte ich mir immer und immer wieder anschauen. Das ist natürlich auch der Musik von Kenji Kawai geschuldet, der die Szenerie hier mit perfekten Synthie-Sounds unterlegt.

Hier stimmt einfach alles. Es gibt keine Ausrede, den Film nicht zu schauen. Auch wer nichts mit Anime anfangen kann, hat hier aufgrund des gewählten Artstyles nichts zu befürchten.
„Ghost in the Shell“ gibt es auf zahlreichen Formaten…DVD, Blu-ray und in den USA sogar schon auf 4K-UHD. Ich selbst besitze die britische Blu-ray im Steelbook, welche absolut in Ordnung geht. Solltet ihr euch den Film noch anschaffen wollen, ignoriert bitte die fürchterliche 2.0-Version des Anime. Neben einer anderen Farbgebung hat man den Film nämlich vor allem mit neuen CGI-Sequenzen „verschönert“. Fürchterlich!

Beauty Water [Review]

Bisher waren die KAZÉ Anime Nights geprägt von japanischen Animationsfilmen, so aber nicht Ende Dezember 2021. Denn da lief mit „Beauty Water“ das Werk des koreanischen Regisseurs Cho Kyung-Hun in den Lichtspielhäusern. Ich konnte mir den Thriller, der übrigens auf einer Episode des Webtoons Tales of the Unusual“ basiert, dank eines Screeners des Publishers anschauen und wollte euch mein Review nicht vorenthalten.

Die Geschichte dreht sich dabei um die Stylistin Yaeji, die nicht nur unter ihrem Übergewicht leidet, sondern auch die Zickereien und das Mobbing der Schauspielerin Miri ertragen muss. Eines Tages wird ihr alles zu viel, sie wirft ihren Job frustriert hin und verbringt ihre Tage künftig mit allerlei Fastfood vor dem Rechner.

Eine Mail, die ihr mit Hilfe eines neuen Beauty-Produkts ein neues Leben und vor allem Schönheit verspricht, tut sie als vermeintlichen Spam ab, erhält aber dennoch einige Tage später ein mysteriöses Paket. Darin enthalten ist der neueste Schrei, das titelgebende Beauty Water. Dieses hilft ihr fortan, sich im Model-Business einen Namen zu machen, hat jedoch aber einen Preis. Denn nicht nur ist das Produkt an sich ziemlich teuer, auch der Fokus auf ihr Aussehen lässt Yaejin nach und nach zu einem anderen Menschen werden…

Südkorea war lange Zeit in den weltweiten Top 5, wenn es um Schönheits-OPs ging. Darum verwundert es nicht, dass sich ein koreanischer Regisseur durchaus kritisch mit diesem Thema beschäftigt. Aber gelingt das „Beauty Water“? Ich bin da hin- und hergerissen. Ja, die Kritik an Branchen wie dem Model-Business oder dem Fernsehen, die unreflektierte Schönheits-OPs befeuern, kommt definitiv an. Aber leider ist das alles meist recht plakativ und klischeehaft gewählt. Doch alles in allem ist die Geschichte von „Beauty Water“ recht gut und nie wirklich langweilig. In die 85 Minuten wird alles reingepackt was geht und so hat man am Ende eine durchaus unterhaltsame Mixtur aus Body Horror, Thriller, Suspense und Gesellschaftskritik.

Der größte Knackpunkt für mich ist allerdings die Optik dieses „Animationsfilms“. So bedient man sich für die Figuren an – nun wie soll man sagen – gräßlichen 3D-Modellen, die leider sämtliche Details vermissen lassen. Ein Todesstoß für ein genre wie Body Horror, das doch immer sehr explizit Wert auf Details legt…Während das in Standbildern noch ganz gut aussieht, ist spätestens bei Bewegungen Schluss. Die Animationen verlaufen viel zu langsam und lassen sämtliche Dynamik vermissen. Dazu kommen einige Texturen aus der Hölle, die vor zwanzig Jahren in so manchem Videospiel schon besser ausgesehen hätten. Ich verstehe, dass gerade Animation ein immenser Kostenfaktor ist, aber hier trübt die Optik – ähnlich wie bei Studio Ghiblis letztem Eintrag aus der Hölle – wirklich das Vergnügen.

„Beauty Water“ erscheint am 17.Februar 2022 auf DVD und Blu-ray.

Josie, der Tiger und die Fische [Review]

In den vergangenen Jahren gab es hier häufiger mal Reviews zu Filmen aus der KAZÉ Anime Nights, auch „Josie, der Tiger und die Fische“ wird am 30.11. im Rahmen dieses Events in den hiesigen Lichtspielhäusern gezeigt. Ich durfte mir im Vorfeld bereits den Screener anschauen und kann euch jetzt verraten, ob sich ein Kinobesuch lohnt.

Zunächst punktet der Film schon mal mit seinem Setting. Er spielt nämlich an einem der schönsten Orte Japans, Okinawa. Wer noch nicht dort war, sollte das schnell nachholen, Infos dazu könnt ihr in meinen beiden Reiseberichten von 2010 und 2015 finden.

Aber kommen wir zurück zum Film. Wir lernen erst einmal Student und Tauchlehrer Tsuneo kennen, der das Meer und seine Bewohner liebt. Als er eines Tages von der Arbeit nach Hause geht, stoppt er den Rollstuhl der jungen Josie, der sich selbständig machen wollte und einem Abhang hinabrollt.

Während die eigenbrödlerische Josie selbst nicht gerade begeistert von dem jungen Mann ist, ist es deren Großmutter umso mehr. Kurzerhand stellt diese ihn ein, um Josie den Alltag etwas zu erleichtern und die junge Frau wieder mehr an die Gesellschaft heranzuführen. Doch nach anfänglichen Querelen – ihr werdet es schon ahnen – fängt es zwischen den beiden an zu knistern, was das Leben aber für beide nicht leichter macht. Weder für die emotional unentschlossene Josie noch für Tsuneo, der eigentlich ein Auslandssemester in Mexiko plant.

„Josie, der Tiger und die Fische“ stammt vom Studio Bones, das auf eine beeindruckende Historie zurückschauen kann. Serien wie „Wolf‘s Rain“ oder „Mob Psycho 100“ und Filme wie „Sword of Stranger“ gehen schon auf deren Rechnung. Mit der Romanze unterstreicht man die hohe Qualität des Studios erneut. Die Animationen und die Qualität der Zeichnungen sind hervorragend. Es gibt viele Details zu entdecken und die Farben unterstreichen die jeweiligen Szenen toll.

Natürlich denkt man bei den Zutaten „Anime“, „Behinderung“ und „Love Story“ auch gleich an „A Silent Voice“, den ich an dieser Stelle nochmal besonders erwähnen möchte. Doch Josies Geschichte geht nicht ganz so ans Herz wie das Werk aus 2018. Das liegt zum einen an der Vorhersehbarkeit des Ganzen, wirklich überraschend ist der Film zu keinem Zeitpunkt. Außerdem drückt man fast schon ein bißchen zu sehr auf die Tränendrüse…also etwas zu viel Drama für meinen Geschmack.

Lupin III Triple Feature [Review]

Wer sich mit Anime und Manga beschäftigt, ist sicherlich auch schon mal über den Namen „Lupin“ gestolpert. Bereits seit den 1960er Jahren treibt der französische Meisterdieb in Manga-Form sein Unwesen, danach folgten TV-Serien, Kinofilme, sogar ein Musical und eine Realverfilmung. Letztere kann man sich übrigens auch gerne mal anschauen, meine Rezension dazu findet ihr HIER.

Neben der Hauptreihe gab es aber auch einige Spin-offs wie die Animeserie „The Woman Called Fujiko Mine“, dessen geistige Fortsetzung Kazé im Rahmen der Anime Nights 2021 jüngst in die Lichtspielhäuser brachte. Diese haben mir freundlicherweise auch einen Screenerlink zur Verfügung gestellt, so dass ich euch hier meine Eindrücke vom „Lupin III“-Triple-Feature schildern kann.

Wie der Name schon vermuten lässt, gibt es hier drei verschiedene Teile zu sehen: „Daisuke Jigens Grabstein“, „Goemon Ishikawa, der es Blut regnen lässt“ und „Fujiko Mines Lüge“. Alle drei Filme gehen je knapp über 50 Minuten und wirken anfangs etwas zusammenhanglos. Aber glaubt mir, am Ende macht das alles Sinn.

Im ersten Film steht vor allem Jigen im Fokus und wie dieser mit Lupin die ersten Abenteuer erlebt. In Teil 2 und 3 stehen dann Goemon und Fujiko Mine im Mittelpunkt, wobei vor allem der dritte Film noch die meisten Parallelen zum üblichen Heist-Thema von „Lupin III“ hat. Dank bösen Widersachern kommt einiges an Spannung auf und die Settings sind schön abwechslungsreich.

Alles in allem haben mir alle drei Filme ganz gut gefallen, „Fujiko Mines Lüge“ machte aber am meisten Spaß was sicherlich auch dem Zusammenfügen der Handlungsstränge geschuldet war. Auch optisch ist das Triple-Feature absolut überzeugend und hat einen tollen Stil. So sind die Animationen sehr dynamisch gehalten, das Charakterdesign ist trotz seiner reduzierten Art etwas ganz Spezielles. Sicherlich hat man mit der Kenntnis der früheren Serien und Filme ein bißchen mehr Hintergrundwissen und entdeckt so das ein oder andere Easter Egg, aber auch als Standalone-Werk macht das Triple-Feature Spaß.  

#Japanuary 2021 Film 4 – Promare

Werke des Studio Trigger stehen bei mir hoch im Kurs, „Kill La Kill“ schafft es dabei locker in meine Top 5 der Animeserien. Aber auch „Darling in the Franxx“ mochte ich sehr, vor allem der tolle Stil des Studios gefällt mir dabei.

Umso gespannter war ich deshalb auf den ersten, abendfüllenden Animefilm des Studios, „Promare“. In diesem geht es um ein mysteriöses Ereignis, das als Great World Blaze in die Geschichtsbücher einging. Dabei entzündeten sich Menschen ganz spontan und rissen mit ihrer pinken Flamme alles in ihrer Umgebung mit sich. Daraus entstanden dann die sogenannten Burnish, die immer noch die Kraft besitzen, Feuer und Flammen zu steuern. Nach einem Zeitsprung über mehrere Jahrzehnte verfolgen wir die Einsätze der Feuerwehr von Promepolis, die sehr häufig den Burnish geschuldet sind. Durch einen dieser Einsätze lernt Feuerwehrmann Galo den Burnish Lio kennen und somit auch die andere Seite der Medaille. Denn die Regierung der Stadt geht keinesfalls zimperlich gegen die Burnish vor und will diese für ihre Zwecke missbrauchen.

In Sachen Story erzählt „Promare“ nun also sicherlich keine sensationell revolutionäre Geschichte und manch ein Regisseur hätte die sicherlich auch in der Hälfte der Zeit erzählen können. Somit wirkt das Geschehen arg in die Länge gezogen, viele Szenen sind einfach zu langwierig. Da wird dann hier nochmal in der Perspektive umgeschalten, da passiert irgendwas spektakuläres und hey…habt ihr das da hinten schon gesehen? „Promare“ ist einfach ein verrücktes, lautes und grelles Werk und das über die vollen 111Minuten. Hin und wieder darf man mal kurz verschnaufen, aber dann geht es schon wieder weiter. Das muss man mögen und fällt sicherlich sehr deutlich unter den Begriff „style over substance“.

Studio Trigger zeigt hier mal wieder eindrucksvoll, was sie in Sachen Animationen so drauf haben. Auch das Charakterdesign und das Aussehen der Welt und der Mechs sind fantastisch, sogar die CGI-Effekte störten mich hier kaum. Denn durch den sehr reduzierten Stil, der sowieso schon sehr viele, große Flächen hat, konnte man auch so manchen Computereffekt damit gut übertünchen. Auch die Musik gefiel mir sehr gut, auch wenn es gerne ein paar Songs mehr hätte geben dürfen.

Alles in allem ist „Promare“ optisch gelungen, inhaltlich aber eher mau. Mir war der Film dann letztlich für seine Geschichte etwas zu lang und in manchen Szenen wusste man wirklich nicht mehr, wo oben und unten ist. Da schau ich mir lieber nochmal eine der vielen tollen Serien des Studios an.

„Promare“ gibt es bisher nicht in Deutschland auf DVD oder Blu-ray, dafür aber im europäischen Ausland. Ich habe meine Blu-ray aus England. Diese stammt von Anime Limited und hat auch ein paar Extras mit an Bord(u.a. Interviews und Trailer).

6,5/10 Punkte

#Japanuary 2021 Film 3 – Wicked City

Wenn man wie ich in den Anfangstagen von Anime und Manga in Europa aufgewachsen ist, gehörte es zum guten Ton sämtliche Veröffentlichungen von Manga Video UK auf VHS zu kaufen. So kam man nicht nur in den Genuss von Meisterwerken wie „Ghost in the Shell“ oder „Fist of the North Star“, hin und wieder bekam man auch Material in die Finger, was eigentlich nicht unbedingt altersgerecht war. Denn in den 80ern und frühen 90ern gab es auch unzählige Vertreter des hochwertigen Erwachsenenfilms auf Kassette, so unter anderem „Urotsukidoji“ oder „Adventure Kid“.

Diese Filme und Serien stachen vor allem mit ihrem hohen Anteil an nackter Haut gepaart mit deftigen Horror-Einlagen aus der Masse heraus und waren somit besonders interessant. Einer dieser Vertreter war auch „Wicked City“, der schon mit seinem geheimnisvollen Cover zum Kauf animierte. Die Geschichte rund um die Welten der Menschen und der Dämonen, die regelmäßig ihren Friedensvertrag erneuern, wirkt auf dem ersten Blick unspektakulär, gefällt aber vor allem mit seiner Inszenierung. Denn dank des starken Einsatzes von Schatten und dazu dem starken Kontrast mit Blau- und Rottönen, wirkt der Anime nochmal ganz anders als vergleichbare Werke von damals.

Die beiden Protagonisten Taki und Makie müssen in „Wicked City“ den Vermittler bei den Friedensverhandlungen, Giuseppe Mayart, beschützen, der den beiden das Leben aber alles andere als einfach macht. Denn der 200 Jahre alte Herr hat eigentlich nur eines im Sinn: den Besuch möglichst vieler Soaplands und die Bekanntschaft mit leichten Damen machen. Dass das natürlich seine Sicherheit gefährdet und die beiden Black Guards Taki und Makie vor keine leichte Aufgabe stellt, ist somit klar. Was folgt ist eine wilde Mixtur aus ein bißchen Sex, viel Blut, abgetrennten Körperteilen und einigen spannenden Twists.

„Wicked City“ wurde von keinem geringeren als Yoshiaki Kawajiri inszeniert, der bei uns mittlerweile vor allem durch „Ninja Scroll“ bekannt sein dürfte. Der Horror-Anime entstand im Jahr 1987, ist aber für sein Alter auch heute noch erstaunlich gut anzusehen, vor allem das Artdesign, die Charaktere und Dämonen wissen zu gefallen. Selbiges kann man auch über die Musik sagen, vermutlich schwingt hier aber auch ein bißchen Nostalgie aus der Zeit mit, in der man stundenlang vor dem heimischen TV hing und eine Anime-VHS nach der anderen in den Player gesteckt hat.

„Wicked City“ habe ich in Form der Blu-ray aus England gesehen, die jüngst bei Manga Video erschienen ist. Ich habe mir dabei das Set mit dem anderen Kawajiri-Werk „Demon City Shinjuku“ gegönnt, das in einem stabilen Schuber steckt und unter anderem noch ein dickes Booklet und Postkarten zu den Filmen enthält. Ein lohnenswertes Set!

Ach ja, von „Wicked City“ gab es Anfang der 90er auch einen Realfilm aus Hong Kong. Dieser stammt von Peter Mak und soll auch sehr sehenswert sein. Ich werde bei Zeiten berichten…

8/10 Punkte

#Japanuary 2021 Film 2 – Nausicaä aus dem Tal der Winde

In einer postapokalyptischen Welt gibt es kaum noch Leben auf dem Planeten. Denn ein giftiger Pilzwald verteilt seine Sporen überall und sorgt dafür, dass die Erde fast nur noch aus trister Wüste, dem Meer der Fäulnis, besteht. Zum Glück lebt Prinzessin Nauicaä im Tal der Winde, das bisher von den Sporen verschont blieb und somit der Welt wie sie früher einmal noch sehr ähnlich ist.

Doch als eines Nachts ein Flugzeug mit einer mysteriösen Fracht im Tal abstürzt, ändert sich das Leben im Tal von einer Minute zur anderen. Denn der seltsame Fleischklumpen, der an Bord des Luftschiffes war, lockt die Armee aus dem Reich Torumekia an, die keine Scheu vor einem Krieg hat. Nausicaä und ihr Volk sehen sich plötzlich also nicht nur der Gefahr der Natur ausgesetzt, sondern auch der des Menschen.

„Nausicaä aus dem Tal der Winde“ entstand im Jahr 1984 und ist somit eigentlich gar kein offizieller Studio Ghibli-Film, denn dieses wurde erst 1985 gegründet. Da aber Mastermind Hayao Miyazaki beteiligt war und der Film und dessen Erfolg schließlich für die Gründung des Studios verantwortlich war, ist er aber überall ein Thema wo es auch um Ghibli geht.

Nachdem ich den Film zum ersten Mal auf der Connichi in Kassel – vermutlich so 2005 – auf der großen Leinwand gesehen habe, hab ich ihn zwar mindestens zweimal gekauft, aber erst anlässlich des Japanuary jetzt wieder mal geschaut. Der Film ist mittlerweile 36 Jahre alt und das sieht man ihn zu keinem Zeitpunkt an. Zwar sind manche Szenen nicht ganz so detailliert wie andere, aber gerade das tolle Design und die wunderbaren Animationen wirken immer noch sehr zeitgemäß.

Ein absolutes Highlight ist aber – neben der wichtigen Botschaft des Films rund um Umweltschutz und Umgang mit der Natur – die mitreißende Musik. Ich hatte die gar nicht mehr so experimentell in Erinnerung, neben den, in den 80ern üblichen Synthiesounds, gibt es hier nämlich auch ganz schön frickelige Prog-Klänge um die Ohren geschmissen. Wow!

Wissenswertes zu „Nausicaä“ gibt es noch zu erzählen: zum einen basiert der Film auf einem Manga von Miyazaki, der nicht nur sehr detailreich gezeichnet ist, sondern natürlich auch sehr viel mehr Umfang als der Anime bietet. Der Manga wurde auch in Deutschland veröffentlicht, wirklich zu empfehlen ist aber die tolle Hardcover-Edition von VIZ Manga.
In den 80ern erschien der Film übrigens schon mal in Deutschland, da aber noch unter dem Titel „Sternenkrieger: Warriors of the Wind“ und in einer zerstückelten Version mit 23 Minuten weniger Laufzeit. Außerdem ersetzte man die tolle Botschaft des Films mit einer lahmen Gut gegen Böse-Geschichte…zum Glück gibt es solche Ausfälle heutzutage nur noch selten.

„Nausicaä aus dem Tal“ ist in Deutschland auf Blu-ray und DVD erhältlich. Ich habe den Film auf Blu-ray geschaut, die im schicken Digi daherkommt und einiges an Extras wie Storyboards in Filmlänge, Trailer und ein Interview an Bord hat.

10/10 Punkte

#Japanuary 2021 Film 1 – Chihiros Reise ins Zauberland

Die kleine Chihiro ist mit ihren Eltern eigentlich auf dem Weg in ihr neues Zuhause, doch ihr Vater verfährt sich und somit landen die Drei vor einem mysteriösen Tunnel. Als sie diesen durchschreiten, ahnt die Familie nicht, was sie hier alles erwarten wird.

Zunächst wähnen sie sich in einem verlassenen Freizeitpark, doch als Chihiro ein mysteriöses Badehaus entdeckt und sich ihre Eltern nach einem kleinen Festmahl an einem Straßenimbiss in Schweine verwandeln, ist klar: hier stimmt was nicht.

Chihiro wird daraufhin vom jungen Haku wortwörtlich an die Hand genommen und soll sich – bs sich die Wogen gelättet haben – im Badehaus um einen Job bewerben. Doch als Mensch ist das alles nicht so einfach, denn die Welt ist voller Geister und Mythengestalten. Und eigentlich will das Mädchen doch nur ihre Eltern und in die normale Welt zurück.

Als die Anime- und Mangawelle Ende der 90er/Anfang der 2000er so richtig in Deutschland ankam, konnte auch Studio Ghibli die ersten internationalen Erfolge feiern. Denn nachdem „Prinzessin Mononoke“ schon für sagenhafte Einspielergebnisse in Japan sorgte und sogar mit einem deutschen Kinostart versehen wurde, hat „Chihiros Reise ins Zauberland“ erstmals einen Oscar für einen Anime gewonnen.

Und gute zwanzig Jahre später kann man sagen: der Film ist immer noch eine absolute Wucht und mit „Akira“ und „Ghost in the Shell“ vermutlich meine persönliche Top 3 in Sachen Anime. Von Minute 1 an begeistert der Film mit seiner Optik, der zauberhaften Atmosphäre und dem wunderschönen Soundtrack. Von den vielen Fabelwesen mal abgesehen…

Die Farben sind knackig bunt, die Animationen einzigartig schön und generell kann man sich vermutlich jedes einzelne Bild ohne Probleme auch an die Wand hängen. „Chihiros Reise ins Zauberland“ war der ideale Start in den Japanuary 2021! Ein Meisterwerk!

Den Film besitze ich auf Blu-ray von Universum Anime, doch leider musste ich gestern feststellen, dass diese nicht mehr läuft. Ich hoffe, dass es sich hier um einen Einzelfall handelt, bin aber skeptisch. Immerhin hat schon die Blu-ray von „Evangelion 3.33“ von Universum Anime mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Doof…immerhin konnte man bei der Gelegenheit auf den Netflix-Stream zurückgreifen.

10/10 Punkte