Filmlogbuch Nr. 130 – Super Dark Times

Die beiden Freunde Josh und Zach sind unzertrennlich und verbringen jede freie Minute miteinander. Egal ob bei gemeinsamen BMX-Ausfahrten, Nachmittagen vor dem TV mit ausgeleierten VHS-Kassetten oder beim Abhängen im örtlichen Supermarkt, die beiden gehen durch Dick und Dünn.
Doch als Josh bei einem tragischen Unfall einen anderen Freund tödlich verletzt, beginnen die Probleme zwischen den beiden und vor allem Josh verändert sich hin zu einem echten Weirdo.

 

„Super Dark Times“ wird häufiger mit dem Über-Film „Donnie Darko“ verglichen und schwimmt sicherlich etwas auf der Erfolgswelle eines „Stranger Things“ mit. Denn auch dieser Film spielt in vergangenen Zeiten, hier den 90ern, und spielt mit deren Besonderheiten. Seien es Walkman, klobige Schnurlostelefone für daheim oder eben BMX-Räder, „Super Dark Times“ spricht Kinder der 90er absolut an.
Der Film bietet eine einfache und nachvollziehbare Geschichte und garniert diese mit einigen toll gefilmten Traumsequenzen. Atmosphärisch ist „Super Dark Times“ ein absolutes Brett, was nicht nur an der Kameraarbeit liegt, sondern auch an der musikalischen Untermalung. Sicherlich kein Gute Laune-Film für einen kuscheligen Popcorn-Abend, aber sehr sehr sehenswert, wenn man einmal ein etwas anderes Werk sehen will.

 

8/10 Punkte

 

„Super Dark Times“ gibt es in Deutschland auf Blu-ray und DVD, Sammler greifen aber zum Mediabook. Dieses beinhaltet beide Medien und ein 16-seitiges Booklet. Neben einem Audiokommentar gibt es noch 20 Minuten Bonusmaterial wie ein Gag Reel und entfernte Szenen.

 

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#Japanuary 2018 – Die Bonusfilme

Der Japanuary 2018 war für mich eine tolle Möglichkeit, einige Filme aus dem Pile of Shame abzuarbeiten und einige Klassiker wieder einmal anzuschauen. Doch auch zwischen den geplanten Filmen war immer noch etwas Zeit für andere japanische Werke und diese möchte ich euch in einer Kurzreview vorstellen. Alles in allem war der #Japanuary ein guter Einstieg in das Filmejahr 2018 und man muss an dieser Stelle erneut den Initiatoren von @politikundliebe, Abspanngucker und Kompendium des Unbehagens für die tolle Idee und die Mobilmachung danken! Wer sich mal anschauen will, was alles in dieser Zeit geschaut wurde, kann dies bei den Kollegen von SchönerDenken, die in wahnsinniger Kleinstarbeit jedes Review katalogisieren werden.

 

Your Name

 

Makoto Shinkais neuesten Film habe ich bereits im Herbst 2017 gesehen, wollte die Chance aber noch einmal wahrnehmen und ihn auf der großen Leinwand genießen. Für mich ist das einer der besten Anime der letzten zwanzig Jahre und in seiner Umsetzung einfach großartig. Toller Soundtrack, wunderschöne Geschichte und eine Optik, die in einem unglaubliches Fernweh nach Japan erzeugt. Großes Kino!

 

9/10 Punkte

 

Blade of the Immortal

 

Als großer Fan des Manga war ich zu Beginn recht enttäuscht von den ersten Szenen aus Miikes 100.Film. So wirkte mir das alles zu sauber und butleer, doch nachdem ich nun den kompletten Film gesehen habe, bin ich anderer Meinung. Denn „Blade of the Immortal“ ist eine sehr gute Manga-Verfilmung geworden, die zwar dem großen Umfang der Vorlage natürlich nicht gerecht werden kann, aber inszenatorisch ganz Miike ist und daher ziemlich cool!

 

8,5/10 Punkte

 

Corpse Party: Tortured Souls

 

Als großer Videospielfan ist mir die „Corpse Party“-Serie recht gut bekannt, auch in den Manga habe ich mal kurz reingelesen. Deshalb wollte ich mir auch die Anime-Verfilmung dazu mal anschauen, aber schon bei OVA 2 von 4 war Schluss. Denn neben den superdämlichen Charakteren hat mir auch die lahme Geschichte nicht gefallen. Kann man sich schenken.

 

4/10 Punkte

 

The Garden of Words

 

Nach „Your Name“ wollte ich mir wieder mal einen anderen Sjinkai-Film anschauen und griff zu „The Garden of Words“. Die Geschichte ist recht nett, hat gegen die tolle Optik aber kaum eine Chance. Ganz nett für zwischendruch, auch aufgrund der kurzen Laufzeit, aber sicherlich kein Must-see.

 

7/10

 

Blame!

 

Auch hier bin ich riesiger Fan des Manga von Tsutomu Nihei und wie er den Comic damals trotz weniger Dialoge sehr ausagekräftig gemacht hat. Der Anime, der nun in Zusammenarbeit mit Netflix produziert wurde, verschiebt die Hauptfiguren leider etwas und auch die epischen Momente des Manga bleiben leider aus. Dennoch gefiel mir die Optik recht gut, inhaltlich ist das aber Ware von der Stange.

 

6/10

#Japanuary 2018 Film 8 – Love Exposure

Eigentlich hat Yu ein recht beschauliches Leben. Zusammen mit seinem Vater und seiner Mutter lebt er glücklich in einer kleinen Wohnung und durch die fromm-christliche Lebenseinstellung der Eltern ist aus ihm ein anständiger Junge geworden. Doch nach dem plötzlichen Tod der Mutter und nachdem sein Vater sich zum Priester hat weihen lassen, bringt die wilde Kaori nicht die erhoffte Ruhe in die Familie, sondern drängt den Vater dazu seinen Job aufzugeben. Schließlich verlässt sie ihn für einen jüngeren Mann und der Vater beginnt zu einem freudlosen und strengen Priester zu werden, der von Yu eine tägliche Beichte seiner Sünden fordert.

Aufgrund seiner Erziehung ist Yu aber ein so guter Mensch, dass er nicht einmal eine Ameise zertreten kann, also erfindet er jeden Tag aufs Neue Sünden, die er dem Vater beichten kann. Als dieser an seiner Glaubwürdigkeit zweifelt, will Yu zum Sünder Nr.1 aufsteigen und beginnt so eine Ausbildung beim Meister des „Unter-den-Rock“-Fotografierens. Dabei stellt er sich so gut an, dass sogar seine drei Freunde bei ihm in die Lehre gehen und künftig die Straßen unsicher machen. Bei einer der Jagden auf den perfekten Pantyshot, trifft er auf Yoko, in die er sich unsterblich verliebt und die seine „Maria“ sein könnte. Einziges Problem: aufgrund einer Wette war er in diesem Moment als Sasori verkleidet. Nun heißt es also, das Herz der Dame zu erobern und ihr irgendwie klarzumachen, dass er kein Mädchen ist. Als sich dann auch noch eine Sekte in das Leben der Familie mischt und die alte Flamme des Vaters wieder auftaucht, ist das Chaos perfekt.

 

Schon anhand der Beschreibung dürfte euch Leserinnen und Lesern klar sein, dass „Love Exposure“ kein gewöhnlicher Film ist. Die wahnsinnigen Ideen für das knapp vierstündige Werk entsprangen Meister-Regisseur Sion Sono aus seinen Gehirnwindungen, welche er grandios umsetzte. Denn auch wenn die Story zu Beginn noch recht albern wirkt, ist der Film ab der zweiten Hälfte eine dramtische Geschichte voller Enttäuschungen und Tränen und dem ein oder anderen Liter Blut. Das mag für manche Zuschauer sicherlich nicht funktionieren, für mich ist „Love Exposure“ einer der besten Filme des japanischen Kinos. Hier stimmt einfach alles, angefangen bei der Auswahl der Darsteller(u.a. Sakura Ando <3) über die musikalische Untermalung(klassische Stücke wie das „Hohelied der Liebe“ wechseln sich mit dem rockigen Soundtrack ab) bis hin zu der Kurzweiligkeit, die der Film trotz seiner 237 Minuten versprüht. Mit diesem Film begann außerdem meine Leidenschaft für Sonos Werke, die immer wieder Neues entdecken lassen und sicherlich zum Spannendsten gehören, was der Film aktuell zu bieten hat. Wenn man sich auf einige verrückte Ideen einlassen kann…

 

10/10

 

„Love Exposure“ gibt es in Deutschland sowohl als DVD als auch Blu-ray von Rapid Eye Movies. Gesehen habe ich den Film auf der Blu-ray des britischen Labels Third Window Films, welche neben der Filmdisc auch noch eine DVD mit den Extras beinhaltet.  In Japan gibt es mittlerweile eine Blu-ray mit der eigentlich vorgesehene Fassung des Films, die als TV-Serie konzipiert war. Diese Version ist in 30-minütige Epsioden aufgeteilt und läuft ca. 275 Minuten. Über ein Release dieser Fassung im Westen ist leider nichts bekannt.

 

#Japanuary 2018 Film 7 – Pulse

Tokyo, Anfang der 2000er Jahre. Mit dem Aufkommen von Handys und dem Internet ziehen zwei ganz neue Phänomene in das Leben der Gesellschaft und bringen nicht nur positive Veränderungen. So erlebt die Stadt seltsame Geschehnisse in der Form von unerklärlichen Selbstmorden und dem spurlosen Verschwinden von Menschen.

Auch die beiden Hauptakteure Michi und Ryosuke machen seltsame Entdeckungen. So verschwinden einige Personen in Michis näherem Umkreis plötzlich und Ryosuke gerät bei seinen ersten Schritten im Internet auf eine mysteriöse Website, die dunkle Aufnahmen von anscheinend wahllos ausgesuchten Webcams zeigt. „Willst du einen Geist treffen?“

 

„Pulse“ von Kyoshi Kurosawa ist einer dieser Horrorfilme, der im Zuge des großen Erfolgs von „Ring“ oder „Ju-On“ auch im Westen zu großer Popularität kam und auch in einem US-Remake verwurstet wurde. Nachdem ich trotz langjähriger Begeisterung für das japanische Kino erst recht spät zu den Filmen von Kyoshi Kurosawa kam, bin ich hin- und hergerissen von dessen Werken. Vor allem seine Horrorwerke wie „Cure“ oder eben „Pulse“ sind recht verkopfte Filme, die ihren Inhalt nicht unbedingt beim ersten Anschauen klar machen. Da gefiel mir „Creepy“ wesentlich besser…
So ist „Kairo“, wie der Film im Original heißt, zwar vor allem zu Beginn düster und unheimlich und jagt einem wirklich einen kalten Schauer über den Rücken, allerdings macht die kryptische Geschichte  mit ihren gut verpackten Aussagen das ganze Konstrukt wieder recht kaputt. Das kann man mögen, aber in einem Horrorfilm habe ich gerne eine klare Botschaft. Letztlich ist es aber wieder genau diese „Verschwurbeltheit“, die den Film dann doch irgendwie zu etwas Besonderem macht.

 

6,5/10

 

„Pulse“ gibt es in Deutschland bisher nur auf DVD, wer es gerne etwas umfangreicher und informativer in Sachen Bonusmaterial hat, greift lieber zu der Arrow Video-Veröffentlichung aus Großbritannien. Neben einem Wendecover mit Kinoplakat gibt es nämlich ein Booklet und recht umfangreiche Extras.

 

#Japanuary 2018 Film 6 – 9 Souls

Als Insasse Nr. 10 kommt Michiru in Zelle Nr.13 und wird schon bald Zeuge wie einer seiner Mitgefangenen den Verstand verliert. Vorher spricht dieser aber noch davon, dass er an einer Grundschule am Fuss des Fujiyama eine riesige Menge an Geld vergraben hätte. Als sich dann eine Fluchtmöglichkeit für die verbliebenen Neun bietet, nutzen sie diese, immerhin haben sie Ausbruch-Experte Shiratori dabei.
Mit einem gestohlenen Van machen sie sich letztlich auf den Weg zu besagter Schule und zum erhofften Reichtum. Doch auf der gemeinsamen Reise hat auch jeder der neun Häftlinge sein eigenes Ziel. So träumt manch einer von einem Leben als Servicekraft in einem Restaurant, ein anderer trauert immer noch seiner großen Liebe, einer Angestellten einer Telefonsex-Hotline hinterher.

„9 Souls“ ist kein klassischer Gangsterfilm an den man zunächst denkt, wenn man die Grundidee von neun flüchtigen Häftlingen hört. Denn neben allerlei skurrilen Momenten, z.B. wenn sich die Truppe mit Frauenkleidern „tarnt“ oder mit angeklebten Bärten im Restaurant sitzt und man vor Lachen fast von der Couch fällt, sind es am Ende vor allem die vielen tragischen Momente der Charaktere, die Eindruck hinterlassen.
Denn so schön naiv wie viele Träumereien am Anfang des Films wirken, desto härter holt die Figuren die Realität dann ein. Und den ein oder anderen Seitenhieb auf die japanische Gesellschaft gibt es in Toshiyaki Toyodas Film oben drauf.
Neben der recht coolen Musikuntermalung mit vielen langsamen, sehr atmosphärischen Rockklängen, ist es aber vor allem der Cast, der diesen Film so charmant und sehenswert macht. So sehen wir viele Schauspieler, die damals bei der Entstehung des Films im Jahr 2003 gerada am Anfang ihrer Karriere standen, z.B. Ryuhei Matsuda, den mittlerweile verstorbenen Yoshio Harada oder Kiyohiko Shibukawa.

8/10

„9 Souls“ gibt es bisher leider nicht in einer deutschen Version(und das trotz Kinostart), der Film erschien auf Blu-ray aber glücklicherweise von Third Window Films in Großbritannien. Dieser kommt zusammen mit „Pornostar“ und der Boxer-Doku „Unchain“ in der „Toshiaki Toyoda: The Early Years“-Box, die in einem schicken Digipack daher kommt und sehr empfehlenswert ist.

 

#Japanuary 2018 Film 5 – Destruction Babies

Als sein älterer Bruder Taira plötzlich verschwindet, macht sich Shota auf die Suche nach ihm. Schließlich ist er seit dem Tod des Vaters vor vielen Jahren die einzige Person aus seiner Familie, die er noch hat. Als sich dann plötzlich die Nachrichten über einen jungen Erwachsenen verbreiten, der in der Innenstadt wahllos auf Menschen losgeht und diese verprügelt, befürchtet Shota das Schlimmste.

„Destruction Babies“ ist sicherlich kein angenehmer Film. Und auch wenn ich nicht viele Probleme mit extremen Filmen habe, dieser hat mir das Leben schwer gemacht. So habe ich zwei Anläufe gebraucht, den Film komplett zu schauen, da er mir bereits nach 45 Minuten so auf den Magen und das Gemüt geschlagen hatte. Diese wahllose Gewaltausübung und die extremen Ausbrüche von Taira und seinem späteren Komplizen sind so unangenehm anzuschauen, wie ich es selten erlebt habe. Nicht umsonst wird der Film mit „Die 108 extremsten Minuten in der Geschichte des japanischen Films“ beworben. Unglaublich!
Und da sind wir auch schon bei meinem Dilemma mit dem Film: was bewertet man nun? Versucht man es auf die handwerkliche Schiene oder die emotionale? Schließlich will der Film beim Zuschauer diese Gefühle erzeugen, die ich beim Sehen hatte, auf der anderen Seite macht dies noch keinen guten Film aus. Ich tu mir richtig schwer mit „Destruction Babies“. Auf der einen Seite würde ich ihn gerne wieder aus meiner Filmsammlung entfernen, aber wie gesagt, seine Wirkung hat der Film voll und ganz entfaltet. Sicherlich ein besonderer Film für eine besondere Stimmung und weniger für den locker-flockigen Filmabend mit Chips und Malzbier.

6/10

„Destruction Babies“ erschien beim britischen Vorzeigelabel Third Window Films auf Blu-ray und DVD und beinhaltet fast eine Stunde an Extras wie ein Making-of und Material von der Premiere. Bild und Ton sind für solch eine Produktion recht gut.

 

#Japanuary 2018 Film 4 – Dead Or Alive

Ryuichi und seine Gang sind eigentlich ein paar Kleinganoven, die neben ihren kriminellen Aktivitäten auch noch einen Nachtclub betreiben. Doch dies langt der Truppe nicht und so überfallt man nicht nur einen Geldtransport, sondern legt sich auch noch mit den ansässigen Yakuza-Gruppierungen an. Als ihnen dann auch noch der Polizist Jojima auf die Spur kommt, wird es plötzlich unangenehm für Ryuichi und seine Entourage.

„Dead Or Alive“ war Anfang der 2000er mein erster Kontakt mit Takashi Miike und ließ mich ziemlich verstört zurück. Denn glaubt man anhand der Storybeschreibung einen normalen Yakuza-Film zu sehen, hauen den Zuschauer schon die ersten fünf Minuten von der Couch. Diese geben nämlich den verrückten Grundton des Film grandios wieder, neben allerlei nackter Haut gibt es nämlich auch viel Blut und skurrile Ideen.
Dazu kommt ein Cast, der mit Riki Takeuchi, Sho Aikawa oder Susumu Terajima großen Wiedererkennungswert hat, wenn man sich etwas mit dem japanischen Film befasst. Dieser hat auch einen großen Anteil an der hohen Qualität des Films und vermitteln den Wahnsinn der Geschichte recht gut.
Auch fast zwanzig Jahre nach der Erstveröffentlichung wirken viele der Effekte recht gut und einige der drastischeren Szenen haben ihre Wirkung nicht verloren. Da wird deutlich, was ein guter Filmemacher Takashi Miike ist…auch wenn ich nicht alle seiner Filme mag.

8/10 Punkte

„Dead Or Alive“ gibt es in Deutschland auf DVD und Blu-ray, letztere sogar im Mediabook für den schmalen Taler. In Großbritannien gibt es mittlerweile ein Set von Arrow Video, in dem alle drei Filme der Reihe enthalten sind. Dazu gibt es ein informatives Booklet und bei der Erstauflage einen schönen Schuber. Wie üblich hat die Amaray ein Wendecover mit dem japanischen Originalmotiv des Films bzw. hat man hier noch einige Elemente von Teil 2 und 3 ergänzt.
Ich hab den Film auf der Blu-ray von Arrow gesehen, die visuell und akustisch absolut in Ordnung geht, wenn man das Alter des Films in Betracht zieht.