#Japanuary Film 3 – Cold Fish

Der Tropenfischverkäufer Shamoto lebt mit seiner Tochter und der neuen Frau in einem nicht gerade harmonischen Haushalt. Vor allem die Tochter, Mitsuko, hat so ihre Probleme mit der sehr jungen Stiefmutter und den bescheidenen Lebensumständen, und macht ihrem Unmut darüber regelmäßig Luft.
Als sie beim Ladendiebstahl erwischt wird, ist es Murata, der ihr und der Familie aus der Patsche hilft. Dieser betreibt auch ein Geschäft für Tropenfische, allerdings in einem ganz anderen Rahmen als Shamoto. Neben einem riesigen Geschäft mit zahlreichen Fischarten hat dieser nämlich noch allerlei, vorwiegend weibliche und sehr junge Angestellte, die ihn vergöttern. Da Murata in Mitsuko eine ähnlich verlorene Seele wie in seinen anderen Angestellten sieht, bietet er ihr einen Job an, den sie wohlwollend annimmt. Denn so kann die dem tristen Haushalt entfliehen und steht endlich auf eigenen Beinen.
Dass dies eine gewisse Verpflichtung für Shamoto und seine Frau Taeko gegenüber Murata mit sich bringt, ist natürlich selbstverständlich. Und gerade Shamoto wird von Murata plötzlich ziemlich in Beschlag genommen und in einige nicht gerade legale Angelegenheiten mit reingezogen. Als diese in einem Mord enden, verändert das für Shamoto alles.

Was wäre ein Japanuary ohne einen Film von Shion Sono? Genau, nichts! Diesmal war also „Cold Fish“ mal wieder an der Reihe, der im Jahr 2010 entstand und der vermutlich mein zweiter, bewusster Film von Sono war. Und damals hat mich der Thriller von der Couch gehauen, so beeindruckt war ich nach den zweieinhalb Stunden. Das war wirklich ein aufregender Ritt!
Bei der jetzigen Zweitsichtung fehlt dieser Effekt zwar etwas, dennoch sind vor allem die letzten vierzig bis fünfundvierzig Minuten grandios und lassen einem kaum Zeit zum Verschnaufen. Hinzu kommen ein paar grandiose schauspielerische Leistungen, vor allem Denden als Murata ist widerlich und ein Unsympath durch und durch. Mit Megumi Kagurazaka ist außerdem Shion Sonos Ehefrau und Darstellerin von u.a. „The Whispering Star“ und „Guilty of Romance“ mit an Bord.
„Cold Fish“ gehört zweifelsfrei zu meinen persönlichen Top 5 der Shion Sono-Filme und ist für jeden Fan von packenden Thrillern empfehlenswert.

 

8,5/10 tropischen Fischen

 

 

„Cold Fish“ gibt es in Deutschland auf DVD von Rapideyemovies, ist in UK allerdings auch auf Blu-ray erschienen. Ich habe den Film in dieser HD-Veröffentlichung von Third Window Films gesehen, die auch noch eine zweite Disc mit allerlei Extras beinhaltet. Auf dieser finden sich einige Interviews, u.a. auch zu den realen Vorfällen auf denen „Cold Fish“ basiert.

#Japanuary Film 2 – Like A Dragon

Der ehemalige Yakuza Kazuma Kiryu wurde gerade aus dem Knast entlassen, doch schon stellen sich ihm wieder einige Probleme in den Weg. So trachtet ihm sein ehemaliger Partner Majima nach dem Leben, außerdem läuft ihm die kleine Haruka über den Weg, die nach ihrer Mutter sucht. Als wäre das nicht schon genug  macht auch noch ein kleinkriminelles Pärchen das fiktive Viertel Kamurocho unsicher und ein koreanischer Killer will alte Rechnungen begleichen.

„Like A Dragon“ ist ein Film von Takashi Miike und die Videospiel-Verfilmung zu „Yakuza“(oder „Ryu Ga Gotoku“ wie man es in Japan kennt). Als großer Fan dieser Reihe, eine Liebeserklärung an „Yakuza 0“ findet ihr hier, war es natürlich Pflichtprogramm für mich, diesen Film zu sichten. Das erste Mal sah ich den Film jedoch ohne Bezug zu den Spielen und verstand eigentlich nur Bahnhof. Denn leider reiht Miike hier einfach Ereignisse aus dem ersten Teil der Reihe aneinander, führt Figuren kaum oder gar nicht vernünftig ein und garniert diese mit ein paar netten Verweisen auf die Games. Das war’s!
Nachdem ich die Serie nun sehr gut kenne und jeden Teil der Hauptreihe gespielt habe, schmerzt der Film aber umso mehr. Das beginnt bei den uncharismatischen Figuren, die leider nicht im entferntesten an ihre Vorlagen erinnern und zieht sich über die chaotische Erzählweise bis hin zu einem Finale, das maximal ok ist. Ein Spiel von gut 10 Stunden Länge in einen Spielfilm mit 104 Minuten Laufzeit zu packen, ist eben nicht gerade sinnvoll.
In der Theorie hätte aus dem Film auch ein echtes Meisterwerk werden können. Denn sowohl Takashi Miike als auch die Videospiel-Vorlage sind bekannt für ihre Verrücktheiten und nehmen sich nicht allzu ernst. Und wer kann bessere Yakuza-Filme als Miike-sensei? Gut…ok…Takeshi Kitano, ich weiß. Doch wenn eben alles nach einem schlechten Fanfilm von noch schlechteren Cosplayern aussieht, hilft da auch der Name Miike nicht viel. Sehr schade!

 

4/10 Faustschlägen

 

 

„Like A Dragon“ erschien bereits im Jahr 2009 beim deutschen Label Eye See Movies und das sogar in zwei Varianten. Neben einer normalen Keepcase-Version mit einer Disc gibt es auch eine Deluxe Edition im Digipack mit zwei DVDs. Disc 2 enthält dabei einen Kurzfilm, der als Prolog zum Hauptfilm dient und knapp 43 Minuten läuft.
Loben muss man an dieser Stelle die Qualität der DVD, die selbst auf modernen 4K-TVs eine sehr gute Bildqualität hat. Nicht selbstverständlich für eine zwölf Jahre alte DVD.
Jedem der etwas mit Japan anfangen kann und nicht „Call of Duuty“-abhängig ist, muss ich hier noch einmal die Videospiele zu „Yakuza“ empfehlen. Glücklicherweise kann man dank „Kiwami“-Neuauflagen und dem bald erhältlichen Remaster-Set mit Teil 3 bis 5 mittlerweile alle Serienteile(außer den beiden Mittelalter- und dem Zombie-Ableger) auf der PlayStation4 spielen. Man braucht halt etwas Zeit und Geduld. Einige der Teile sind schon recht redselig, belohnen aber mit tollen Storylines und noch besseren Nebenquests. Und dem unbezahlbaren Japan-Feeling.

#Japanuary Film 1 – Uzumaki

In dem beschaulichen Hafenstädtchen Kurouzu-cho lebt Kirie Goshima eigentlich ein relativ beschauliches und ruhiges Leben. Tagtäglich geht sie zur Highschool, trifft sich mit ihrem vermeintlichen Freund Shuichi und verfolgt die aufstrebende Karriere ihres Vaters als Töpfermeister. Doch eines Tages wird die Stadt von seltsamen Ereignissen heimgesucht, viele Bewohner verhalten sich seltsam. Darunter auch Shuichis Vater, der plötzlich eine groteske Begeisterung für Spiralmuster entwickelt und sich in dieses „Hobby“ ziemlich investiert. Was steckt hinter dieser Obsession und warum wachsen manchen Mitschülern Schneckenhäuser auf dem Rücken?

Junji Itos „Uzumaki“ hinterließ bei seiner Erstsichtung mindestens so viele Fragezeichen bei mir, wie die Inhaltsangabe vermuten lässt. Was für ein Mindfuck! Daher verschwand der Filme lange in meinem Filmregal ohne weiter beachtet zu werden. Vor ein paar Jahren jedoch wurde ich wieder auf den Autor der Manga-Vorlage, Junji Ito, aufmerksam, der sich mittlerweile als Horror-Autor einen großen Namen gemacht hat. Auch seine anderen Werke wie „Gyo“ und „Tomie“ waren mir mittlerweile bekannt und just zu diesem Zeitpunkt erschien auch die Deluxe-Ausgabe des Manga „Uzumaki“ in England.
Nach dem ich nun den sehr umfangreichen Manga mit seinen über 600 Seiten kenne, macht der Film wesentlich mehr Sinn(auch wenn er nur einen kleinen Teil des Comics enthält) und ist eine schöne Ergänzung zur Vorlage. Higuchinskys Werk aus dem Jahr 2000 leidet zwar unter einigen mauen CGI-Effekten, die aber durch die starke Verwaschenheit der DVD von Rapid Eye Movies nicht sonderlich auffallen.
Die 94 Minuten sind kurzweilig und bauen eine unangenehme Atmosphäre auf, die mit einigen, handwerklich sehr guten Schockermomenten garniert werden. Auch der Cast wird der Vorlage sehr gut gerecht, insgesamt macht der Film schon recht viel Spaß.

7,5/10 Spiralen

 

„Uzumaki“ ist, wie schon erwähnt, in Deutschland bei Rapid Eye Movies auf DVD erschienen. Das Alter dieser Disc merkt man leider sowohl in Sachen Bildqualität als auch Bildformat, das sich auf aktuellen TVs nur mit einem starken schwarzen Rahmen rund um das Bild bemerkbar macht. Zum Glück kann man dies mit Hilfe der Zoomfunktion am Player etwas heranholen. Immerhin sind noch ein paar Extras wie ein Making of an Bord. Wie das früher bei REM der Fall war, ist die DVD ursprünglich in einer schicken Digi-Ausgabe erschienen, aber auch eine normale Amaray-Version und eine aus der Intro Asien-Edition war über die Jahre hin verfügbar.
Der Manga ist mittlerweile auch in Deutschland erschienen, über die UK-Ausgabe habe ich mich hier schon ausgelassen.

 

Die besten Serien 2019

Wie auch schon bei meinen Film-Flop und -Top 5 erwähnt, war das Jahr 2019 wieder recht ergiebig in Sachen gesehener Serien und Filme. Während ich in letzter Kategorie eher ältere Werke gesehen habe, war ich in Sachen Serien relativ aktuell dabei.

Meine Top 5, die sowohl aus Anime- als auch Realserien besteht, habe ich hier für euch zusammengeschrieben.

 

Platz 5

„Joker Game“

Eher unverhofft bin ich über diese sehenswerte Animeserie um eine Agenteneinheit im Japan vor dem Zweiten Weltkrieg gestolpert. Jede Episode erzählt eine Geschichte rund um einen dieser Agenten, dabei spielt das Ganze in verschiedenen Ländern und bleibt in einem realistischen Rahmen. Es gibt nur wenig Klischees, auch Fanservice bleibt der 12-teiligen Serie fern.

 

Platz 4

„Darling in the Franxx“

In den ersten Folgen kommt einen die Serie wie „Neon Genesis Evangelion“ mit einem verhundertfachen Fanservice-Faktor vor und ehrlich gesagt, waren da einige Sachen schon recht albern und sexistisch. Dennoch entwickelt sich „Darling in the Franxx“ spätestens in der zweiten Hälfte zu einer sehr ernsten und düsteren Serie, die durchaus eine Aussage hat.

Kommt natürlich nicht an „Evangelion“ heran, aber wer eine Alternative sucht, wird hier fündig.

 

Platz 3

„Game of Thrones“ Staffel 8

Der Abschluss der beliebten Dark Fantasy-Reihe spaltete die Fans. Viele waren enttäuscht von den vielen Wendungen, die einige der Charaktere noch machten, ich fand das aber recht gelungen. Sicherlich war es nicht perfekt, auch ein düsteres Ende wäre durchaus drin gewesen, aber ich freue mich schon jetzt auf einen Rewatch der kompletten Serie.

 

Platz 2

„Der nackte Regisseur“

Netflix überraschte im Sommer mit einer Serie über den Regisseur Toru Muranishi, der in den 80ern die Porno-Industrie in Japan revolutionierte. Das Ganze ist natürlich ein großer Spaß und wurde mit einigen großen Namen des japanischen Films hochwertig inszeniert.

Die Ideen(ein Pornodreh im Flugzeug über Pearl Harbour?!?) sind abgedreht, umso unpassender sind dann einige düstere und recht brutale Momente. Staffel 2 ist schon angekündigt. Yeah!

 

Platz 1

„Stranger Things“ Staffel 3

Im Sommer kehrten auch die Kids aus Hawkins zurück auf die Bildschirme und erlebten erneut ein Abenteuer, das sich gewaschen hat. Coole neue Figuren, eine noch bombastischere Präsentation und ein interessantes Ende machen Lust auf Staffel 4. Schön, den Charakteren beim Erwachsenwerden zusehen zu können!

Die besten und schlechtesten Filme 2019

Auch in 2019 war ich wieder fleißig in Sachen Film- und Serienkonsum und so stehen zum heutigen Tag knapp 175 Werke auf meiner Liste, die ich gesehen habe. Dabei war in diesem Jahr nicht sehr viel Aktuelles, es gab vermehrt Rewatches und Sichtungen von Filmen aus den letzten fünf Jahrzehnten.

Auch der Konsum des japanischen Kinos ging etwas zurück, da leider der Output auch nicht mehr so groß ist wie in den vergangenen Jahren. Immerhin konnte ich auf der Nippon Connection in Frankfurt ein paar aktuelle Werke aus dem fernen Osten genießen.

In diesem Artikel präsentiere ich euch sowohl meine Top als auch Flop 5 der Filme aus dem Jahr 2019.

 

Flop 5

Platz 5: „The Happytime Murders“

Peter Jackson hat es mit „Meet the Feebles“ vorgemacht wie man Handpuppen-Filme für ein erwachsenes Publikum macht, „The Happytime Murders“ zeigt das genaue Gegenteil. Blödsinniger Pipikacka-Humor und die Suche nach dem Niveau und dem Spaß haben diesen Film zu einer echten Tortur gemacht.

 

Platz 4: „Glass“

„Unbreakable“ fand ich damals komisch, „Split“ dafür umso interessanter. Mit „Glass“ wollte M.Night Shyamalan das alles zu einer runden Trilogie machen, allerdings reichen ein, zwei gute Momente dafür nicht aus. Sehr schade! Ein alternatives Superhelden-Universum wäre neben dem mittlerweile gähnend langweiligen Marvel-Filmen echt spannend gewesen.

 

Platz 3: „Hellboy – Call of Darkness“

Die Comics und die beiden Realverfilmungen von Guillermo del Toro mochte ich sehr, umso gespannter war ich auf den neuen Teil. Schon im Vorfeld begeisterte mich aber keiner der Trailer und das setzte sich auch beim vollständigen Film fort.

Der sieht aus als hätten ihn irgendwelche Cosplayer im Garten der Comic Con gedreht, auch inhaltlich war der Film ein Langeweiler vor dem Herrn.

 

Platz 2: „Iron Sky: The Coming Race“

Also bitte, was kann man eigentlich an einem Film versauen, in dem Hitler auf einem T-Rex reitet und einen ausgestopften Hund hinter sich herzieht? Teil 1 hat das braune Gesocks herrlich durch den Kakao gezogen, die Fortsetzung hat es hierbei eher auf die – mindestens genauso dämliche – Aluhut-Fraktion abgesehen.

Wäre schon cool gewesen, wenn man das alles noch mit einem spaßigen Film hätte verbinden können. So bleiben ein, zwei gute Gags. Der Rest ist leider Langeweile deluxe!

 

Platz 1: „Star Wars – Episode IX“

Meine Wertung für den neuesten „Star Wars“-Film ist zwar eine ganz ordentliche 6/10, dennoch hat mich der Abschluss der aktuellen Trilogie mehr als enttäuscht. Ich weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Beim hektischen Beginn? Beim Hin- und Herspringen zwischen irgendwelchen Ereignissen? Oder sind es einige superdämliche Enthüllungen, bei denen ich im Kino gerne herzlich gelacht hätte?

Ich mochte Episode 7 und 8 und hatte wirklich die Hoffnung, dass man hier ein ebenso tolles Ergebnis präsentiert bekommt, aber leider ist „Der Aufstieg Skywalkers“ für mich die Enttäuschung im Filmjahr 2019.

 

 

Top 5

Platz 5: „Under the Silver Lake“

Mit „It Follows“ hat David Robert Mitchell einen großartigen Horrorfilm geschaffen, der mit einfachsten Mitteln eine wahnsinnige Atmosphäre erzeigt hat. „Under the Silver Lake“ kann man schwer in ein Genre packen, der Film ist eine Mischung aus Thriller und Komödie und erinnert somit am ehesten an Werke von David Lynch.

Wie schon bei seinem Erstling arbeitet Mitchell auch hier wieder mit großartigen Bildern und einem spitzen Soundtrack.

 

Platz 4: „Joker“

Ich bin langsam etwas Superhelden-müde was Filme aus dem Marvel-Universum angeht, DC setzt ihre Figuren da – in Teilen – wesentlicher spannender, mutiger und freier um. Bestes Beispiel hierfür ist „Joker“, der nicht annähernd eine Comicverfilmung sein müsste.

Phoenix‘ Lachen lässt einen von Minute 1 an erschaudern, auch der Rest der sehr nihilistischen Geschichte hebt sich erfrischend vom Rest der Superhelden-Einerleis ab.

 

Platz 3: „Once upon a Time…in Hollywood“

Tarantinos neuester Film erzählt zwar nicht sonderlich viel, sondern lässt einen die Atmosphäre Hollywoods in den 60er Jahren nachempfinden. Allerdings erlebt man auch hier wieder die typischen QT-Momente, so zum Beispiel am Ende des Spektakels.

Eine große Stärke ist mal wieder der Cast, der von Margot Robbie über Brad Pitt bis hin zu Leonardo Di Caprio Bestleistungen bringt.

 

Platz 2: „Parasite“

Bong Joon Hos neuester Film erntete schon vor dem Kinostart viele Lorbeeren, daher war für mich eine Sichtung am Start-Wochenende Pflicht. Kurz nach dem Film war ich noch etwas verwundert, dass „Parasite“ so viel Lob erhielt, aber umso mehr man über die Geschichte der Außenseiter-Familie nachdenkt, desto besser wird der Film.

Dass er unglaublich schön gefilmt und inszeniert ist, muss man bei diesem Regisseur wohl nicht mehr erwähnen.

 

Platz 1: „One Cut of the Dead“

Ein Zombiefilm?!? Wie langweilig…oder kann einen das Genre doch endlich mal wieder was Frisches zeigen? Ja, es kann. Und zwar in „One Cut of the Dead“.

Das Werk um eine Filmcrew, die während eines Drehs von Zombies heimgesucht wird, muss man gesehen haben. Und bitte haltet die ersten dreißig Minuten aus. Mehr darf und sollte man nicht erzählen. Schaut euch die Produktion aus Japan einfach an und habt Spaß!

Für mich ist „One Cut of the Dead“ der beste Film des Jahres und eine Liebeserklärung an das Handwerk!

#Japanuary 2019 Film 8 – Swallowtail Butterfly

Durch die erstarkte japanische Wirtschaft und den starken Yen zieht es zahlreiche Ausländer nach Japan, die dort aber vorwiegend in ihren eigenen Bezirken, den sogenannten Yentowns leben. Die chinesische Prostituierte Glico nimmt sich eines Tages der Waisen Ageha an, die erst vor kurzem ihre Mutter verloren hat und vom Rest der Familie verstoßen wurde.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten wachsen die beiden zusammen und so gehen sie künftig durch dick und dünn. Nachdem Glico von einem ihrer Freier angegriffen wird, kommt es jedoch zu einem tragischen Zwischenfall in dem dieser stirbt. Als Glico und ihre Freunde aus der Yentown die Leiche beseitigen wollen, finden sie ein Musiktape in deren Magen auf der sich nicht nur Frank Sinatras „My Way“ befindet, sondern auch Daten um gefälschte Banknoten herzustellen.
Mit viel Yen in den Taschen machen sich Glico, Fei Hong und Ageha auf in die Stadt, kaufen dort einen Musikclub und veranstalten jeden Abend Konzerte. Im Mittelpunkt steht dort vor allem Glico, die mit ihrer tollen Stimme schon bald mehrere Musikproduzenten auf sich aufmerksam macht.
Doch auch die chinesische Mafia hat den Yentwon Club und deren Besitzer im Blick, denn die Kassette mit den Falschgeld-Daten gehört eigentlich ihnen.

 

„Swallowtail Butterfly“(hierzulande auch unter „Yentown“ bekannt) stammt von Shunji Iwai, der seit Anfang der 1990er bereits über zwanzig Filme gedreht hat. Wie auch seine anderen Werke besitzt diese Mischung aus Sozialdrama, Gangster- und Musikfilm eine ganz besondere, fast schon unwirkliche Atmosphäre, die einen von Minuten Eins an in Besitz nimmt.
Als der Film 1996 in die japanischen Kinos kam, sorgte er wohl für eine ziemliche Kontroverse, da er das Problem der japanischen Regierung mit seinen ausländischen Einwohnern und deren Insolation vom Rest der Gesellschaft recht direkt anspricht. Dennoch ist „Swallowtail Butterfly“ kein demprimierendes Werk, sondern hat die unterschiedlichsten Facetten. Mal ist er witzig, dann spannend, dann tragisch oder einfach nur unterhaltsam.
Seinen Multikulti-Stil erhält sich der Film auch durch die unterschiedlichen Sprachen, die gesprochen werden. Während sich die Hauptfiguren häufig in einem Mix aus Englisch, Japanisch und Chinesisch unterhalten, sind es zu einem großten Teil kurioserweise die weißen Langnasen, die ausschließlich Japanisch können. Spannend!
Natürlich liegt bei „Swallowtail Butterfly“ ein großer Fokus auf der Musik, Glico-Darstellerin Chara kennt man in Japan nämlich vor allem als Sängerin. Ihre etwas rauchige Stimmte und die tollen Songs während des Films lassen einen wunderbaren Soundtrack entstehen, der die Atmosphäre des Films noch einmal unterstreicht.

 

8,5/10

 

 

„Swallowtail Butterfly“ ist in Deutschland vor vielen Jahren bei Rapid Eye Movies auf DVD erschienen. Während die Erstauflage im Digipack samt Schuber und Poster in den Handel kam, gibt es auch eine Intro Edition Asien-Version des Films in einer Vorform des Mediabooks. Achtung: hierzulande ist der Film unter dem Titel „Yentown“ erschienen.

#Japanuary 2019 Film 7 – Exte: Hair Extensions

Als im Hafen einer japanischen Kleinstadt ein Container mit einer Leiche und einem Berg von Haaren auftaucht, reißt sich Haarfetischist Yamazaki die Tote unter den Nagel und verkauft ihre Haarpracht an Friseurläden in der Umgebung. Aufgrund eines Fluches wächst ihr das Haar nämlich immer wieder nach so dass er sich damit gutes Geld verdienen und gleichzeitig seinen Fetisch ausleben kann.
Gleichzeitig verfolgen wir die Karriere von Yuko, die es einmal zu einer berühmten Hairstylistin bringen will und die in einem der Salons arbeitet, die Yamazakis Extensions an die Kundinnen bringen.
Nach und nach mehren sich die tödlichen Vorfälle in die diese Kundinnen verwickelt sind und auch Yukos Nichte ist durch die gefährlichen Extensions bedroht. Kann Yuko den verrückten Yamazaki und den Fluch der Toten stoppen?

 

„Exte: Hair Extensions“ stammt von keinem geringeren als Sion Sono höchstpersönlich. Mein Lieblingsregisseur aus dem Land der aufgehenden Sonne ist für Meisterwerke wie „Antiporno“, „Love Exposure“ oder „Cold Fish“ bekannt, hat sich in seinen Anfangstagen aber vor allem mit J-Horror-Beiträgen seinen Unterhalt verdient.
Mit dem vorliegenden Film aus dem Jahr 2006 verbindet er klassische Elemente dieses Genres, so z.B. furchteinflössende Wesen mit langen, schwarzen Haaren mit einer familiären Geschichte rund um Yuko, deren unsympathischer Schwester und ihrer Nichte. Vor allem zu Beginn versprüht der Film eine lockere Atmosphäre wie man sie selten in japanischen Horrorfilmen findet, was den Einstieg etwas leichter macht. Generell ist der Ton aufgrund der absurden Thematik aber auch etwas lockerer als zum Beispiel in „Dark Water“ oder „Ringu“.
„Exte: Hair Extensions“ ist sicherlich kein Meisterwerk. Dafür ist der Film ein paar Minuten zu lang und einige Handlungsstränge eher unnötig. Für Unterhaltung sorgen dann aber vor allem die skurrilen Momente mit dem Fetischisten Yamazaki und seinem Haar-Song und einige Ekeleffekte wie das Haar im Auge oder die haarige Zunge. Das tut schon beim Hinsehen weh!
Erwähnen muss man außerdem, dass die weibliche Hauptrolle von Chiaki Kuriyama gespielt wird, die man im Westen vor allem durch ihren Auftritt in „Kill Bill“ als Gogo Yubari kennt. Immer wieder toll anzusehen, da sie Filme mit ihrer besonderen Art gut ergänzt.

 

7/10

 

 

„Exte: Hair Extensions“ ist in Deutschland bei Rapid Eye Movies erschienen und in mehreren DVD-Varianten erhältlich. Diese sind inhaltlich aber immer gleich ausgestattet und unterscheiden sich nur in Sachen Verpackung. Die Erstauflage gab es noch im Digipack mit Schuber und Poster, gängiger ist mittlerweile die Version aus der Edition Asien im regulären Amaray-Case. Mit fast 50 Minuten an Bonusmaterial wie Making of, Karaoke oder entfernten Szenen gibt es außerdem einiges an Zusatzmaterial auf den Discs.