#Japanuary 2022 Film 6 – Blind Beast

Im vergangenen Jahr habe ich an dieser Stelle den Film „Irezumi“ besprochen(mehr dazu HIER), der unter der Regie von Yasuzo Masamura entstand. Der Regisseur war einer der ersten, den ich im Rahmen meiner Begeisterung für japanische Exploitation-Werke wahrgenommen habe, doch leider habe ich sein Schaffen nie so wirklich verfolgt. „Blind Beast“ war mir zwar schon recht lange bekannt – u.a. gibt es ein deutsches DVD-Release von REM – doch irgendwie verschwand der Film und sein Regisseur lange aus meinem Fokus. Und nachdem ich „Blind Beast“ nun endlich gesehen habe, frage ich mich: WARUM?!?

Der Film aus dem Jahr 1969 handelt von einem blinden Künstler namens Michio und einem Model namens Aki. Nachdem diese dank einer Ausstellung eines Fotografen und Skulpteurs zu lokalem Ruhm kam, wird auch Michio auf sie aufmerksam. Zusammen mit seiner Mutter entführt er die junge Frau und will sie fortan als Muse und Vorlage für die Skulptur eines perfekten Frauenkörpers nutzen. Eingeschlossen in einer Lagerhalle voll seltsamer Kunstwerke, versucht sie fortan vor Michio zu fliehen. Doch so recht gelingen will ihr das nicht und so entwickelt sich langsam eine sehr skurrile Beziehung zueinander…

„Blind Beast“ ist wirklich eine Bestie an Film. Wägt man sich anfangs noch in Sicherheit und meint zu wissen, was einen da alles noch erwartet, dreht der Film in der zweiten Hälfte voll auf und präsentiert menschliche Abgründe deluxe. Mehr will ich hier gar nicht verraten, aber Fans des Genre Eroguro – also des Erotisch-Grotesken – kommen definitiv auf ihre Kosten. Kein Wunder, basiert der Film doch auf einem Werk von Edogawa Rampo, der berühmt für seine Werke aus diesem Genre ist.

Wie schon erwähnt, ist der Film in Deutschland vom Label Rapid Eye Movies auf DVD erschienen. Ich besitze die britische Blu-ray des Labels Arrow Video, das dem Film ein angemessenes Paket geschnürt hat. Neben einem Wendecover mit japanischem Kinoplakat, gibt es auch noch ein informatives Booklet mit einem Essay zum Film und der umfangreichen Filmographie des Regisseurs. Auf der Disc finden sich außerdem ein Audiokommentar und weitere Boni.

#Japanuary 2022 Film 5 – Ghost in the Shell 2: Innocence

Nachdem es vergangene Woche schon den großartigen Erstling im Rahmen des #Japanuary 2022 gab, wollte ich mir auch endlich mal wieder „Ghost in the Shell 2: Innocence“ anschauen. Die letzte Sichtung dieses Films liegt nämlich schon wieder viel zu lange zurück und auch die Erinnerung daran verblasste langsam.

Der zweite große „Ghost in the Shell“-Film erschien im Jahr 2004, also fast zehn Jahre nach dem ersten Teil, und entstand erneut unter der Regie von Mamoru Oshii. Und auch wenn man nach dem relativ ähnlichen Intro, in dem man wieder die Herstellung eines Cyborgs zu atmosphärischer Musik verfolgen kann, vermutet, dass man hier „more of the same“ bekommt, geht der Film in eine andere Richtung. Denn nachdem – ACHTUNG: SPOILER!! – Motoko Kusanagi am Ende des ersten Teils verschwindet, dreht sich der Film primär um ihren Sektion 9-Partner Batou.

Dieser wird an einen Tatort gerufen, an dem ein Cyborg mehrere Polizisten getötet hat und sich anschließend selbst in die Luft sprengt. Dabei ist dies nicht der erste Fall, in dem dieses spezifische Modell anderen Schaden zufügt und so beginnt er zusammen mit seinem neuen Partner Togusa mit den Ermittlungen. Relativ schnell wird klar, dass die Cyborgs hauptsächlich zu einem Zweck gebaut werden, sie sind Sexroboter. Doch was steckt hinter dem Verhalten der Cyborgs?

„Ghost in the Shell 2: Innocence“ verzichtet erneut auf einen riesigen aufgeblasenen Fall und bewegt sich in einem eher kleineren Rahmen. Dabei werden die Ermittlungsarbeiten von Batou und Togusa aber von einem deutlicheren Schwerpunkt auf philosophische Fragen begleitet, so gibt es eine komplette Sequenz, die sich deutlich als Mindfuck klassifizieren lässt und auch so gibt es immer wieder mal bedeutungsschwangere Dialoge auf die Ohren. Generell hat der Film eine gewisse Schwere, was mir persönlich den Zugang schon immer ziemlich…ja…schwer gemacht hat.

Auch optisch war ich mit „Innocence“ noch nie so ganz glücklich, einige CGI-Effekte wirkten schon im Jahr 2004 veraltet und sind heutzutage noch schlimmer anzuschauen. Doch durch den Einsatz von Computergrafiken bekommt der Film auch seine ganz spezielle Atmosphäre. Ein echt zweischneidiges Schwert! Freunde von klassischer Animation kommen dennoch auf ihre Kosten, die Bewegungen der Figuren sehen gut aus und die vielen Details in den Hintergründen sorgen für eine lebendige Welt. Auch die wenigen Actionszenen machen deutlich, dass Herr Oshii sein Werk versteht.
Mal wieder ein Highlight ist der Soundtrack, der erneut von Kenji Kawai beigesteuert wurde und der sich mit seiner Mischung aus Synthie-Sounds und Chören extrem am Erstling orientiert.

„Ghost in the Shell 2: Innocence“ ist sicherlich kein Meisterwerk wie es noch der erste Film aus dem Jahr 1995 war. Er ist einfach sehr sperrig und der grimmige Batou als Hauptfigur ist sicherlich auch nicht die erste Wahl für einen erfolgreichen Film. Andererseits hat man sich damit etwas getraut und nicht einfach der bewährte Erfolgsrezept stumpf wiederholt.

Ich habe den Film auf der südkoreanischen Blu-ray von Mirage Entertainment angeschaut. Diese ist regionfree und bietet neben dem japanischen O-Ton auch koreanische und englische Untertitel. Es gibt den Film zwar auch auf einer deutschen Blu-ray, doch diese hat das grauenhafte Cover, das damals von Dreamworks angefertigt wurde. Aufgrund eines speziellen Deals für die West-Veröffentlichung haben diese „Innocence“ in 2004 nämlich unter ihrer Flagge vermarktet und dabei Coverbild des Schreckens gestaltet.

#Japanuary 2022 Film 4 – Ghost in the Shell

Einer meiner ersten Kontakte in Sachen Manga waren die Werke von Masamune Shirow. Das begann alles mit dem grandiosen „Appledseed“ und ging dann ganz flott zu „Ghost in the Shell“. Schon damals begeisterte mich die Cyberpunk-Welt mit ihren neuralen Schnittstellen, dem einzigartigen Design und den dargestellten Umständen. Selten zuvor wirkte ein Kosmos so durchdacht, obendrein gab es mit Motoko Kusanagi noch eine toughe und coole Hauptprotagonistin.

Doch so sehr ich den Manga mochte, der Anime aus dem Jahr 1995 hatte gehörige Anlaufschwierigkeiten in meinem Anime-Kosmos. Ich erinnere mich noch sehr genau an das erste Einlegen der VHS – ja, so alt bin ich – und die ersten Minuten des Films. Das eher realistische Design der Charaktere hat mich eher abgeschreckt, war ich doch den klassischen Manga-Look des Originals gewohnt. Doch in Sachen Inhalt enttäuschte mich „Ghost in the Shell“ nicht, auch die damals wegweisende Inszenierung sorgte für den ein oder anderen Begeisterungssturm vor der Glotze. Doch stop…worum geht es eigentlich?

In dem Anime von 1995, der unter der Regie von Mamoru Oshii entstand, geht es um Motoko Kusanagi und ihre Einheit bei Sektion 9. Ein vermeintlicher Hacker namens Puppet Master treibt sein Unwesen und beeinflusst nicht nur hochrangige Politiker, sondern missbraucht auch einfache Menschen für seine Pläne.
Während man zunächst recht schnell Ergebnisse liefern kann, wird aber auch klar, dass es sich hierbei nicht um einen gewöhnlichen Hacker handelt.

Mehr sollte man zu dem Film nicht verraten, es soll ja schließlich spannend bleiben. Und „Ghost in the Shell“ lohnt sich…der Anime begeistert nicht nur mit seiner Geschichte voll existenzieller Fragen, auch die Inszenierung ist auf einem Top-Niveau. Kein Wunder, dass sich unter anderem die „Matrix“-Macher hier an einigen Elementen bedient haben. Schon alleine die Anfangssequenz samt Intro, in dem man die Produktion eines Cyborgs nachverfolgen kann, könnte ich mir immer und immer wieder anschauen. Das ist natürlich auch der Musik von Kenji Kawai geschuldet, der die Szenerie hier mit perfekten Synthie-Sounds unterlegt.

Hier stimmt einfach alles. Es gibt keine Ausrede, den Film nicht zu schauen. Auch wer nichts mit Anime anfangen kann, hat hier aufgrund des gewählten Artstyles nichts zu befürchten.
„Ghost in the Shell“ gibt es auf zahlreichen Formaten…DVD, Blu-ray und in den USA sogar schon auf 4K-UHD. Ich selbst besitze die britische Blu-ray im Steelbook, welche absolut in Ordnung geht. Solltet ihr euch den Film noch anschaffen wollen, ignoriert bitte die fürchterliche 2.0-Version des Anime. Neben einer anderen Farbgebung hat man den Film nämlich vor allem mit neuen CGI-Sequenzen „verschönert“. Fürchterlich!

#Japanuary 2022 Film 3 – Ritual

Hideaki Anno kennt man natürlich vor allem durch sein Meisterwerk „Neon Genesis Evangelion“ und andere Vorzeige-Anime wie „Gunbuster“ oder „Nadia – The Secret of Blue Water“. Doch der Gute hat sich auch schon immer im Bereich der Realfilme ausgetobt und mit „Shin Godzilla“ wohl einen der besten Einträge in der Film-Reihe geschaffen. Neben Klamauk wie der Anime-Verfilmung „Cutie Honey“ und dem bekannten „Love & Pop“, ist „Ritual“ eines seiner weiteren Werke aus dem Live Action-Segment.

In dem Film geht es um einen jungen Filmregisseur(gespielt von Regisseur Shunji Iwai), der in seine Heimatstadt Ube zurückkehrt. Die Beweggründe dafür sind nicht wirklich klar, anscheinend brauchte er eine Pause von der Arbeit an einem aktuellen Projekt. Doch eigentlich ist das alles auch irrelevant, denn hier geht es vor allem um die Beziehung zu einer jungen Frau(Ayako Fujitani…einfach großartig), die er eines Tages an den Bahngleisen trifft. Diese fällt ihm aufgrund ihres extrovertierten Äußeren sofort auf und übt eine gewisse Faszination auf ihn aus.
Von da an laufen sich die beiden regelmäßig über den Weg, die Gespräche werden intimer, die Beziehung zueinander enger. Und jeden Tag erzählt ihm die junge Frau, dass sie morgen Geburtstag hätte.

„Ritual“, oder „Shiki-Jitsu“ im Original, kann man eigentlich als Experimentalfilm bezeichnen. Viele Sachverhalte werden nicht direkt erklärt, sondern eher mit der Art der Inszenierung verdeutlicht. Das macht den Einstieg nicht gerade einfach, was auch an den sehr seltsamen Dialogen zu Beginn liegt. Doch der Film lässt den Zuschauer so schnell nicht mehr los. Zu faszinierend zeigt Anno den Aufbau der Beziehung der beiden und natürlich will man auch unbedingt wissen, was hinter den täglichen Geburtstagsankündigungen steckt.
Dass es letztlich vor allem um psychische Erkrankungen und den Umgang damit geht, ist kein Spoiler und wird relativ schnell klar. Und auch hier beweist Anno das richtige Gespür fürs Thema, was sicherlich auch an seinen eigenen Erfahrungen mit den Auswirkungen einer Depression liegt. Das ist alles so sensibel und niemals platt oder klischeehaft inszeniert…richtig toll! Obendrauf gibt es übrigens einen sehr hörenswerten Soundtrack mit instrumentalen Tracks und ein paar spannenden Indie-Nummern. Großes japanisches Kino!

Leider hat es „Shiki-Jitsu“ nie so wirklich in den Westen geschafft…eine Schande! Der Film, der übrigens von einem Nebenarm von Studio Ghibli produziert wurde, ist lediglich in Japan auf DVD und Blu-ray erhältlich. Ich besitze ihn als Teil der Hideaki Anno Live Action Film Collection, die auch „Cutie Honey“ und „Love & Pop“ beinhaltet. Glücklicherweise sind alle Filme darin englisch untertitelt, und die Discs sind regionfree.

Statt einem Trailer gibt es hier einen tollen kleinen Musikclip mit dem Song „Little Dark Age“ von MGMT, untermalt mit Szenen aus „Ritual“.

#Japanuary 2022 Film 2 – Hanging Garden

Filme von Toshiaki Toyoda begleiten mich schon seit vielen Jahren und seit den Anfängen meiner Begeisterung für japanische Filme. Und auch wenn Titel wie „9 Souls“ oder „Blue Spring“ immer eine gewisse Faszination auf mich ausüben konnten, war nie der richtig große Kracher dabei.

Doch in meiner Neugierde über einige der enthaltenen Filme griff ich im vergangenen Herbst erneut zu einem Release von Third Window Films, das sich auf mehreren Discs mit Toyodas Werken aus den Jahren 2005 bis 2021 beschäftigt…zumindest mit den meisten davon.

Und da steh ich also nun mit meiner Blu-ray von „Hanging Garden“ und bin nach der Sichtung vollkommen hin und weg. Was war das denn eben? Geht man von den ersten Minuten des Films und bekannten Postern und Artworks aus, erwartet einen hier eine leichte und vielleicht auch kitschige Geschichte über die vierköpfige Familie Kobayashi, doch was sich dann in den 110 Minuten daraus entspinnt, ist der reine Wahnsinn!

Wir verfolgen dabei hauptsächlich die Geschichte der Mutter Eriko, die alles dafür in die Wege leitet, um das Familienidyll aufrechtzuerhalten. Man habe voreinander keine Geheimnisse, hießt es einmal während eines Familienessens und so teilen die Eltern auch gerne die Informationen mit ihren Kindern, wo und unter welchen Umständen diese gezeugt wurden. Doch spätestens mit dem ersten Auftreten von Erikos Mutter kommt sowas wie Unbehagen auf, irgendwas scheint nicht zu stimmen. Auch der, ach so glückliche Ehemann betrügt seine Frau munter, während die Tochter sich in einem Love Hotel für ein Schmuddelmagazin ablichten lässt. Dass es hier irgendwann mal zu einer Explosion kommen muss, dürfte also klar sein.

Mehr will ich zu „Hanging Garden“ auch gar nicht verraten. Oft fühlte ich mich an Miikes „Visitor Q“ erinnert(besprochen an dieser Stelle), nur dass dieser Film hier mit weniger Muttermilch auskommt. Dennoch wird auch hier die Situation der japanischen Familien gut dargestellt, analysiert und auseinandergenommen. Und das alles wird angereichert mit schön gefilmten Bildern, einem zauberhaften Soundtrack und einigen echt skurrilen Momenten, die wirklich überraschen können.

Wie oben schon erwähnt, ist „Hanging Garden“ Teil der neuen Toshiyaki Toyoda-Box, die im Oktober 2021 beim britischen Label Third Window Films erschienen ist. Ansonsten ist die Verfügbarkeit des Films nicht die beste. Wem es speziell nur um diesen Film geht, kann sich auch nach der japanischen DVD umschauen. Diese hat nämlich sogar englische Untertitel mit an Bord.

#Japanuary 2022 Film 1 – The Great Yokai War

Ihr wisst was los ist…im Januar ist #Japanuary-Zeit! Es gilt also mal wieder acht Filme aus dem Land der aufgehenden Sonne zu sichten und diese zu besprechen. Den Anfang macht in diesem Jahr „The Great Yokai War“ von keinem geringeren als Takashi Miike.

Anfang der 2000er hatte der japanische Film eine echte Hochphase in Deutschland, was unter anderem auch Mister Miike geschuldet war, der sich mit „Audition“, „Dead or Alive“ und „Gozu“ einen gewissen Ruf erarbeitet hatte. Seine Filme versprachen viel Gewalt, nackte Haut und Yakuza mit dicken Eiern. Umso verwirrter war für mich die damalige Ankündigung, dass er mit „The Great Yokai War“ nun einen Kinderfilm machen würde. Miike und Kids?!?! Das wollte so gar nicht zusammenpassen, aber – und so viel kann man vorab verraten – der Film ist eine echte Überraschung.

Der junge Tadashi ist mit seiner Mutter aufs Land gezogen, da diese sich von ihrem Mann getrennt hat. Nun wohnen die beiden also bei dem seltsamen Großvater, Tadashi vermisst aber sowohl seine Schwester in Tokyo und kommt außerdem in der Schule so gar nicht klar. Als er eines Tages bei einem Dorffest aber zum Kirin Rider ernannt wird und das Dorf beziehungsweise ganz Japan plötzlich von einer finsteren Schar an Dämonen bedroht wird, nimmt er all seinen Mut zusammen und stellt sich der Herausforderung. Hilfe bekommt er dabei von einigen Yokai, japanischen Geisterwesen, die dem Schurken eigentlich als Futter für seine diabolische Maschine dienen sollen.

„The Great Yokai War“ ist von Minute 1 an ein unterhaltsames Abenteuer für Jung und Alt. Auch wenn sich Miike inhaltich hier schon sehr auf die jüngere Zuschauerschaft konzentriert hat, gibt es doch so einige gruselige und brutale Momente. Und auch in sexueller Hinsicht gibt es die ein oder andere subtile Szene, zum Beispiel mit der Flussgöttin Kawahime oder Chiaki „Gogo“ Kuriyama. Miike schafft es also seine Elemente für die er berühmt und berüchtigt ist, auch in einem Kinderfilm unterzubringen. Ein echter Regie-Gott!

Ganz hervorragend sind aber auch die unterschiedlichen Yokai gelungen. Wenn man für die fantasievollen Geisterwesen nur ein bißchen was übrig hat, wird man hier seinen Spaß haben. Egal ob scheinbar nutzloser Bohnenzähler, der einbeinige Regenschirm oder der klassische Kappa…das ist schon großes Kino. Ja, der ein oder andere Effekt sieht mal nicht ganz so professionell aus und wirkt schlecht gealtert, vor allem bei CGI-Monstern, aber darüber kann man meist gut hinwegsehen.

„The Great Yokai War“ macht über seine zwei Stunden Laufzeit durchgehend Spaß und gefällt mit seinen skurrilen Einfällen und vor allem den vielen verschiedenen Yokai. Humor, Spannung, Abenteuer…fast fühlt man sich an eine japanische Variante von „The Goonies“ erinnert…nur mit Kappas und feuchten Fluss-Prinzessinen…und epischer!
Wer sich nun auf die Suche nach dem Film begeben möchte: in deutscher Sprache gibt es „The Great Yokai War“ nur auf DVD und das auch nur noch in gebrauchter Form. Ansprechend präsentiert wird der Film aber in der neuen „Yokai Monsters Collection“ von Arrow Video. Dort gibt es neben Miikes Werk auch noch die drei Filme „100 Monsters“, „Spook Warfare“ und „Along with Ghosts“ aus den späten 60er Jahren. Obendrauf beinhaltet die Box neben massig Extras auf Disc auch noch einen Yokai Guide und ein kleines Büchlein mit Infos zu den Filmen und einigen Yokai-Artikeln. Darunter unter anderem einer über Mangaka Shigeru Mizuki, der auch in „The Great Yokai War“ als einer DER Zeichner thematisiert wird, wenn es um Yokai geht.

Beauty Water [Review]

Bisher waren die KAZÉ Anime Nights geprägt von japanischen Animationsfilmen, so aber nicht Ende Dezember 2021. Denn da lief mit „Beauty Water“ das Werk des koreanischen Regisseurs Cho Kyung-Hun in den Lichtspielhäusern. Ich konnte mir den Thriller, der übrigens auf einer Episode des Webtoons Tales of the Unusual“ basiert, dank eines Screeners des Publishers anschauen und wollte euch mein Review nicht vorenthalten.

Die Geschichte dreht sich dabei um die Stylistin Yaeji, die nicht nur unter ihrem Übergewicht leidet, sondern auch die Zickereien und das Mobbing der Schauspielerin Miri ertragen muss. Eines Tages wird ihr alles zu viel, sie wirft ihren Job frustriert hin und verbringt ihre Tage künftig mit allerlei Fastfood vor dem Rechner.

Eine Mail, die ihr mit Hilfe eines neuen Beauty-Produkts ein neues Leben und vor allem Schönheit verspricht, tut sie als vermeintlichen Spam ab, erhält aber dennoch einige Tage später ein mysteriöses Paket. Darin enthalten ist der neueste Schrei, das titelgebende Beauty Water. Dieses hilft ihr fortan, sich im Model-Business einen Namen zu machen, hat jedoch aber einen Preis. Denn nicht nur ist das Produkt an sich ziemlich teuer, auch der Fokus auf ihr Aussehen lässt Yaejin nach und nach zu einem anderen Menschen werden…

Südkorea war lange Zeit in den weltweiten Top 5, wenn es um Schönheits-OPs ging. Darum verwundert es nicht, dass sich ein koreanischer Regisseur durchaus kritisch mit diesem Thema beschäftigt. Aber gelingt das „Beauty Water“? Ich bin da hin- und hergerissen. Ja, die Kritik an Branchen wie dem Model-Business oder dem Fernsehen, die unreflektierte Schönheits-OPs befeuern, kommt definitiv an. Aber leider ist das alles meist recht plakativ und klischeehaft gewählt. Doch alles in allem ist die Geschichte von „Beauty Water“ recht gut und nie wirklich langweilig. In die 85 Minuten wird alles reingepackt was geht und so hat man am Ende eine durchaus unterhaltsame Mixtur aus Body Horror, Thriller, Suspense und Gesellschaftskritik.

Der größte Knackpunkt für mich ist allerdings die Optik dieses „Animationsfilms“. So bedient man sich für die Figuren an – nun wie soll man sagen – gräßlichen 3D-Modellen, die leider sämtliche Details vermissen lassen. Ein Todesstoß für ein genre wie Body Horror, das doch immer sehr explizit Wert auf Details legt…Während das in Standbildern noch ganz gut aussieht, ist spätestens bei Bewegungen Schluss. Die Animationen verlaufen viel zu langsam und lassen sämtliche Dynamik vermissen. Dazu kommen einige Texturen aus der Hölle, die vor zwanzig Jahren in so manchem Videospiel schon besser ausgesehen hätten. Ich verstehe, dass gerade Animation ein immenser Kostenfaktor ist, aber hier trübt die Optik – ähnlich wie bei Studio Ghiblis letztem Eintrag aus der Hölle – wirklich das Vergnügen.

„Beauty Water“ erscheint am 17.Februar 2022 auf DVD und Blu-ray.

Josie, der Tiger und die Fische [Review]

In den vergangenen Jahren gab es hier häufiger mal Reviews zu Filmen aus der KAZÉ Anime Nights, auch „Josie, der Tiger und die Fische“ wird am 30.11. im Rahmen dieses Events in den hiesigen Lichtspielhäusern gezeigt. Ich durfte mir im Vorfeld bereits den Screener anschauen und kann euch jetzt verraten, ob sich ein Kinobesuch lohnt.

Zunächst punktet der Film schon mal mit seinem Setting. Er spielt nämlich an einem der schönsten Orte Japans, Okinawa. Wer noch nicht dort war, sollte das schnell nachholen, Infos dazu könnt ihr in meinen beiden Reiseberichten von 2010 und 2015 finden.

Aber kommen wir zurück zum Film. Wir lernen erst einmal Student und Tauchlehrer Tsuneo kennen, der das Meer und seine Bewohner liebt. Als er eines Tages von der Arbeit nach Hause geht, stoppt er den Rollstuhl der jungen Josie, der sich selbständig machen wollte und einem Abhang hinabrollt.

Während die eigenbrödlerische Josie selbst nicht gerade begeistert von dem jungen Mann ist, ist es deren Großmutter umso mehr. Kurzerhand stellt diese ihn ein, um Josie den Alltag etwas zu erleichtern und die junge Frau wieder mehr an die Gesellschaft heranzuführen. Doch nach anfänglichen Querelen – ihr werdet es schon ahnen – fängt es zwischen den beiden an zu knistern, was das Leben aber für beide nicht leichter macht. Weder für die emotional unentschlossene Josie noch für Tsuneo, der eigentlich ein Auslandssemester in Mexiko plant.

„Josie, der Tiger und die Fische“ stammt vom Studio Bones, das auf eine beeindruckende Historie zurückschauen kann. Serien wie „Wolf‘s Rain“ oder „Mob Psycho 100“ und Filme wie „Sword of Stranger“ gehen schon auf deren Rechnung. Mit der Romanze unterstreicht man die hohe Qualität des Studios erneut. Die Animationen und die Qualität der Zeichnungen sind hervorragend. Es gibt viele Details zu entdecken und die Farben unterstreichen die jeweiligen Szenen toll.

Natürlich denkt man bei den Zutaten „Anime“, „Behinderung“ und „Love Story“ auch gleich an „A Silent Voice“, den ich an dieser Stelle nochmal besonders erwähnen möchte. Doch Josies Geschichte geht nicht ganz so ans Herz wie das Werk aus 2018. Das liegt zum einen an der Vorhersehbarkeit des Ganzen, wirklich überraschend ist der Film zu keinem Zeitpunkt. Außerdem drückt man fast schon ein bißchen zu sehr auf die Tränendrüse…also etwas zu viel Drama für meinen Geschmack.

Review: Para – Wir sind King Staffel 1

Aufmerksame Leser*innen meines Blogs wissen: ich liebe „4 Blocks“! Die Serie rund um die libanesische Familie Hamady und ihre Drogengeschäfte gehört zu meiner absoluten Serien-Favoriten in den letzten Jahren und dementsprechend schade fand ich den Abschluss mit Season 3. Doch nicht verzweifeln…es gibt Nachschub und zwar in Form von „Para – Wir sind King“.

Die Serie stammt von den Machern von „4 Blocks“ und auch vor der Kamera geben sich einige Figuren aus der „Vorgänger“-Serie die Ehre. Doch inhaltlich geht es hier in eine andere Richtung, denn wir begleiten die vier Freudinnen Hajra, Fanta, Jazz und Rasaq aus dem Berliner Stadtteil Wedding. Nach einer durchzechten Nacht finden diese bei ihrem Stamm-Dealer niemanden vor, die Wohnung ist verwüstet und verlassen. Eine Tüte Kokain erregt aber Hajras Aufmerksamkeit, die sich von deren Verkauf zumindest die Lösung einiger finanzieller Probleme verspricht. Und was zunächst ganz gut läuft, wird schon nach wenigen Tagen zu einer lebensbedrohlichen Situation. Denn nicht nur der Dealer will seine Ware wieder zurück…

Mehr sei zur ersten Staffel von „Para – Wir sind King“ nicht verraten, den Rest müsst ihr schon selber schauen. Die sechs Folgen sind leider wieder viel zu schnell rum und haben mich wirklich gut unterhalten. Neben vielen spannenden Momenten nimmt sich die Serie auch viel Zeit für ihre Hauptfiguren und erklärt deren Hinter- und Beweggründe. Wie auch schon bei „4 Blocks“ ist das alles sehr hochwertig gefilmt, leider legt man keinen so großen Fokus mehr auf den Soundtrack. Da hoffe ich für eine zweite Staffel wieder auf mehr gute Beats…

„Para – Wir sind King“ ist ab dem 01.Juli 2021 auf DVD und Blu-ray bei Eye See Movies erhältlich. Dankenswerterweise wurde mir ein Exemplar der Blu-ray-Version vom Vertrieb zur Verfügung gestellt. Diese beinhaltet zwei Disc, die in einem schicken Digi stecken. Dazu gibt es ein Booklet mit Informationen zu den Episoden und den Hauptfiguren. Auch ein paar Extras haben es auf die Discs geschafft, unter anderem gibt es eine 45-minütige Doku und Behind the Scenes-Material. Alles in allem ein schönes Gesamtpaket mit einem kleinen Schönheitsfehler…denn überall wird eine Laufzeit von sechs Stunden für die Serie angegeben, die Folgen dauern aber immer nur 45 Minuten.

#Japanuary 2021 Bonus – Miss Zombie

Ach ja…Filme von Sabu. Wer wie ich seine ersten Begegnungen mit dem japanischen Kino Anfang der 2000er hatte, dem war auch der Regisseur Sabu eigentlich ein Begriff. Mit „Dangan Runner“ soll er Tom Tykwer zu „Lola rennt“ inspiriert haben, spätestens mit „Monday“ wurde er aber zum Kult-Filmmacher. Dennoch zünden viele seiner Werke bei mir einfach nicht. Von Ausnahme wie „Mr. Long“ oder „Dancing Mary“ mal abgesehen.

Die Prämisse von „Miss Zombie“ fand ich mal wieder recht interessant und spannend, immerhin ist das Genre leider ja mittlerweile etwas ausgelutscht und frische Ideen sind Mangelware. In Sabus Werk geht es also um Sara, eine Hausangestellte bei einer reichen Familie, die sich hauptsächlich um die Drecksarbeit kümmern muss. So verbringt sie ihre Arbeitstage damit den Boden zu schrubben und das in einer sehr unangenehmen Position, die schon beim Zusehen einen Bandscheibenvorfall hervorruft. Doch Sara ist das egal, denn sie ist ein Zombie und fühlt anscheinend nichts.

So fristet sie ihr Dasein als billige Hilfskraft, die dann auch noch von anderen Angestellten der Familie missbraucht und von Anwohnern als störend empfunden wird. Sie ist also wirklich der Bodensatz der Gesellschaft. Doch dann kommt es zu einem Zwischenfall mit dem Sohn der Familie, der alles auf den Kopf stellt und die Verhältnisse komplett verschiebt…

„Miss Zombie“ hat also definitiv eine Aussage und übt deutlich Kritik an der Gesellschaft, bewegt sich hier also im Fahrwasser eines „Dawn of the Dead“ & Co. Doch leider funktioniert der Film für mich über die kompletten 85 Minuten nicht so recht. Einige Einstellungen sind viel zu lang und manche Ereignisse wirken belanglos und unwichtig für den Film. Als Kurzfilm wäre das hier sicherlich eine andere Hausnummer gewesen. Immerhin ist Sabus Werk von 2013 in schönen Schwarz-Weiß-Bildern gefilmt und begeistert mit einigen tollen Lichteffekten. Auch die Performance der Hauptdarstellerin Ayaka Komatsu hat mir gut gefallen, konnte allerdings nicht über die Langwierigkeit des Films hinwegtäuschen.

In Deutschland ist der Film über Wicked-Vision in einem tollen Set erschienen. Neben Blu-ray und DVD bekommt der Käufer hier nämlich noch ein informatives Booklet zum Film spendiert. Außerdem liegt der Film sogar in deutscher Synchro vor, die recht gut geworden ist.

5/10 Punkte