Beauty Water [Review]

Bisher waren die KAZÉ Anime Nights geprägt von japanischen Animationsfilmen, so aber nicht Ende Dezember 2021. Denn da lief mit „Beauty Water“ das Werk des koreanischen Regisseurs Cho Kyung-Hun in den Lichtspielhäusern. Ich konnte mir den Thriller, der übrigens auf einer Episode des Webtoons Tales of the Unusual“ basiert, dank eines Screeners des Publishers anschauen und wollte euch mein Review nicht vorenthalten.

Die Geschichte dreht sich dabei um die Stylistin Yaeji, die nicht nur unter ihrem Übergewicht leidet, sondern auch die Zickereien und das Mobbing der Schauspielerin Miri ertragen muss. Eines Tages wird ihr alles zu viel, sie wirft ihren Job frustriert hin und verbringt ihre Tage künftig mit allerlei Fastfood vor dem Rechner.

Eine Mail, die ihr mit Hilfe eines neuen Beauty-Produkts ein neues Leben und vor allem Schönheit verspricht, tut sie als vermeintlichen Spam ab, erhält aber dennoch einige Tage später ein mysteriöses Paket. Darin enthalten ist der neueste Schrei, das titelgebende Beauty Water. Dieses hilft ihr fortan, sich im Model-Business einen Namen zu machen, hat jedoch aber einen Preis. Denn nicht nur ist das Produkt an sich ziemlich teuer, auch der Fokus auf ihr Aussehen lässt Yaejin nach und nach zu einem anderen Menschen werden…

Südkorea war lange Zeit in den weltweiten Top 5, wenn es um Schönheits-OPs ging. Darum verwundert es nicht, dass sich ein koreanischer Regisseur durchaus kritisch mit diesem Thema beschäftigt. Aber gelingt das „Beauty Water“? Ich bin da hin- und hergerissen. Ja, die Kritik an Branchen wie dem Model-Business oder dem Fernsehen, die unreflektierte Schönheits-OPs befeuern, kommt definitiv an. Aber leider ist das alles meist recht plakativ und klischeehaft gewählt. Doch alles in allem ist die Geschichte von „Beauty Water“ recht gut und nie wirklich langweilig. In die 85 Minuten wird alles reingepackt was geht und so hat man am Ende eine durchaus unterhaltsame Mixtur aus Body Horror, Thriller, Suspense und Gesellschaftskritik.

Der größte Knackpunkt für mich ist allerdings die Optik dieses „Animationsfilms“. So bedient man sich für die Figuren an – nun wie soll man sagen – gräßlichen 3D-Modellen, die leider sämtliche Details vermissen lassen. Ein Todesstoß für ein genre wie Body Horror, das doch immer sehr explizit Wert auf Details legt…Während das in Standbildern noch ganz gut aussieht, ist spätestens bei Bewegungen Schluss. Die Animationen verlaufen viel zu langsam und lassen sämtliche Dynamik vermissen. Dazu kommen einige Texturen aus der Hölle, die vor zwanzig Jahren in so manchem Videospiel schon besser ausgesehen hätten. Ich verstehe, dass gerade Animation ein immenser Kostenfaktor ist, aber hier trübt die Optik – ähnlich wie bei Studio Ghiblis letztem Eintrag aus der Hölle – wirklich das Vergnügen.

„Beauty Water“ erscheint am 17.Februar 2022 auf DVD und Blu-ray.

Josie, der Tiger und die Fische [Review]

In den vergangenen Jahren gab es hier häufiger mal Reviews zu Filmen aus der KAZÉ Anime Nights, auch „Josie, der Tiger und die Fische“ wird am 30.11. im Rahmen dieses Events in den hiesigen Lichtspielhäusern gezeigt. Ich durfte mir im Vorfeld bereits den Screener anschauen und kann euch jetzt verraten, ob sich ein Kinobesuch lohnt.

Zunächst punktet der Film schon mal mit seinem Setting. Er spielt nämlich an einem der schönsten Orte Japans, Okinawa. Wer noch nicht dort war, sollte das schnell nachholen, Infos dazu könnt ihr in meinen beiden Reiseberichten von 2010 und 2015 finden.

Aber kommen wir zurück zum Film. Wir lernen erst einmal Student und Tauchlehrer Tsuneo kennen, der das Meer und seine Bewohner liebt. Als er eines Tages von der Arbeit nach Hause geht, stoppt er den Rollstuhl der jungen Josie, der sich selbständig machen wollte und einem Abhang hinabrollt.

Während die eigenbrödlerische Josie selbst nicht gerade begeistert von dem jungen Mann ist, ist es deren Großmutter umso mehr. Kurzerhand stellt diese ihn ein, um Josie den Alltag etwas zu erleichtern und die junge Frau wieder mehr an die Gesellschaft heranzuführen. Doch nach anfänglichen Querelen – ihr werdet es schon ahnen – fängt es zwischen den beiden an zu knistern, was das Leben aber für beide nicht leichter macht. Weder für die emotional unentschlossene Josie noch für Tsuneo, der eigentlich ein Auslandssemester in Mexiko plant.

„Josie, der Tiger und die Fische“ stammt vom Studio Bones, das auf eine beeindruckende Historie zurückschauen kann. Serien wie „Wolf‘s Rain“ oder „Mob Psycho 100“ und Filme wie „Sword of Stranger“ gehen schon auf deren Rechnung. Mit der Romanze unterstreicht man die hohe Qualität des Studios erneut. Die Animationen und die Qualität der Zeichnungen sind hervorragend. Es gibt viele Details zu entdecken und die Farben unterstreichen die jeweiligen Szenen toll.

Natürlich denkt man bei den Zutaten „Anime“, „Behinderung“ und „Love Story“ auch gleich an „A Silent Voice“, den ich an dieser Stelle nochmal besonders erwähnen möchte. Doch Josies Geschichte geht nicht ganz so ans Herz wie das Werk aus 2018. Das liegt zum einen an der Vorhersehbarkeit des Ganzen, wirklich überraschend ist der Film zu keinem Zeitpunkt. Außerdem drückt man fast schon ein bißchen zu sehr auf die Tränendrüse…also etwas zu viel Drama für meinen Geschmack.

Review: Para – Wir sind King Staffel 1

Aufmerksame Leser*innen meines Blogs wissen: ich liebe „4 Blocks“! Die Serie rund um die libanesische Familie Hamady und ihre Drogengeschäfte gehört zu meiner absoluten Serien-Favoriten in den letzten Jahren und dementsprechend schade fand ich den Abschluss mit Season 3. Doch nicht verzweifeln…es gibt Nachschub und zwar in Form von „Para – Wir sind King“.

Die Serie stammt von den Machern von „4 Blocks“ und auch vor der Kamera geben sich einige Figuren aus der „Vorgänger“-Serie die Ehre. Doch inhaltlich geht es hier in eine andere Richtung, denn wir begleiten die vier Freudinnen Hajra, Fanta, Jazz und Rasaq aus dem Berliner Stadtteil Wedding. Nach einer durchzechten Nacht finden diese bei ihrem Stamm-Dealer niemanden vor, die Wohnung ist verwüstet und verlassen. Eine Tüte Kokain erregt aber Hajras Aufmerksamkeit, die sich von deren Verkauf zumindest die Lösung einiger finanzieller Probleme verspricht. Und was zunächst ganz gut läuft, wird schon nach wenigen Tagen zu einer lebensbedrohlichen Situation. Denn nicht nur der Dealer will seine Ware wieder zurück…

Mehr sei zur ersten Staffel von „Para – Wir sind King“ nicht verraten, den Rest müsst ihr schon selber schauen. Die sechs Folgen sind leider wieder viel zu schnell rum und haben mich wirklich gut unterhalten. Neben vielen spannenden Momenten nimmt sich die Serie auch viel Zeit für ihre Hauptfiguren und erklärt deren Hinter- und Beweggründe. Wie auch schon bei „4 Blocks“ ist das alles sehr hochwertig gefilmt, leider legt man keinen so großen Fokus mehr auf den Soundtrack. Da hoffe ich für eine zweite Staffel wieder auf mehr gute Beats…

„Para – Wir sind King“ ist ab dem 01.Juli 2021 auf DVD und Blu-ray bei Eye See Movies erhältlich. Dankenswerterweise wurde mir ein Exemplar der Blu-ray-Version vom Vertrieb zur Verfügung gestellt. Diese beinhaltet zwei Disc, die in einem schicken Digi stecken. Dazu gibt es ein Booklet mit Informationen zu den Episoden und den Hauptfiguren. Auch ein paar Extras haben es auf die Discs geschafft, unter anderem gibt es eine 45-minütige Doku und Behind the Scenes-Material. Alles in allem ein schönes Gesamtpaket mit einem kleinen Schönheitsfehler…denn überall wird eine Laufzeit von sechs Stunden für die Serie angegeben, die Folgen dauern aber immer nur 45 Minuten.

#Japanuary 2021 Bonus – Miss Zombie

Ach ja…Filme von Sabu. Wer wie ich seine ersten Begegnungen mit dem japanischen Kino Anfang der 2000er hatte, dem war auch der Regisseur Sabu eigentlich ein Begriff. Mit „Dangan Runner“ soll er Tom Tykwer zu „Lola rennt“ inspiriert haben, spätestens mit „Monday“ wurde er aber zum Kult-Filmmacher. Dennoch zünden viele seiner Werke bei mir einfach nicht. Von Ausnahme wie „Mr. Long“ oder „Dancing Mary“ mal abgesehen.

Die Prämisse von „Miss Zombie“ fand ich mal wieder recht interessant und spannend, immerhin ist das Genre leider ja mittlerweile etwas ausgelutscht und frische Ideen sind Mangelware. In Sabus Werk geht es also um Sara, eine Hausangestellte bei einer reichen Familie, die sich hauptsächlich um die Drecksarbeit kümmern muss. So verbringt sie ihre Arbeitstage damit den Boden zu schrubben und das in einer sehr unangenehmen Position, die schon beim Zusehen einen Bandscheibenvorfall hervorruft. Doch Sara ist das egal, denn sie ist ein Zombie und fühlt anscheinend nichts.

So fristet sie ihr Dasein als billige Hilfskraft, die dann auch noch von anderen Angestellten der Familie missbraucht und von Anwohnern als störend empfunden wird. Sie ist also wirklich der Bodensatz der Gesellschaft. Doch dann kommt es zu einem Zwischenfall mit dem Sohn der Familie, der alles auf den Kopf stellt und die Verhältnisse komplett verschiebt…

„Miss Zombie“ hat also definitiv eine Aussage und übt deutlich Kritik an der Gesellschaft, bewegt sich hier also im Fahrwasser eines „Dawn of the Dead“ & Co. Doch leider funktioniert der Film für mich über die kompletten 85 Minuten nicht so recht. Einige Einstellungen sind viel zu lang und manche Ereignisse wirken belanglos und unwichtig für den Film. Als Kurzfilm wäre das hier sicherlich eine andere Hausnummer gewesen. Immerhin ist Sabus Werk von 2013 in schönen Schwarz-Weiß-Bildern gefilmt und begeistert mit einigen tollen Lichteffekten. Auch die Performance der Hauptdarstellerin Ayaka Komatsu hat mir gut gefallen, konnte allerdings nicht über die Langwierigkeit des Films hinwegtäuschen.

In Deutschland ist der Film über Wicked-Vision in einem tollen Set erschienen. Neben Blu-ray und DVD bekommt der Käufer hier nämlich noch ein informatives Booklet zum Film spendiert. Außerdem liegt der Film sogar in deutscher Synchro vor, die recht gut geworden ist.

5/10 Punkte

#Japanuary 2021 Film 8 – Die Frauen des Shogun

Das Schmuddelfilmchen hat in Japan eine lange Tradition, gerade in den 1970er Jahren war mit dem Pinku Eiga-Kino viel nackte Haut in den Lichtspielhäusern des Landes zu sehen. Daraus entstanden viele spannende Nischen wie die Roman Porno-Werke oder – mein liebstes Genre – die Pinky Violence-Filme wie „Sex & Fury“, die „Sasori“-Reihe oder „Zero Woman“. Japanuary-Film Nummer 8 passt da ganz gut in diese Kategorie, denn bei „Die Frauen des Shogun“ oder „The General and his Empire of Joy“ gibt es auch einiges an nackter Haut zu sehen und Sex beziehungsweise die fleischlichen Gelüste sind hier der Ursprung allen Übels.

Denn nachdem sich der Samurai Ryuken in die liebreizende Okoyo verliebt hat, wird das junge Glück jäh unterbrochen und die Jungfrau soll in den Harem des Shogun aufgenommen werden. Daher sucht Ryuken einen Weg in den Palast, um seiner Liebsten nahe zu sein und sie im Idealfall für sich zurückgewinnen zu können. Doch natürlich ist das alles nicht so einfach wie es sich der Samurai vorstellt…

Leider wird einem das Ende von „Die Frauen des Shogun“ fast überall im Netz gespoilert, denn seltsamerweise findet sich auf den bisherigen deutschen Veröffentlichungen als Zusammenfassung eigentlich nur das Ende des Films. Das ist etwas schade und nimmt einem die Überraschung, daher sollte man da vorsichtig sein. Der Film von Ikuo Sekimoto erschien im vergangenen Herbst auf DVD beim Verleih Schröder Media, die in letzter Zeit immer wieder mal Werke aus Japan im Programm aufnehmen und hoffentlich auch weiterhin herausbringen werden.

Mir hat der Film im Grunde ganz gut gefallen, auch wenn er einige sehr absurde Ideen enthält. Wer zum Teufel treibt mit einer Schlange sein Kind ab? Die Inszenierung ist aber sehr hochwertig, egal ob Kostüme oder Szenerien. Das sieht schon echt gut aus! Hier gefiel mir auch die Musik sehr gut, denn neben klassischen, japanischen Klängen gibt es auch immer wieder mal psychedelische 70er Jahre-Musik zu hören. Klasse!

Wie schon erwähnt, zu haben ist der Film in Deutschland auf DVD. Leider gibt es rund um den Film ein bißchen Schnitt-Chaos, denn eigentlich gibt es keine offizielle ungeschnittene Version. So gibt es in der japanischen Fassung fehlende Szenen, die in der deutschen enthalten sind und umgekehrt. Immerhin gibt es eine Version auf der Disc, die einigermaßen uncut sein soll und in die Szenen aus der japanischen Fassung integriert wurden. Ein Durcheinander! Generell kann man die Veröffentlichung aber uneingeschränkt empfehlen.

6/10

#Japanuary 2021 Film 7 – Eros + Massacre

Im Zuge eines Sales bei Arrow Video habe ich vor einiger Zeit mal bei den ganzen Boxen zuschlagen, die die Damen und Herren von japanischen Filmemachern im Angebot haben. Da war unter anderem auch Kiju Yoshidas Love + Anarchism-Set dabei, das neben dem besprochenen „Eros + Massacre“ in Kinofassung und Director’s Cut auch die Filme „Coup D’Etat“ und „Heroic Purgatory“ enthält. Plus ein kleines Büchlein über den Regisseur, den man auch unter dem Namen Yoshishige Yoshida kennt.

Zum Japanuary wollte ich gleich mal mit dem richtigen Laufzeit-Hammer anfangen, dem dreieinhalbstündigen Director’s Cut von „Eros + Massacre“, in dem es um den japanischen Sozialisten und Anarchisten Sakae Osugi geht. Vordergründig geht es hier aber nicht um sein Leben, der Film dreht sich eher um ihn und drei seiner Frauen. Ein echter Schwerenöter also! Schließlich war auch das Konzept der freien Liebe einer seiner Schwerpunkte. Diese Sequenzen werden immer wieder von Geschehnissen aus der – damaligen – Gegenwart von 1969 unterbrochen, in denen zwei Studenten Osugis Lehren analysieren.

Klingt in der Theorie also ganz interessant, leider fühlte sich der Film mindestens doppelt so lang an. Außerdem bekam ich zu keiner Minute eine Zugriff darauf und war auch von den Sprüngen zwischen dem Japan Anfang des 20.Jahrhunderts und den Sequenzen aus den 60ern genervt. Da wurde es gerade mal interessant, da gab es auch schon wieder einen Cut in eine andere Zeit. Vielleicht war das Setting für den Film auch einfach nicht gut, eventuell geb ich ihm nochmal irgendwann eine Chance. Dann aber erst mal in der in der „kurzen“ Fassung, die ne Stunde kürzer ist.

5/10

#Japanuary 2021 Film 6 – Gamera(1965)

Auch wenn ich schon lange ein großer Fan der japanischen Pop-Kultur bin, waren mir Kajiu-Filme nie besonders wichtig. Mitte der 90er war ich ein viel zu cooles Kid, um Godzilla gut zu finden, mit dem US-Versuch von Emmerich bin ich aber auch nicht warm geworden. Erst in den letzten zehn Jahren hat sich die Faszination großer Monster, die ganze Städte in Schutt und Asche legen gefestigt und mittlerweile sind mir vor allem die Godzilla-Sachen so wichtig, dass ich über ein entsprechendes Tattoo nachdenke.

Aber zurück zum Japanuary und dem sechsten von acht Filmen: „Gamera“ von 1965. Nachdem Arrow Video im Sommer letzten Jahres eine tolle Box mit allen zwölf Filmen auf Blu-ray plus fettem Buch und den Comics veröffentlicht hatte, ich bisher aber noch keine Chance sah, da mal reinzuschauen, sollte der Japanuary nun Anlass für die Sichtung des ersten Teils sein.

Das von Daiei Film ins Rennen geworfene Schildkröten-Monster folgt im ersten Teil dem üblichen Kaiju-Klischee. Durch einen militärischen Zwischenfall in der Arktis wird Gamera erweckt und treibt von da an sein Unwesen. Natürlich gibt es aber wieder einen schlauen Kopf, der weiß, wie man das Monster stoppen kann. Mehr kann man von „Gamera“ nicht erwarten, aber das habe ich auch gar nicht. Bekommen hab ich dafür aber einen unterhaltsamen Film mit einer riesigen Schildkröte, die sogar fliegen kann und zugegebenermaßen noch etwas arg billig aussieht. Aber hey, es war 1965 und die Produktion des Films stand wohl unter keinem guten Stern.

Ich hab jetzt definitiv Lust auf die anderen elf Filme der Box bekommen und freue mich vor allem auf die neueren Filme, die teilweise ja sehr gelobt werden. Wie schon erwähnt, die Box aus Großbritannien von Arrow Video ist ein echtes Monster und ein Fest für jeden Kaiju-Fan. Mittlerweile gibt es diese aber kaum noch für einen guten Preis, immerhin hat das britische Kult-Label zwei kleinere Boxen mit je den Filmen aus der Showa- sowie der Heisei-Ära herausgebracht. In Deutschland gibt es auch einige VÖs dieses Films, aber lediglich auf DVD.

7/10

#Japanuary 2021 Film 5 – Haze

Ich liebe die Filme von Shinya Tsukamoto und mit „Haze“ habe ich sie nun endlich alle gesehen. Der japanische Regisseur wird immer wieder als Meister des Body Horror bezeichnet, aber letztlich sind seine Filme so viel mehr und gehen meist sehr an die Substanz. So auch „Haze“….heieieiei…was war das für ein Ritt?!?

Der Film geht lediglich 48 Minuten und dreht sich um einen Mann, der sich plötzlich in einem dunklen Verlies wiederfindet, dessen Wände aber nur wenige Zentimeter von ihm entfernt sind. Er trägt lediglich Unterwäsche, hat eine Verletzung am Bauch und weiß nicht so recht wie er eigentlich in diese missliche Lage gekommen ist. So kriecht er nun hin und her und wird dabei immer wieder von fiesen Fallen überrascht. Wird er einen Ausweg finden? Und warum befindet er sich in diesem seltsamen Gebilde aus Beton?

„Haze“ ist, wie schon beschrieben, ein unangenehmer Film. Vor allem wenn man sich zu sehr in die Lage des Protagonisten versetzt und die Enge der Betongänge zu sehr an sich heranlässt. Auch für Freunde von Zahn-Horror ist der Film etwas, denn in einer Situation findet sich unsere Hauptfigur mit den Zähnen an einem Eisenrohr hängend wieder. Fürchterliche Szenen….brrrrr! Aber letztlich schafft es Tsukamoto, dass man trotzdem fasziniert am Bildschirm klebt und sich fragt wie er die Klaustrophobie so hervorragend in Bilder umsetzen konnte. Das sieht leider aufgrund der verwendeten Digitalkamera häufig etwas billig aus, aber stört eigentlich nur in den Ruhepausen, in denen man nicht mit dem Protagonisten mitleidet…und das sind nur wenige.

„Haze“ gibt es als deutsche DVD von Rapid Eye Movies, empfehlen würde ich aber vor allem das Tsukamoto-Set aus England von Third Window Films. Dieses beinhaltet nämlich noch seinen neuesten Film „Killing“ und den Kurzfilm „The Adventure of Denzu-Kocho“. Generell solltet ihr alle Tsukamoto-Werke mal anschauen…am besten sofort! Ah, fast hätte ich vergessen wie toll mal wieder die Akustik des Films geraten ist. Und wie phänomenal der Soundtrack von Tsukamotos Haus- und Hofkomponisten Chu Ishikawa ist…leider ist dieser aber mittlerweile verstorben und wird wohl so schnell keine Tracks mehr für seine Filme komponieren.

7/10 Punkte

#Japanuary 2021 Film 4 – Promare

Werke des Studio Trigger stehen bei mir hoch im Kurs, „Kill La Kill“ schafft es dabei locker in meine Top 5 der Animeserien. Aber auch „Darling in the Franxx“ mochte ich sehr, vor allem der tolle Stil des Studios gefällt mir dabei.

Umso gespannter war ich deshalb auf den ersten, abendfüllenden Animefilm des Studios, „Promare“. In diesem geht es um ein mysteriöses Ereignis, das als Great World Blaze in die Geschichtsbücher einging. Dabei entzündeten sich Menschen ganz spontan und rissen mit ihrer pinken Flamme alles in ihrer Umgebung mit sich. Daraus entstanden dann die sogenannten Burnish, die immer noch die Kraft besitzen, Feuer und Flammen zu steuern. Nach einem Zeitsprung über mehrere Jahrzehnte verfolgen wir die Einsätze der Feuerwehr von Promepolis, die sehr häufig den Burnish geschuldet sind. Durch einen dieser Einsätze lernt Feuerwehrmann Galo den Burnish Lio kennen und somit auch die andere Seite der Medaille. Denn die Regierung der Stadt geht keinesfalls zimperlich gegen die Burnish vor und will diese für ihre Zwecke missbrauchen.

In Sachen Story erzählt „Promare“ nun also sicherlich keine sensationell revolutionäre Geschichte und manch ein Regisseur hätte die sicherlich auch in der Hälfte der Zeit erzählen können. Somit wirkt das Geschehen arg in die Länge gezogen, viele Szenen sind einfach zu langwierig. Da wird dann hier nochmal in der Perspektive umgeschalten, da passiert irgendwas spektakuläres und hey…habt ihr das da hinten schon gesehen? „Promare“ ist einfach ein verrücktes, lautes und grelles Werk und das über die vollen 111Minuten. Hin und wieder darf man mal kurz verschnaufen, aber dann geht es schon wieder weiter. Das muss man mögen und fällt sicherlich sehr deutlich unter den Begriff „style over substance“.

Studio Trigger zeigt hier mal wieder eindrucksvoll, was sie in Sachen Animationen so drauf haben. Auch das Charakterdesign und das Aussehen der Welt und der Mechs sind fantastisch, sogar die CGI-Effekte störten mich hier kaum. Denn durch den sehr reduzierten Stil, der sowieso schon sehr viele, große Flächen hat, konnte man auch so manchen Computereffekt damit gut übertünchen. Auch die Musik gefiel mir sehr gut, auch wenn es gerne ein paar Songs mehr hätte geben dürfen.

Alles in allem ist „Promare“ optisch gelungen, inhaltlich aber eher mau. Mir war der Film dann letztlich für seine Geschichte etwas zu lang und in manchen Szenen wusste man wirklich nicht mehr, wo oben und unten ist. Da schau ich mir lieber nochmal eine der vielen tollen Serien des Studios an.

„Promare“ gibt es bisher nicht in Deutschland auf DVD oder Blu-ray, dafür aber im europäischen Ausland. Ich habe meine Blu-ray aus England. Diese stammt von Anime Limited und hat auch ein paar Extras mit an Bord(u.a. Interviews und Trailer).

6,5/10 Punkte

#Japanuary 2021 Film 3 – Wicked City

Wenn man wie ich in den Anfangstagen von Anime und Manga in Europa aufgewachsen ist, gehörte es zum guten Ton sämtliche Veröffentlichungen von Manga Video UK auf VHS zu kaufen. So kam man nicht nur in den Genuss von Meisterwerken wie „Ghost in the Shell“ oder „Fist of the North Star“, hin und wieder bekam man auch Material in die Finger, was eigentlich nicht unbedingt altersgerecht war. Denn in den 80ern und frühen 90ern gab es auch unzählige Vertreter des hochwertigen Erwachsenenfilms auf Kassette, so unter anderem „Urotsukidoji“ oder „Adventure Kid“.

Diese Filme und Serien stachen vor allem mit ihrem hohen Anteil an nackter Haut gepaart mit deftigen Horror-Einlagen aus der Masse heraus und waren somit besonders interessant. Einer dieser Vertreter war auch „Wicked City“, der schon mit seinem geheimnisvollen Cover zum Kauf animierte. Die Geschichte rund um die Welten der Menschen und der Dämonen, die regelmäßig ihren Friedensvertrag erneuern, wirkt auf dem ersten Blick unspektakulär, gefällt aber vor allem mit seiner Inszenierung. Denn dank des starken Einsatzes von Schatten und dazu dem starken Kontrast mit Blau- und Rottönen, wirkt der Anime nochmal ganz anders als vergleichbare Werke von damals.

Die beiden Protagonisten Taki und Makie müssen in „Wicked City“ den Vermittler bei den Friedensverhandlungen, Giuseppe Mayart, beschützen, der den beiden das Leben aber alles andere als einfach macht. Denn der 200 Jahre alte Herr hat eigentlich nur eines im Sinn: den Besuch möglichst vieler Soaplands und die Bekanntschaft mit leichten Damen machen. Dass das natürlich seine Sicherheit gefährdet und die beiden Black Guards Taki und Makie vor keine leichte Aufgabe stellt, ist somit klar. Was folgt ist eine wilde Mixtur aus ein bißchen Sex, viel Blut, abgetrennten Körperteilen und einigen spannenden Twists.

„Wicked City“ wurde von keinem geringeren als Yoshiaki Kawajiri inszeniert, der bei uns mittlerweile vor allem durch „Ninja Scroll“ bekannt sein dürfte. Der Horror-Anime entstand im Jahr 1987, ist aber für sein Alter auch heute noch erstaunlich gut anzusehen, vor allem das Artdesign, die Charaktere und Dämonen wissen zu gefallen. Selbiges kann man auch über die Musik sagen, vermutlich schwingt hier aber auch ein bißchen Nostalgie aus der Zeit mit, in der man stundenlang vor dem heimischen TV hing und eine Anime-VHS nach der anderen in den Player gesteckt hat.

„Wicked City“ habe ich in Form der Blu-ray aus England gesehen, die jüngst bei Manga Video erschienen ist. Ich habe mir dabei das Set mit dem anderen Kawajiri-Werk „Demon City Shinjuku“ gegönnt, das in einem stabilen Schuber steckt und unter anderem noch ein dickes Booklet und Postkarten zu den Filmen enthält. Ein lohnenswertes Set!

Ach ja, von „Wicked City“ gab es Anfang der 90er auch einen Realfilm aus Hong Kong. Dieser stammt von Peter Mak und soll auch sehr sehenswert sein. Ich werde bei Zeiten berichten…

8/10 Punkte