#Japanuary 2019 Film 5 – Orgies of Edo

Japan zu Zeiten der Genroku-Ära zum Ende des 17.Jahrhunderts. Der Mediziner Gentatsu sieht sich immer wieder mit allerlei besonderen Fällen und deren Geschichte konfrontiert. Während er den sozialen Abstieg der Prostituierten Oito mitverfolgen muss, soll er außerdem die abartigen Gelüste einer Frau kurieren, die nur mit entstellten oder körperlich beeinträchtigten Männern Lust empfinden kann.
Sein letzter Fall führt ihn dann in ein Schloss, in dem der sadistische Besitzer mit seinen Haremsdamen allerlei krude Spielchen treibt, sie zum Beispiel von Stieren jagen lässt oder sie komplett in goldene Farbe hüllt.

 

„Orgies of Edo“ stammt, wie auch schon „Blind Woman’s Curse“, ebenfalls von Teruo Ishii und lässt den Betrachter sicherlich erst einmal sprachlos zurück. Denn während der Film mit der ersten Geschichte noch relativ harmlos anfängt, brennen sich einige Bilder und Szenen aus den beiden anderen Episoden direkt in den Sehnerv des Zuschauers ein.
Aber so sind Werke des Ero Guro-Genres eben. Erotisch angehaucht, gleichzeitig aber auch grotesk und manchmal auch abstoßend. Ishii hat vor und nach „Orgies of Edo“ noch andere Filme in diese Richtung gedreht, so zum Beispiel „Horrors of  Malformed Men“ oder die „Tokugawa“-Reihe.

Auch wenn ich den abseitigen Film wirklich mag, konnte mich „Orgies of Edo“ nicht so ganz mitreißen. Sicherlich hat er seine Momente, besonders Epsiode 3 finde ich wirklich sehenswert, aber in einigen Szenen hat er einem dann doch ganz schön auf den Magen geschlagen. Aber damit hat er wohl seine Wirkung auch voll und ganz erreicht…Dennoch bevorzuge ich aus dieser Zeit des japanischen Films dann eher die Werke des Pinky Violence-Genres, da diese meist etwas lockerer inszeniert und nicht ganz so derbe sind.

 

6,5/10

 

 

„Orgies of Edo“ erschien erst vor kurzem über das britische Label Arrow Video auf Blu-ray. Neben einem schicken Wendecover mit einem wirklich sehenswerten Motiv von Arrow, bekommt man als Besitzer der Disc außerdem mal wieder ein recht informatives Booklet dazu. Auch auf der Disc selbst ist mit einem ausführlichen Interview von Patrick Maccias über Ishiis Filme ein wirklich toller Beitrag vorhanden.
In Deutschland erschien der Film unter dem Titel „Tokugawa III – Im Rausch der Sinne“ zwar auf DVD, diese ist aber lediglich ein Bootleg. Früher gab es den Film auch einmal auf VHS.

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#Japanuary 2019 Film 4 – Perfect Blue

Da Mima der Erfolg mit ihrer Pop-Gruppe CHAM vorenthalten bleibt, entscheidet sich die junge Frau Schauspielerin zu werden. Dass dieser Ausstieg bei den teils sehr enthusiastischen Fans nicht wirklich gern gesehen wird, versteht sich von selbst. Und so schlägt auch die Stimmung gegenüber Mima langsam um.
Zum gleichen Zeitpunkt entdeckt sie eine ominöse Homepage, die ihren Tagesabauf und ihre Gedankenwelt bis ins kleinste Detail rekonstruiert, aber eben nicht von ihr erstellt wurde. Zusehends verschwimmt ihre Wahrnehmung der Realität was zusätzlich durch ihre Rolle bei einer TV-Serie verstärkt wird, da diese sich vor allem auf ihr früheres Lebens als Pop-Sternchen bezieht. Als es dann auch noch zu einem Anschlag per Briefbombe kommt und sich die mysteriösen Mordfälle in ihrem Umfeld häufen, wird der psychische Druck immer größer.

 

Das Phänomen der Idols in Japan ist faszinierend aber auch abschreckend zugleich. Wer schon einmal in Tokyo und den entsprechenden Vierteln wie Akihabara unterwegs war, ist sicherlich auch schon einmal über ein Konzert einer solchen Band oder Person gestossen, auch Mega-Gruppen wie AKB48 sollten euch dann bekannt sein.
Ich persönlich finde die musikalische Qualität zum Großteil nicht wirklich gut, erschreckender sind allerdings die älteren Herren, die sich für die meist recht jungen Damen viel zu sehr begeistern können. Hierzu empfehle ich die Doku „Tokyo Idols“, die sich dem Thema gewidmet hat.
Aber hier soll es ja um „Perfect Blue“ gehen, in dem es sich vor allem um die Idol-Karriere einer jungen Frau und dem damit verbundenen Druck dreht. Auch hier werden Dinge wie Fanatismus und Stalking thematisiert, aber auch die frauenfeindliche Denke der Industrie. Verfolgt man die heutige Idol-Szene in Japan muss man leider sagen, dass sich gut zwanzig Jahre nach „Perfect Blue“ kaum etwas getan hat. Egal ob Messerattacken auf Sängerinnen oder das bekannte Entschuldigungsvideo von AKB48-Mitglied Minami Minegishi, in dem sie sich mit abrasierten Haaren bei ihren Fans für eine, mit ihrem Freund verbrachte Nacht entschuldigt, das Idol-Business ist auch heute noch so gnadenlos wie in „Perfect Blue“ dargestellt.

Der Regisseur hinter dem Psycho-Thriller ist kein geringerer als Satoshi Kon, der hier sein Regie-Debüt abliefert. Und was für eins! Leider verstarb er 2010 im Alter von 46 Jahren, setzte sich aber mit seinen Filmen, Manga und TV-Serien definitiv mehrere Denkmale.
„Perfect Blue“ selbst basiert auf einem Roman und wurde außerdem als Realverfilmung umgesetzt. Diese kommt aber in keiner Minuten an den Anime heran, kann also getrost übersehen werden. Zum Anime selber muss man, denke ich, kaum noch was sagen. Egal ob Atmosphäre, Inszenierung oder Animationen…hier wird großes Kino geboten. Wenn ich auf mein persönliches Dasein als Anime-Fan zurückblicke, sind wohl „Akira“, „Ghost in the Shell“ und „Perfect Blue“ die drei Filme, die den größten Eindruck bei mir hinterlassen haben. Ein Meisterwerk, das jeder mal gesehen haben sollte!

 

10/10

 

 

„Perfect Blue“ ist in Deutschland als Blu-ray erhältlich, die DVD bekommt man meist nur noch gebraucht und auch in unterschiedlichen Editionen. Die aktuelle HD-Variante ist bei Rapid Eye Movies in der Nippon Classics-Serie erschienen. Neben einem Schuber enthält diese Version ein 16-seitiges Booklet mit einem Text von Tom Mes.

#Japanuary 2019 Film 2 – Blind Woman’s Curse

Als Akemi die Führung des Tachibana-Clans übernimmt und diesen aus belanglosen Gangkämpfen heraushalten will, stößt dies nicht bei allen Beteiligten auf Akzeptanz. Vor allem einer ihrer Untergebenen, Tatsu, hält nichts von dem eingeschlagenen Weg und verbündet sich deswegen mit dem feindlichen Azora-Clan. Deren Anführer Dobashi hat sich indes mit einer geheimnisvollen blinden Frau zusammengetan, die ihm beim Sturz der Tachibanas helfen will.

 

Meiko Kaji ist eine Göttin! Durch Filme wie „Sasori“ wurde sie unsterblich und zur Ikone des Pinky Violence-Kinos. In „Blind Woman’s Curse“ feierte sie im Jahr 1970 ihre Premiere als Hauptdarstellerin und verlieh dem skurrilen Mix aus Yakuza- und Horrorfilm den nötigen Glanz. Das Multitalent, neben zahlreichen Filmen hat sie nämlich aus Musikalben veröffentlicht, wertet einfach jeden Film schon allein durch ihre Anwesenheit auf.
Inszeniert wurde der Spaß von Teruo Ishii, der es wirklich großartig versteht, die Genres zu einem überzeugenden Film zu vermengen. Garniert mit tätowierten Yakuza-Frauen, verfluchten Katzen und zig übernatürlichen Elementen vergehen die 85 Minuten von „Blind Woman’s Curse“ wie im Fluge und lassen den Zuschauer ziemlich begeistert zurück. Da verzeiht man dem Werk auch einige billigere Effekte wie die Plüschkatze, die an einem Seil durch den Friedhof gezogen wird.

 

8,5/10

 

„Blind Woman’s Curse“ ist bei Arrow Video in Großbritannien in einer tollen Blu-ray/DVD-Kombo erschienen. Wie vom britsichen Label gewohnt, bekommt man hier nicht nur ein Wendecover sondern auch ein informatives Booklet präsentiert. Ein lohnenswertes Paket für Filmfans!

 

Des Zombies liebste Serien – Die Top 5 des Jahres 2018

Neben den knapp 200 gesehenenen Filmen im Jahr 2018 gab es auch einige Serien, die mich nachhaltig stark beeindruckt haben. Dank Netflix und Co. ist gerade der Kosum von Serien leicht wie nie, dennoch greife ich auch hier gerne auf physische Releases zurück und stelle mir „4 Blocks“ oder „Made in Abyss“ ins Regal.
Auch hier hätte ich eine Top 10 erstelle können, muss aber zugeben, dass vieles so nebenbei konsumiert wurde und nur wenig davon hängengeblieben ist. Die hier aufgelistete Top 5 stellt also wirklich die Speerpsitze der Serien-Unterhaltung dieses Jahres dar…für mich persönlich!

 

5. Dark Tourist

 

Die Netflix-Serie über den umherreisenden Journalisten David Farrier hat mich wirklich fasziniert. Denn er fährt oder fliegt nicht an die überfüllten Strände oder die überlaufenen Sehenswürdigkeiten der Welt, die eh schon jeder kennt. Nein, er geht dahin wo sich der Otto-Normal-Tourist höchstens hinverirren würde. So badet er in einem See in einem ehemaligen Atombomben-Testgebiet, trifft Charles Mansons Brieffreund und nimmt an einer Massenmörder-Tour durch LA teil oder verfolgt die jährliche Totenfeier in Indonesien bei der die Leichen wieder aus ihren Särgen geholt werden. Außerdem trifft er Vampire, holt sich eine ordentliche Portion Strahlung in Fukushima ab und wechselt ein paar Worte mit dem ehemaligen Bodyguard von Pablo Escobar. Perfekt für die Urlaubsplanung 2019!

 

4. Willkommen in Gravity Falls!

 

Die Zeichentrickserie von Disney ist eigentlich schon ein paar Jährchen älter, ich habe sie aber erst jetzt auf Netflix(und dank Radio Nukular) entdeckt. Hier sollte man sich nicht von dem Zeichenstil und den vordergründig einfachen Geschichten täuschen lassen, denn „Gravity Falls“ ist sowohl für Jung als auch Alt gedacht. Die Story um die beiden Geschwister Mabel und Dipper und ihrem seltsamen Gronkel Stan, die seltsamen Eriegnissen in dem Städtchen Gravity Falls nachgehen, ist einfach zum Schießen. Charaktere wie Hausschwein Schwabbel oder die beiden dümmlichen Polizisten darf man dabei natürlich auch nicht vergessen. Wären Fox und Mulder Geschwister, würde hier ihre Vorgeschichte erzählt werden…

 

3. Made in Abyss

 

An Animeserien habe ich im Jahr 2018 doch verhältnismäßig viel gesehen, dennoch konnte mich keine zu 100% überzeugen. Wenn es da nicht „Made in Abyss“ gegeben hätte. Der doch recht kindlich wirkende Anime täuscht mit seiner Optik zwar eine seichte und kindgerechte Story vor, präsentiert sich im letzten Drittel der ersten 12 Episoden aber als ganz schön harter Tobak. Ich glaube, dass mich seit „Neon Genesis Evangelion“ keine Animeserie mehr so mitgerissen und bewegt hat. Man kann nur hoffen, dass die zweite Season bald ausgestrahlt und schnell veröffentlicht wird. Solange kann man übrigens auf den Manga zurückgreifen, der auch bereits in deutscher Sprache erhältlich ist.

 

2. 4 Blocks

 

Schon seit mehreren Monaten stand die erste Staffel von „4 Blocks“ auf meinem Wunschzettel und zum Black Friday schlug ich endlich zu. Warum habe ich so lange gewartet?!? Die Serie um die libanesische Familie Hamady und ihre Machenschaften im Berliner Drogengeschäft ist ein absolutes Aha-Erlebnis und deutsche Serienunterhaltung auf höchstem Niveau. Der Cast ist super und die hochwertig inszenierten Folgen mit einem passenden Deutschrap-Soundtrack untermalt. Jetzt heißt es bis Ende 2019 warten, denn erst da folgt Staffel Nummer 3. Bevor ihr Netflix-Kids da draußen also „Dogs of Berlin“ schaut – was ganz ok ist – sichtet erst einmal „4 Blocks“.

 

1. Bad Banks

 

Auf Platz 1 meiner Serien-Jahrescharts steht kein „Game of Thrones“ oder „Westworld“. Dieser Platz ist für eine weitere deutsche Produktion reserviert, „Bad Banks“. Inszeniert von Christian Schwochow und mit wirklich tollen Schauspielern wie Paula Beer ausgestattet, erzählt die Serie von den dunklen Geschäften einer großen Bank und ist somit absolut am Puls der Zeit. Vor allem die letzte Episode ist pures Gold und großes Serien-Kino! Hoffentlich kommt bald eine zweite Staffel…

Filmlogbuch Nr. 132 – The Untold Story

Wong ist das Glück nicht gerade hold. Als Mörder gesucht flieht er von Hong Kong nach Macau nur um dort in den nächsten Schlamassel zu geraten. So findet er zwar einen Job in einem Restaurant und gewinnt die allabendlichen Runden Mahjong regelmäßig, doch da sein Chef herausgefunden hat, dass er beim Spielen betrügt, ist er natürlich auch nicht gewillt ihm die Spielschulden zu zahlen.
Irgendwann wird es Wong dann zu bunt und er bringt den Restaurantbesitzer samt Familie – egal ob jung oder alt – um. Als frischgebackener Chef eines Schnellimbiss‘ muss er nun nicht nur die Geschäfte leiten, sondern sich auch um die Berge an Leichen kümmern. Was liegt dabei näher als deren Fleisch in leckere Dumplings zu verwandeln?
Doch er ahnt nicht, dass ihm die Polizei schon auf die Schliche gekommen ist und kurz davor steht ihn zu verhaften.

„The Untold Story“ bin ich schon irgendwann Mitte der 1990er über den Weg gelaufen. Als Teil der berühmt-berüchtigten Category III-Filme, die in Hong Kong die Grenzen des guten Geschmacks austesteten, berichtete nämlich die Video Games oder die Animania über diese filmischen Grenzerfahrungen mit solch charmanten Titeln wie „Ebola Syndrome“ oder „Doctor Lamb“.
Über zwanzig Jahre später habe ich nun endlich „The Untold Story“ gesehen, der von Koch Media in einem schicken Mediabook veröffentlicht wurde. Zum Film selber kann man nur sagen, dass er in den ersten 75 Minuten gar nicht so hart wirkt wie man anfangs denkt. So blendet man bei einigen Szenen aus oder die Kamera fokussiert sich auf die Schauspieler und nicht den Gewaltakt an sich. Doch spätestens zum Finale in den letzten 15 bis 20 Minuten dreht der Film noch einmal richtig auf und Bodycount und Kunstblut-Menge steigen enorm an. Da versteht man dann auch warum der Streifen den Ruf hat…
Einige Inhalte wie die Macho-Polizisten, die ihre Kollegin nicht ernst nehmen oder der Polizei-Chef, der ständig eine neue Prostituierte im Arm hält, sind doch schon recht aus der Zeit gefallen, sorgen aber zumindest für einige Schmunzler und lockern den Film gut auf. Der Star von „The Untold Story“ ist und bleibt aber Anthony Wong, den man mittlerweile aus großen Hochglanz-Produktionen wie „Infernal Affairs“ kennt und der damals mit der Kombination aus irrem Blick und Hornbrille wohl einen der besten Psychopathen in der Filmwelt ablieferte.

7/10 Punkte

 

 

„The Untold Story“ gibt es nun dank Koch Media auf Blu-ray und DVD samt neuer Synchronisation. Die beiden Discs gibt es in zwei verschiedenen, limitierten Mediabooks plus Bonus-DVD und recht informativen Booklet. Nicht nur in diesem erfährt man einige spannende Dinge über den Category III-Film, auch auf der Extra-Disc ist eine 80-minütige Doku über dieses Film-Genre enthalten. Eigentlich ein perfektes Paket für den Fan des abseitigen Films!

Filmlogbuch Nr. 130 – Super Dark Times

Die beiden Freunde Josh und Zach sind unzertrennlich und verbringen jede freie Minute miteinander. Egal ob bei gemeinsamen BMX-Ausfahrten, Nachmittagen vor dem TV mit ausgeleierten VHS-Kassetten oder beim Abhängen im örtlichen Supermarkt, die beiden gehen durch Dick und Dünn.
Doch als Josh bei einem tragischen Unfall einen anderen Freund tödlich verletzt, beginnen die Probleme zwischen den beiden und vor allem Josh verändert sich hin zu einem echten Weirdo.

 

„Super Dark Times“ wird häufiger mit dem Über-Film „Donnie Darko“ verglichen und schwimmt sicherlich etwas auf der Erfolgswelle eines „Stranger Things“ mit. Denn auch dieser Film spielt in vergangenen Zeiten, hier den 90ern, und spielt mit deren Besonderheiten. Seien es Walkman, klobige Schnurlostelefone für daheim oder eben BMX-Räder, „Super Dark Times“ spricht Kinder der 90er absolut an.
Der Film bietet eine einfache und nachvollziehbare Geschichte und garniert diese mit einigen toll gefilmten Traumsequenzen. Atmosphärisch ist „Super Dark Times“ ein absolutes Brett, was nicht nur an der Kameraarbeit liegt, sondern auch an der musikalischen Untermalung. Sicherlich kein Gute Laune-Film für einen kuscheligen Popcorn-Abend, aber sehr sehr sehenswert, wenn man einmal ein etwas anderes Werk sehen will.

 

8/10 Punkte

 

„Super Dark Times“ gibt es in Deutschland auf Blu-ray und DVD, Sammler greifen aber zum Mediabook. Dieses beinhaltet beide Medien und ein 16-seitiges Booklet. Neben einem Audiokommentar gibt es noch 20 Minuten Bonusmaterial wie ein Gag Reel und entfernte Szenen.

 

#Japanuary 2018 Film 8 – Love Exposure

Eigentlich hat Yu ein recht beschauliches Leben. Zusammen mit seinem Vater und seiner Mutter lebt er glücklich in einer kleinen Wohnung und durch die fromm-christliche Lebenseinstellung der Eltern ist aus ihm ein anständiger Junge geworden. Doch nach dem plötzlichen Tod der Mutter und nachdem sein Vater sich zum Priester hat weihen lassen, bringt die wilde Kaori nicht die erhoffte Ruhe in die Familie, sondern drängt den Vater dazu seinen Job aufzugeben. Schließlich verlässt sie ihn für einen jüngeren Mann und der Vater beginnt zu einem freudlosen und strengen Priester zu werden, der von Yu eine tägliche Beichte seiner Sünden fordert.

Aufgrund seiner Erziehung ist Yu aber ein so guter Mensch, dass er nicht einmal eine Ameise zertreten kann, also erfindet er jeden Tag aufs Neue Sünden, die er dem Vater beichten kann. Als dieser an seiner Glaubwürdigkeit zweifelt, will Yu zum Sünder Nr.1 aufsteigen und beginnt so eine Ausbildung beim Meister des „Unter-den-Rock“-Fotografierens. Dabei stellt er sich so gut an, dass sogar seine drei Freunde bei ihm in die Lehre gehen und künftig die Straßen unsicher machen. Bei einer der Jagden auf den perfekten Pantyshot, trifft er auf Yoko, in die er sich unsterblich verliebt und die seine „Maria“ sein könnte. Einziges Problem: aufgrund einer Wette war er in diesem Moment als Sasori verkleidet. Nun heißt es also, das Herz der Dame zu erobern und ihr irgendwie klarzumachen, dass er kein Mädchen ist. Als sich dann auch noch eine Sekte in das Leben der Familie mischt und die alte Flamme des Vaters wieder auftaucht, ist das Chaos perfekt.

 

Schon anhand der Beschreibung dürfte euch Leserinnen und Lesern klar sein, dass „Love Exposure“ kein gewöhnlicher Film ist. Die wahnsinnigen Ideen für das knapp vierstündige Werk entsprangen Meister-Regisseur Sion Sono aus seinen Gehirnwindungen, welche er grandios umsetzte. Denn auch wenn die Story zu Beginn noch recht albern wirkt, ist der Film ab der zweiten Hälfte eine dramtische Geschichte voller Enttäuschungen und Tränen und dem ein oder anderen Liter Blut. Das mag für manche Zuschauer sicherlich nicht funktionieren, für mich ist „Love Exposure“ einer der besten Filme des japanischen Kinos. Hier stimmt einfach alles, angefangen bei der Auswahl der Darsteller(u.a. Sakura Ando <3) über die musikalische Untermalung(klassische Stücke wie das „Hohelied der Liebe“ wechseln sich mit dem rockigen Soundtrack ab) bis hin zu der Kurzweiligkeit, die der Film trotz seiner 237 Minuten versprüht. Mit diesem Film begann außerdem meine Leidenschaft für Sonos Werke, die immer wieder Neues entdecken lassen und sicherlich zum Spannendsten gehören, was der Film aktuell zu bieten hat. Wenn man sich auf einige verrückte Ideen einlassen kann…

 

10/10

 

„Love Exposure“ gibt es in Deutschland sowohl als DVD als auch Blu-ray von Rapid Eye Movies. Gesehen habe ich den Film auf der Blu-ray des britischen Labels Third Window Films, welche neben der Filmdisc auch noch eine DVD mit den Extras beinhaltet.  In Japan gibt es mittlerweile eine Blu-ray mit der eigentlich vorgesehene Fassung des Films, die als TV-Serie konzipiert war. Diese Version ist in 30-minütige Epsioden aufgeteilt und läuft ca. 275 Minuten. Über ein Release dieser Fassung im Westen ist leider nichts bekannt.