#Japanuary 2022 Film 6 – Blind Beast

Im vergangenen Jahr habe ich an dieser Stelle den Film „Irezumi“ besprochen(mehr dazu HIER), der unter der Regie von Yasuzo Masamura entstand. Der Regisseur war einer der ersten, den ich im Rahmen meiner Begeisterung für japanische Exploitation-Werke wahrgenommen habe, doch leider habe ich sein Schaffen nie so wirklich verfolgt. „Blind Beast“ war mir zwar schon recht lange bekannt – u.a. gibt es ein deutsches DVD-Release von REM – doch irgendwie verschwand der Film und sein Regisseur lange aus meinem Fokus. Und nachdem ich „Blind Beast“ nun endlich gesehen habe, frage ich mich: WARUM?!?

Der Film aus dem Jahr 1969 handelt von einem blinden Künstler namens Michio und einem Model namens Aki. Nachdem diese dank einer Ausstellung eines Fotografen und Skulpteurs zu lokalem Ruhm kam, wird auch Michio auf sie aufmerksam. Zusammen mit seiner Mutter entführt er die junge Frau und will sie fortan als Muse und Vorlage für die Skulptur eines perfekten Frauenkörpers nutzen. Eingeschlossen in einer Lagerhalle voll seltsamer Kunstwerke, versucht sie fortan vor Michio zu fliehen. Doch so recht gelingen will ihr das nicht und so entwickelt sich langsam eine sehr skurrile Beziehung zueinander…

„Blind Beast“ ist wirklich eine Bestie an Film. Wägt man sich anfangs noch in Sicherheit und meint zu wissen, was einen da alles noch erwartet, dreht der Film in der zweiten Hälfte voll auf und präsentiert menschliche Abgründe deluxe. Mehr will ich hier gar nicht verraten, aber Fans des Genre Eroguro – also des Erotisch-Grotesken – kommen definitiv auf ihre Kosten. Kein Wunder, basiert der Film doch auf einem Werk von Edogawa Rampo, der berühmt für seine Werke aus diesem Genre ist.

Wie schon erwähnt, ist der Film in Deutschland vom Label Rapid Eye Movies auf DVD erschienen. Ich besitze die britische Blu-ray des Labels Arrow Video, das dem Film ein angemessenes Paket geschnürt hat. Neben einem Wendecover mit japanischem Kinoplakat, gibt es auch noch ein informatives Booklet mit einem Essay zum Film und der umfangreichen Filmographie des Regisseurs. Auf der Disc finden sich außerdem ein Audiokommentar und weitere Boni.

#Japanuary 2022 Film 3 – Ritual

Hideaki Anno kennt man natürlich vor allem durch sein Meisterwerk „Neon Genesis Evangelion“ und andere Vorzeige-Anime wie „Gunbuster“ oder „Nadia – The Secret of Blue Water“. Doch der Gute hat sich auch schon immer im Bereich der Realfilme ausgetobt und mit „Shin Godzilla“ wohl einen der besten Einträge in der Film-Reihe geschaffen. Neben Klamauk wie der Anime-Verfilmung „Cutie Honey“ und dem bekannten „Love & Pop“, ist „Ritual“ eines seiner weiteren Werke aus dem Live Action-Segment.

In dem Film geht es um einen jungen Filmregisseur(gespielt von Regisseur Shunji Iwai), der in seine Heimatstadt Ube zurückkehrt. Die Beweggründe dafür sind nicht wirklich klar, anscheinend brauchte er eine Pause von der Arbeit an einem aktuellen Projekt. Doch eigentlich ist das alles auch irrelevant, denn hier geht es vor allem um die Beziehung zu einer jungen Frau(Ayako Fujitani…einfach großartig), die er eines Tages an den Bahngleisen trifft. Diese fällt ihm aufgrund ihres extrovertierten Äußeren sofort auf und übt eine gewisse Faszination auf ihn aus.
Von da an laufen sich die beiden regelmäßig über den Weg, die Gespräche werden intimer, die Beziehung zueinander enger. Und jeden Tag erzählt ihm die junge Frau, dass sie morgen Geburtstag hätte.

„Ritual“, oder „Shiki-Jitsu“ im Original, kann man eigentlich als Experimentalfilm bezeichnen. Viele Sachverhalte werden nicht direkt erklärt, sondern eher mit der Art der Inszenierung verdeutlicht. Das macht den Einstieg nicht gerade einfach, was auch an den sehr seltsamen Dialogen zu Beginn liegt. Doch der Film lässt den Zuschauer so schnell nicht mehr los. Zu faszinierend zeigt Anno den Aufbau der Beziehung der beiden und natürlich will man auch unbedingt wissen, was hinter den täglichen Geburtstagsankündigungen steckt.
Dass es letztlich vor allem um psychische Erkrankungen und den Umgang damit geht, ist kein Spoiler und wird relativ schnell klar. Und auch hier beweist Anno das richtige Gespür fürs Thema, was sicherlich auch an seinen eigenen Erfahrungen mit den Auswirkungen einer Depression liegt. Das ist alles so sensibel und niemals platt oder klischeehaft inszeniert…richtig toll! Obendrauf gibt es übrigens einen sehr hörenswerten Soundtrack mit instrumentalen Tracks und ein paar spannenden Indie-Nummern. Großes japanisches Kino!

Leider hat es „Shiki-Jitsu“ nie so wirklich in den Westen geschafft…eine Schande! Der Film, der übrigens von einem Nebenarm von Studio Ghibli produziert wurde, ist lediglich in Japan auf DVD und Blu-ray erhältlich. Ich besitze ihn als Teil der Hideaki Anno Live Action Film Collection, die auch „Cutie Honey“ und „Love & Pop“ beinhaltet. Glücklicherweise sind alle Filme darin englisch untertitelt, und die Discs sind regionfree.

Statt einem Trailer gibt es hier einen tollen kleinen Musikclip mit dem Song „Little Dark Age“ von MGMT, untermalt mit Szenen aus „Ritual“.

#Japanuary 2022 Film 2 – Hanging Garden

Filme von Toshiaki Toyoda begleiten mich schon seit vielen Jahren und seit den Anfängen meiner Begeisterung für japanische Filme. Und auch wenn Titel wie „9 Souls“ oder „Blue Spring“ immer eine gewisse Faszination auf mich ausüben konnten, war nie der richtig große Kracher dabei.

Doch in meiner Neugierde über einige der enthaltenen Filme griff ich im vergangenen Herbst erneut zu einem Release von Third Window Films, das sich auf mehreren Discs mit Toyodas Werken aus den Jahren 2005 bis 2021 beschäftigt…zumindest mit den meisten davon.

Und da steh ich also nun mit meiner Blu-ray von „Hanging Garden“ und bin nach der Sichtung vollkommen hin und weg. Was war das denn eben? Geht man von den ersten Minuten des Films und bekannten Postern und Artworks aus, erwartet einen hier eine leichte und vielleicht auch kitschige Geschichte über die vierköpfige Familie Kobayashi, doch was sich dann in den 110 Minuten daraus entspinnt, ist der reine Wahnsinn!

Wir verfolgen dabei hauptsächlich die Geschichte der Mutter Eriko, die alles dafür in die Wege leitet, um das Familienidyll aufrechtzuerhalten. Man habe voreinander keine Geheimnisse, hießt es einmal während eines Familienessens und so teilen die Eltern auch gerne die Informationen mit ihren Kindern, wo und unter welchen Umständen diese gezeugt wurden. Doch spätestens mit dem ersten Auftreten von Erikos Mutter kommt sowas wie Unbehagen auf, irgendwas scheint nicht zu stimmen. Auch der, ach so glückliche Ehemann betrügt seine Frau munter, während die Tochter sich in einem Love Hotel für ein Schmuddelmagazin ablichten lässt. Dass es hier irgendwann mal zu einer Explosion kommen muss, dürfte also klar sein.

Mehr will ich zu „Hanging Garden“ auch gar nicht verraten. Oft fühlte ich mich an Miikes „Visitor Q“ erinnert(besprochen an dieser Stelle), nur dass dieser Film hier mit weniger Muttermilch auskommt. Dennoch wird auch hier die Situation der japanischen Familien gut dargestellt, analysiert und auseinandergenommen. Und das alles wird angereichert mit schön gefilmten Bildern, einem zauberhaften Soundtrack und einigen echt skurrilen Momenten, die wirklich überraschen können.

Wie oben schon erwähnt, ist „Hanging Garden“ Teil der neuen Toshiyaki Toyoda-Box, die im Oktober 2021 beim britischen Label Third Window Films erschienen ist. Ansonsten ist die Verfügbarkeit des Films nicht die beste. Wem es speziell nur um diesen Film geht, kann sich auch nach der japanischen DVD umschauen. Diese hat nämlich sogar englische Untertitel mit an Bord.

#Japanuary 2022 Film 1 – The Great Yokai War

Ihr wisst was los ist…im Januar ist #Japanuary-Zeit! Es gilt also mal wieder acht Filme aus dem Land der aufgehenden Sonne zu sichten und diese zu besprechen. Den Anfang macht in diesem Jahr „The Great Yokai War“ von keinem geringeren als Takashi Miike.

Anfang der 2000er hatte der japanische Film eine echte Hochphase in Deutschland, was unter anderem auch Mister Miike geschuldet war, der sich mit „Audition“, „Dead or Alive“ und „Gozu“ einen gewissen Ruf erarbeitet hatte. Seine Filme versprachen viel Gewalt, nackte Haut und Yakuza mit dicken Eiern. Umso verwirrter war für mich die damalige Ankündigung, dass er mit „The Great Yokai War“ nun einen Kinderfilm machen würde. Miike und Kids?!?! Das wollte so gar nicht zusammenpassen, aber – und so viel kann man vorab verraten – der Film ist eine echte Überraschung.

Der junge Tadashi ist mit seiner Mutter aufs Land gezogen, da diese sich von ihrem Mann getrennt hat. Nun wohnen die beiden also bei dem seltsamen Großvater, Tadashi vermisst aber sowohl seine Schwester in Tokyo und kommt außerdem in der Schule so gar nicht klar. Als er eines Tages bei einem Dorffest aber zum Kirin Rider ernannt wird und das Dorf beziehungsweise ganz Japan plötzlich von einer finsteren Schar an Dämonen bedroht wird, nimmt er all seinen Mut zusammen und stellt sich der Herausforderung. Hilfe bekommt er dabei von einigen Yokai, japanischen Geisterwesen, die dem Schurken eigentlich als Futter für seine diabolische Maschine dienen sollen.

„The Great Yokai War“ ist von Minute 1 an ein unterhaltsames Abenteuer für Jung und Alt. Auch wenn sich Miike inhaltich hier schon sehr auf die jüngere Zuschauerschaft konzentriert hat, gibt es doch so einige gruselige und brutale Momente. Und auch in sexueller Hinsicht gibt es die ein oder andere subtile Szene, zum Beispiel mit der Flussgöttin Kawahime oder Chiaki „Gogo“ Kuriyama. Miike schafft es also seine Elemente für die er berühmt und berüchtigt ist, auch in einem Kinderfilm unterzubringen. Ein echter Regie-Gott!

Ganz hervorragend sind aber auch die unterschiedlichen Yokai gelungen. Wenn man für die fantasievollen Geisterwesen nur ein bißchen was übrig hat, wird man hier seinen Spaß haben. Egal ob scheinbar nutzloser Bohnenzähler, der einbeinige Regenschirm oder der klassische Kappa…das ist schon großes Kino. Ja, der ein oder andere Effekt sieht mal nicht ganz so professionell aus und wirkt schlecht gealtert, vor allem bei CGI-Monstern, aber darüber kann man meist gut hinwegsehen.

„The Great Yokai War“ macht über seine zwei Stunden Laufzeit durchgehend Spaß und gefällt mit seinen skurrilen Einfällen und vor allem den vielen verschiedenen Yokai. Humor, Spannung, Abenteuer…fast fühlt man sich an eine japanische Variante von „The Goonies“ erinnert…nur mit Kappas und feuchten Fluss-Prinzessinen…und epischer!
Wer sich nun auf die Suche nach dem Film begeben möchte: in deutscher Sprache gibt es „The Great Yokai War“ nur auf DVD und das auch nur noch in gebrauchter Form. Ansprechend präsentiert wird der Film aber in der neuen „Yokai Monsters Collection“ von Arrow Video. Dort gibt es neben Miikes Werk auch noch die drei Filme „100 Monsters“, „Spook Warfare“ und „Along with Ghosts“ aus den späten 60er Jahren. Obendrauf beinhaltet die Box neben massig Extras auf Disc auch noch einen Yokai Guide und ein kleines Büchlein mit Infos zu den Filmen und einigen Yokai-Artikeln. Darunter unter anderem einer über Mangaka Shigeru Mizuki, der auch in „The Great Yokai War“ als einer DER Zeichner thematisiert wird, wenn es um Yokai geht.

Beauty Water [Review]

Bisher waren die KAZÉ Anime Nights geprägt von japanischen Animationsfilmen, so aber nicht Ende Dezember 2021. Denn da lief mit „Beauty Water“ das Werk des koreanischen Regisseurs Cho Kyung-Hun in den Lichtspielhäusern. Ich konnte mir den Thriller, der übrigens auf einer Episode des Webtoons Tales of the Unusual“ basiert, dank eines Screeners des Publishers anschauen und wollte euch mein Review nicht vorenthalten.

Die Geschichte dreht sich dabei um die Stylistin Yaeji, die nicht nur unter ihrem Übergewicht leidet, sondern auch die Zickereien und das Mobbing der Schauspielerin Miri ertragen muss. Eines Tages wird ihr alles zu viel, sie wirft ihren Job frustriert hin und verbringt ihre Tage künftig mit allerlei Fastfood vor dem Rechner.

Eine Mail, die ihr mit Hilfe eines neuen Beauty-Produkts ein neues Leben und vor allem Schönheit verspricht, tut sie als vermeintlichen Spam ab, erhält aber dennoch einige Tage später ein mysteriöses Paket. Darin enthalten ist der neueste Schrei, das titelgebende Beauty Water. Dieses hilft ihr fortan, sich im Model-Business einen Namen zu machen, hat jedoch aber einen Preis. Denn nicht nur ist das Produkt an sich ziemlich teuer, auch der Fokus auf ihr Aussehen lässt Yaejin nach und nach zu einem anderen Menschen werden…

Südkorea war lange Zeit in den weltweiten Top 5, wenn es um Schönheits-OPs ging. Darum verwundert es nicht, dass sich ein koreanischer Regisseur durchaus kritisch mit diesem Thema beschäftigt. Aber gelingt das „Beauty Water“? Ich bin da hin- und hergerissen. Ja, die Kritik an Branchen wie dem Model-Business oder dem Fernsehen, die unreflektierte Schönheits-OPs befeuern, kommt definitiv an. Aber leider ist das alles meist recht plakativ und klischeehaft gewählt. Doch alles in allem ist die Geschichte von „Beauty Water“ recht gut und nie wirklich langweilig. In die 85 Minuten wird alles reingepackt was geht und so hat man am Ende eine durchaus unterhaltsame Mixtur aus Body Horror, Thriller, Suspense und Gesellschaftskritik.

Der größte Knackpunkt für mich ist allerdings die Optik dieses „Animationsfilms“. So bedient man sich für die Figuren an – nun wie soll man sagen – gräßlichen 3D-Modellen, die leider sämtliche Details vermissen lassen. Ein Todesstoß für ein genre wie Body Horror, das doch immer sehr explizit Wert auf Details legt…Während das in Standbildern noch ganz gut aussieht, ist spätestens bei Bewegungen Schluss. Die Animationen verlaufen viel zu langsam und lassen sämtliche Dynamik vermissen. Dazu kommen einige Texturen aus der Hölle, die vor zwanzig Jahren in so manchem Videospiel schon besser ausgesehen hätten. Ich verstehe, dass gerade Animation ein immenser Kostenfaktor ist, aber hier trübt die Optik – ähnlich wie bei Studio Ghiblis letztem Eintrag aus der Hölle – wirklich das Vergnügen.

„Beauty Water“ erscheint am 17.Februar 2022 auf DVD und Blu-ray.

#Japanuary 2021 Bonus – Miss Zombie

Ach ja…Filme von Sabu. Wer wie ich seine ersten Begegnungen mit dem japanischen Kino Anfang der 2000er hatte, dem war auch der Regisseur Sabu eigentlich ein Begriff. Mit „Dangan Runner“ soll er Tom Tykwer zu „Lola rennt“ inspiriert haben, spätestens mit „Monday“ wurde er aber zum Kult-Filmmacher. Dennoch zünden viele seiner Werke bei mir einfach nicht. Von Ausnahme wie „Mr. Long“ oder „Dancing Mary“ mal abgesehen.

Die Prämisse von „Miss Zombie“ fand ich mal wieder recht interessant und spannend, immerhin ist das Genre leider ja mittlerweile etwas ausgelutscht und frische Ideen sind Mangelware. In Sabus Werk geht es also um Sara, eine Hausangestellte bei einer reichen Familie, die sich hauptsächlich um die Drecksarbeit kümmern muss. So verbringt sie ihre Arbeitstage damit den Boden zu schrubben und das in einer sehr unangenehmen Position, die schon beim Zusehen einen Bandscheibenvorfall hervorruft. Doch Sara ist das egal, denn sie ist ein Zombie und fühlt anscheinend nichts.

So fristet sie ihr Dasein als billige Hilfskraft, die dann auch noch von anderen Angestellten der Familie missbraucht und von Anwohnern als störend empfunden wird. Sie ist also wirklich der Bodensatz der Gesellschaft. Doch dann kommt es zu einem Zwischenfall mit dem Sohn der Familie, der alles auf den Kopf stellt und die Verhältnisse komplett verschiebt…

„Miss Zombie“ hat also definitiv eine Aussage und übt deutlich Kritik an der Gesellschaft, bewegt sich hier also im Fahrwasser eines „Dawn of the Dead“ & Co. Doch leider funktioniert der Film für mich über die kompletten 85 Minuten nicht so recht. Einige Einstellungen sind viel zu lang und manche Ereignisse wirken belanglos und unwichtig für den Film. Als Kurzfilm wäre das hier sicherlich eine andere Hausnummer gewesen. Immerhin ist Sabus Werk von 2013 in schönen Schwarz-Weiß-Bildern gefilmt und begeistert mit einigen tollen Lichteffekten. Auch die Performance der Hauptdarstellerin Ayaka Komatsu hat mir gut gefallen, konnte allerdings nicht über die Langwierigkeit des Films hinwegtäuschen.

In Deutschland ist der Film über Wicked-Vision in einem tollen Set erschienen. Neben Blu-ray und DVD bekommt der Käufer hier nämlich noch ein informatives Booklet zum Film spendiert. Außerdem liegt der Film sogar in deutscher Synchro vor, die recht gut geworden ist.

5/10 Punkte

#Japanuary 2021 Film 8 – Die Frauen des Shogun

Das Schmuddelfilmchen hat in Japan eine lange Tradition, gerade in den 1970er Jahren war mit dem Pinku Eiga-Kino viel nackte Haut in den Lichtspielhäusern des Landes zu sehen. Daraus entstanden viele spannende Nischen wie die Roman Porno-Werke oder – mein liebstes Genre – die Pinky Violence-Filme wie „Sex & Fury“, die „Sasori“-Reihe oder „Zero Woman“. Japanuary-Film Nummer 8 passt da ganz gut in diese Kategorie, denn bei „Die Frauen des Shogun“ oder „The General and his Empire of Joy“ gibt es auch einiges an nackter Haut zu sehen und Sex beziehungsweise die fleischlichen Gelüste sind hier der Ursprung allen Übels.

Denn nachdem sich der Samurai Ryuken in die liebreizende Okoyo verliebt hat, wird das junge Glück jäh unterbrochen und die Jungfrau soll in den Harem des Shogun aufgenommen werden. Daher sucht Ryuken einen Weg in den Palast, um seiner Liebsten nahe zu sein und sie im Idealfall für sich zurückgewinnen zu können. Doch natürlich ist das alles nicht so einfach wie es sich der Samurai vorstellt…

Leider wird einem das Ende von „Die Frauen des Shogun“ fast überall im Netz gespoilert, denn seltsamerweise findet sich auf den bisherigen deutschen Veröffentlichungen als Zusammenfassung eigentlich nur das Ende des Films. Das ist etwas schade und nimmt einem die Überraschung, daher sollte man da vorsichtig sein. Der Film von Ikuo Sekimoto erschien im vergangenen Herbst auf DVD beim Verleih Schröder Media, die in letzter Zeit immer wieder mal Werke aus Japan im Programm aufnehmen und hoffentlich auch weiterhin herausbringen werden.

Mir hat der Film im Grunde ganz gut gefallen, auch wenn er einige sehr absurde Ideen enthält. Wer zum Teufel treibt mit einer Schlange sein Kind ab? Die Inszenierung ist aber sehr hochwertig, egal ob Kostüme oder Szenerien. Das sieht schon echt gut aus! Hier gefiel mir auch die Musik sehr gut, denn neben klassischen, japanischen Klängen gibt es auch immer wieder mal psychedelische 70er Jahre-Musik zu hören. Klasse!

Wie schon erwähnt, zu haben ist der Film in Deutschland auf DVD. Leider gibt es rund um den Film ein bißchen Schnitt-Chaos, denn eigentlich gibt es keine offizielle ungeschnittene Version. So gibt es in der japanischen Fassung fehlende Szenen, die in der deutschen enthalten sind und umgekehrt. Immerhin gibt es eine Version auf der Disc, die einigermaßen uncut sein soll und in die Szenen aus der japanischen Fassung integriert wurden. Ein Durcheinander! Generell kann man die Veröffentlichung aber uneingeschränkt empfehlen.

6/10

#Japanuary 2021 Film 6 – Gamera(1965)

Auch wenn ich schon lange ein großer Fan der japanischen Pop-Kultur bin, waren mir Kajiu-Filme nie besonders wichtig. Mitte der 90er war ich ein viel zu cooles Kid, um Godzilla gut zu finden, mit dem US-Versuch von Emmerich bin ich aber auch nicht warm geworden. Erst in den letzten zehn Jahren hat sich die Faszination großer Monster, die ganze Städte in Schutt und Asche legen gefestigt und mittlerweile sind mir vor allem die Godzilla-Sachen so wichtig, dass ich über ein entsprechendes Tattoo nachdenke.

Aber zurück zum Japanuary und dem sechsten von acht Filmen: „Gamera“ von 1965. Nachdem Arrow Video im Sommer letzten Jahres eine tolle Box mit allen zwölf Filmen auf Blu-ray plus fettem Buch und den Comics veröffentlicht hatte, ich bisher aber noch keine Chance sah, da mal reinzuschauen, sollte der Japanuary nun Anlass für die Sichtung des ersten Teils sein.

Das von Daiei Film ins Rennen geworfene Schildkröten-Monster folgt im ersten Teil dem üblichen Kaiju-Klischee. Durch einen militärischen Zwischenfall in der Arktis wird Gamera erweckt und treibt von da an sein Unwesen. Natürlich gibt es aber wieder einen schlauen Kopf, der weiß, wie man das Monster stoppen kann. Mehr kann man von „Gamera“ nicht erwarten, aber das habe ich auch gar nicht. Bekommen hab ich dafür aber einen unterhaltsamen Film mit einer riesigen Schildkröte, die sogar fliegen kann und zugegebenermaßen noch etwas arg billig aussieht. Aber hey, es war 1965 und die Produktion des Films stand wohl unter keinem guten Stern.

Ich hab jetzt definitiv Lust auf die anderen elf Filme der Box bekommen und freue mich vor allem auf die neueren Filme, die teilweise ja sehr gelobt werden. Wie schon erwähnt, die Box aus Großbritannien von Arrow Video ist ein echtes Monster und ein Fest für jeden Kaiju-Fan. Mittlerweile gibt es diese aber kaum noch für einen guten Preis, immerhin hat das britische Kult-Label zwei kleinere Boxen mit je den Filmen aus der Showa- sowie der Heisei-Ära herausgebracht. In Deutschland gibt es auch einige VÖs dieses Films, aber lediglich auf DVD.

7/10

#Japanuary 2021 Film 5 – Haze

Ich liebe die Filme von Shinya Tsukamoto und mit „Haze“ habe ich sie nun endlich alle gesehen. Der japanische Regisseur wird immer wieder als Meister des Body Horror bezeichnet, aber letztlich sind seine Filme so viel mehr und gehen meist sehr an die Substanz. So auch „Haze“….heieieiei…was war das für ein Ritt?!?

Der Film geht lediglich 48 Minuten und dreht sich um einen Mann, der sich plötzlich in einem dunklen Verlies wiederfindet, dessen Wände aber nur wenige Zentimeter von ihm entfernt sind. Er trägt lediglich Unterwäsche, hat eine Verletzung am Bauch und weiß nicht so recht wie er eigentlich in diese missliche Lage gekommen ist. So kriecht er nun hin und her und wird dabei immer wieder von fiesen Fallen überrascht. Wird er einen Ausweg finden? Und warum befindet er sich in diesem seltsamen Gebilde aus Beton?

„Haze“ ist, wie schon beschrieben, ein unangenehmer Film. Vor allem wenn man sich zu sehr in die Lage des Protagonisten versetzt und die Enge der Betongänge zu sehr an sich heranlässt. Auch für Freunde von Zahn-Horror ist der Film etwas, denn in einer Situation findet sich unsere Hauptfigur mit den Zähnen an einem Eisenrohr hängend wieder. Fürchterliche Szenen….brrrrr! Aber letztlich schafft es Tsukamoto, dass man trotzdem fasziniert am Bildschirm klebt und sich fragt wie er die Klaustrophobie so hervorragend in Bilder umsetzen konnte. Das sieht leider aufgrund der verwendeten Digitalkamera häufig etwas billig aus, aber stört eigentlich nur in den Ruhepausen, in denen man nicht mit dem Protagonisten mitleidet…und das sind nur wenige.

„Haze“ gibt es als deutsche DVD von Rapid Eye Movies, empfehlen würde ich aber vor allem das Tsukamoto-Set aus England von Third Window Films. Dieses beinhaltet nämlich noch seinen neuesten Film „Killing“ und den Kurzfilm „The Adventure of Denzu-Kocho“. Generell solltet ihr alle Tsukamoto-Werke mal anschauen…am besten sofort! Ah, fast hätte ich vergessen wie toll mal wieder die Akustik des Films geraten ist. Und wie phänomenal der Soundtrack von Tsukamotos Haus- und Hofkomponisten Chu Ishikawa ist…leider ist dieser aber mittlerweile verstorben und wird wohl so schnell keine Tracks mehr für seine Filme komponieren.

7/10 Punkte

YUNG

YUNG ist der flirrende Trip von vier jungen Mädchen durch die pulsierende und hedonistische Subkultur des modernen Berlin, vor allem aber ein pures, raues und authentisches Portrait ihrer Freundschaft. Janaina verdient sich etwas Taschengeld mit Webcam-Sex hinzu. Für ihre beste Freundin Emmy ist die Stadt ein einziger Rausch, dabei realisiert sie nicht, dass sie immer tiefer in den Strudel der Abhängigkeit gerät. Joy sinnt über die Liebe nach, wenn sie nicht gerade Drogen verkauft, und die süße Abbie träumt davon nach Los Angeles abzuhauen.

 

Im Vorfeld der Sichtung – Danke an Public Insight und Alamode für den Screener – fiel mir „YUNG“ immer wieder aufgrund der Vergleiche mit Larry Clarks „Kids“ ins Auge. Besagten Film um eine Gruppe Jugendlicher im New York der 90er Jahre habe ich zwar bisher nur ein einziges Mal gesehen und das auch schon vor über zwanzig Jahren, dennoch erinnere ich mich auch heute noch an die Abscheu und die Faszination zugleich, die der Film in mir auslöste. Auch wenn die Abscheu immer überwog und ich den Film lange als einen meiner meistgehassten deklarierte, finde ich solche Milieustudien mittlerweile sehr interessant und habe auch meinen Frieden mit Regisseur Larry Clark geschlossen. Aber das ist ein anderes Thema…

„YUNG“ schockiert natürlich mit seinen jungen Hauptfiguren, die sich von einem Exzess in den anderen stürzen und natürlich kommt da die Frage bei einem Enddreißiger wie mir auf: kann das wirklich alles stimmen? Tickt „die Jugend“ heute so? Keine Ahnung…laut dem Regisseur soll das ja alles sehr nah dran am echten Leben sein. Ich kam mir teilweise ein bißchen alt vor und musste ehrlicherweise einige Begriffe wirklich googeln…oder wer von euch weiß schon was ein K-Hole ist? Oder G?
Inszeniert war der Film recht gut und hatte einige echt tolle Bilder. Egal ob Aufnahmen mit einem schönen Panorama von Berlin oder Szenen in Klubs…das sah alles echt hochwertig aus und dazu gab es einen vorzüglichen Soundtrack auf die Ohren. Dieser wurde von DJ Hell zusammengestellt und besteht zu einem großen Teil aus elektronischen Tracks. Richtig gut! Kann man übrigens auch auf CD erwerben…noch ein Beweis für mein biblisches Alter…CDs!
„YUNG“ kann man definitiv empfehlen und ist eine Sichtung wert. Der Film von Henning Gronkowski erscheint im Verleih von Alamode Film auf DVD am 24.07. und ist bereits seit Anfang Mai auf diversen Plattformen als digitale Fassung erhältlich.

 

7/10