#Japanuary 2022 Film 8 – Helter Skelter

Trommelwirbel, bitte! Hier kommt die Besprechung des letzten Films des 2022er Japanuary…“Helter Skelter“ von der Regisseurin Mina Ninagawa. Alteingesessene Leser*innen des Blogs haben sicherlich noch die alte Review vom Juli 2013 im Kopf…das habt ihr doch, oder? Schon damals konnte mich das Drama um das japanische Top-Model Lilico begeistern, daher wollte ich den Film unbedingt mal wieder anschauen.

Lilico ist DER Shooting-Star der japanischen Modewelt und findet sich monatlich auf zahlreichen Magazin-Cover und in Werbespots wieder. Dank ihrer Beliebtheit ist sie außerdem Gast in zahlreichen Talkshows und spielt kleinere Rollen in TV-Serien. Ihre makellose Schönheit sorgt schlicht und einfach dafür, dass sie ein tolles Leben führen kann wie sie es sich immer schon gewünscht hat.

Doch das Alles hat einen Preis, denn Lilicos Aussehen war ihr nicht von Geburt an gegeben. Dank finanzieller Unterstützung ihrer „Mama“, der Managerin Hiroko, hat sie in zahlreichen Schönheits-OPs ihr heutiges Aussehen bekommen. Als Lilico eines Tages einen Fleck auf der Stirn entdeckt, muss sie sich einer weiteren Operation unterziehen, außerdem muss sie fortan Medikamente nehmen, um ihr Aussehen zu erhalten.

Das, die brüchige Beziehung zu ihrem Freund und eine neue Konkurrentin in Form des jüngeren Models Kozue, treiben Lilico langsam in den Wahnsinn und treiben sie zu einigen garstigen Manövern. Dass abseits davon auch noch die Polizei gegen die Beauty Klinik wegen Organhandel & Co. ermittelt, in der sie sich operiern lässt, sorgt nur weiter für Lilicos Zerfall.

„Helter Skelter“ basiert auf dem gleichnamigen Manga von Kyoko Okazaki. Ergänzend zum Film kann man sich diesen auch mal anschauen, der Film ist aber aufgrund seiner Bildgewalt die empfehlenswertere Umsetzung. Kein Wunder, sind Ninagawas Filme doch durch die Bank sehr stylische und hübsche Erlebnisse. Die Farben sind knallig, die Sets ideenreich und toll ausstaffiert. Obendrauf kommen noch die ansehnlichen Menschen wie Erika Sawajiri als Lilico und fertig ist das Eyecandy.

Und inhaltlich? Ja, auch in Sachen Story gefällt „Helter Skelter“ mit seinem Mix aus Drama und Psycho-Thriller, erinnert oft an den grandiosen Anime „Perfect Blue“ von Satoshi Kon garniert mit ein bißchen Body Horror. Sawajiri spielt Lilico sehr überzeugend, mal verführerisch, mal verletzt, mal als echtes Miststück. Da hat man wirklich Mitleid mit ihrer Assistentin, dem Make-up-Artist & Co. Auch die Geschichte rund um die Ermittlungen um die Beauty Klinik störten mich jetzt nicht mehr so sehr wie damals, dennoch finde ich sie immer noch fast überflüssig für die Geschichte. Entweder also ganz weglassen oder noch mehr davon erzählen…aber das ist nur ein kleiner Makel, der Rest ist tolles japanisches Kino! Ach, das muss man auch noch erwähnen: der Soundtrack ist interessant gewählt, unter anderem gibt es zum Einstieg Nina Hagen zu hören, später dann die „Ode an die Freude“…das unterstreicht den Wahnsinn des Films recht gut.

Leider gibt es „Helter Skelter“ auch zehn Jahre nach seinem Release nicht im Westen auf DVD oder Blu-ray. Ich konnte damals zum Glück letztere aus Hong Kong ergattern, die aber leider eine Code A-Disc ist. Daher ist ein freigeschalteter Player ein Muss. Die Disc bietet den japanischen O-Ton und englische sowie chinesische Untertitel, an Extras sind der Trailer und TV-Spot vorhanden. Also nichts besonders…

#Japanuary 2022 Film 7 – The Snake Girl and the Silver-Haired Witch

Der #Japanuary 2022 neigt sich langsam dem Ende zu und somit folgen heute nun die Besprechungen zu Film 7 und 8 hier auf meinem kleinen Blog. Das vorletzte besprochene Werk ist somit Noriaki Yuasas Gruselspaß „The Snake Girl and the Solver-Haired Witch“ aus dem Jahre 1968, der sich thematisch in Richtung des ersten diesjährigen Japanuary-Films „The Great Yokai War“ bewegt. Es geht nämlich um mystische Wesen…

Das Mädchen Sayuri lebt aktuell in einem Waisenhaus, das von Nonnen geführt wird. Eines Tages kann sie zurück zu ihrer eigentlichen Familie, die sie dort ausfindig gemacht hat. Doch die anfängliche Euphorie weicht recht schnell der Angst vor seltsamen Ereignissen im Haus. So ist die Mutter geistig nicht ganz bei sich, empfängt Sayuri dennoch sehr warmherzig in der Familie. Doch nachdem ihr Vater, der sich beruflich mit exotischen und hochgiftigen Tieren beschäftigt, auf eine Dienstreise muss, wird das Leben für Sayuri immer beschwerlicher.

Grund dafür ist die plötzlich aufgetauchte Schwester Tamami, die bisher ihr Dasein auf dem Dachboden fristen musste. Einer der Gründe dafür scheint vor allem ihr entstelltes Gesicht zu sein, doch auch so scheint irgendwas nicht mit ihr zu stimmen. Schon bald vermutet Sayuri, dass ihre Schwester in Wirklichkeit eine Schlange ist und ihr nach dem Leben trachtet.

„The Snake Girl and the Silver-Haired Witch“ ist kein wirklich gruseliger Film. Dafür wirken die Effekte zu altbacken und die Schockmomente zu lasch und vorhersehbar. Man könnte fast meinen, dass man es mit einem kinderkompatiblen Grusel-Film zu tun hat, der auch gar nicht sonderlich erschrecken wollte.
In diese Richtung zielt auch etwas die Auflösung des Ganzen, aber das müsst ihr dann schon selber herausfinden.

Mir persönlich hätte etwas mehr Charakteraufbau gut gefallen, selbst die „Schlangenschwester“ Tamami bleibt etwas blass und platt. Aber gut, der Film läuft halt auch nur 82 Minuten…Ansonsten wird einem hier ein atmosphärisches Werk präsentiert, das sicherlich die ein oder andere Länge hat. Einen spannenden Fakt zum Regisseur gibt es noch zu berichten: dieser hat sich seine Brötchen vor allem mit der Arbeit an „Gamera“-Filmen verdient, so unter anderem mit dem Erstling. Und wie es der Zufall will, war der Teil meines letztjährigen #Japanuary-Line-ups(siehe HIER).

„The Snake Girl and the Silver-Haired Witch“ gibt es auf Blu-ray vom britischen Kult-Label Arrow Films. Diese kommt in einem schönen Schuber daher und hat mit einem Interview, dem Trailer und einem Kommentar von David Kalat außerdem einige Extras an Bord der Disc. Obendrauf gibt es – wie üblich beim Label – ein informatives Booklet, das sich mit den Hintergründen des Films befasst.

#Japanuary 2022 Film 6 – Blind Beast

Im vergangenen Jahr habe ich an dieser Stelle den Film „Irezumi“ besprochen(mehr dazu HIER), der unter der Regie von Yasuzo Masamura entstand. Der Regisseur war einer der ersten, den ich im Rahmen meiner Begeisterung für japanische Exploitation-Werke wahrgenommen habe, doch leider habe ich sein Schaffen nie so wirklich verfolgt. „Blind Beast“ war mir zwar schon recht lange bekannt – u.a. gibt es ein deutsches DVD-Release von REM – doch irgendwie verschwand der Film und sein Regisseur lange aus meinem Fokus. Und nachdem ich „Blind Beast“ nun endlich gesehen habe, frage ich mich: WARUM?!?

Der Film aus dem Jahr 1969 handelt von einem blinden Künstler namens Michio und einem Model namens Aki. Nachdem diese dank einer Ausstellung eines Fotografen und Skulpteurs zu lokalem Ruhm kam, wird auch Michio auf sie aufmerksam. Zusammen mit seiner Mutter entführt er die junge Frau und will sie fortan als Muse und Vorlage für die Skulptur eines perfekten Frauenkörpers nutzen. Eingeschlossen in einer Lagerhalle voll seltsamer Kunstwerke, versucht sie fortan vor Michio zu fliehen. Doch so recht gelingen will ihr das nicht und so entwickelt sich langsam eine sehr skurrile Beziehung zueinander…

„Blind Beast“ ist wirklich eine Bestie an Film. Wägt man sich anfangs noch in Sicherheit und meint zu wissen, was einen da alles noch erwartet, dreht der Film in der zweiten Hälfte voll auf und präsentiert menschliche Abgründe deluxe. Mehr will ich hier gar nicht verraten, aber Fans des Genre Eroguro – also des Erotisch-Grotesken – kommen definitiv auf ihre Kosten. Kein Wunder, basiert der Film doch auf einem Werk von Edogawa Rampo, der berühmt für seine Werke aus diesem Genre ist.

Wie schon erwähnt, ist der Film in Deutschland vom Label Rapid Eye Movies auf DVD erschienen. Ich besitze die britische Blu-ray des Labels Arrow Video, das dem Film ein angemessenes Paket geschnürt hat. Neben einem Wendecover mit japanischem Kinoplakat, gibt es auch noch ein informatives Booklet mit einem Essay zum Film und der umfangreichen Filmographie des Regisseurs. Auf der Disc finden sich außerdem ein Audiokommentar und weitere Boni.

#Japanuary 2022 Film 5 – Ghost in the Shell 2: Innocence

Nachdem es vergangene Woche schon den großartigen Erstling im Rahmen des #Japanuary 2022 gab, wollte ich mir auch endlich mal wieder „Ghost in the Shell 2: Innocence“ anschauen. Die letzte Sichtung dieses Films liegt nämlich schon wieder viel zu lange zurück und auch die Erinnerung daran verblasste langsam.

Der zweite große „Ghost in the Shell“-Film erschien im Jahr 2004, also fast zehn Jahre nach dem ersten Teil, und entstand erneut unter der Regie von Mamoru Oshii. Und auch wenn man nach dem relativ ähnlichen Intro, in dem man wieder die Herstellung eines Cyborgs zu atmosphärischer Musik verfolgen kann, vermutet, dass man hier „more of the same“ bekommt, geht der Film in eine andere Richtung. Denn nachdem – ACHTUNG: SPOILER!! – Motoko Kusanagi am Ende des ersten Teils verschwindet, dreht sich der Film primär um ihren Sektion 9-Partner Batou.

Dieser wird an einen Tatort gerufen, an dem ein Cyborg mehrere Polizisten getötet hat und sich anschließend selbst in die Luft sprengt. Dabei ist dies nicht der erste Fall, in dem dieses spezifische Modell anderen Schaden zufügt und so beginnt er zusammen mit seinem neuen Partner Togusa mit den Ermittlungen. Relativ schnell wird klar, dass die Cyborgs hauptsächlich zu einem Zweck gebaut werden, sie sind Sexroboter. Doch was steckt hinter dem Verhalten der Cyborgs?

„Ghost in the Shell 2: Innocence“ verzichtet erneut auf einen riesigen aufgeblasenen Fall und bewegt sich in einem eher kleineren Rahmen. Dabei werden die Ermittlungsarbeiten von Batou und Togusa aber von einem deutlicheren Schwerpunkt auf philosophische Fragen begleitet, so gibt es eine komplette Sequenz, die sich deutlich als Mindfuck klassifizieren lässt und auch so gibt es immer wieder mal bedeutungsschwangere Dialoge auf die Ohren. Generell hat der Film eine gewisse Schwere, was mir persönlich den Zugang schon immer ziemlich…ja…schwer gemacht hat.

Auch optisch war ich mit „Innocence“ noch nie so ganz glücklich, einige CGI-Effekte wirkten schon im Jahr 2004 veraltet und sind heutzutage noch schlimmer anzuschauen. Doch durch den Einsatz von Computergrafiken bekommt der Film auch seine ganz spezielle Atmosphäre. Ein echt zweischneidiges Schwert! Freunde von klassischer Animation kommen dennoch auf ihre Kosten, die Bewegungen der Figuren sehen gut aus und die vielen Details in den Hintergründen sorgen für eine lebendige Welt. Auch die wenigen Actionszenen machen deutlich, dass Herr Oshii sein Werk versteht.
Mal wieder ein Highlight ist der Soundtrack, der erneut von Kenji Kawai beigesteuert wurde und der sich mit seiner Mischung aus Synthie-Sounds und Chören extrem am Erstling orientiert.

„Ghost in the Shell 2: Innocence“ ist sicherlich kein Meisterwerk wie es noch der erste Film aus dem Jahr 1995 war. Er ist einfach sehr sperrig und der grimmige Batou als Hauptfigur ist sicherlich auch nicht die erste Wahl für einen erfolgreichen Film. Andererseits hat man sich damit etwas getraut und nicht einfach der bewährte Erfolgsrezept stumpf wiederholt.

Ich habe den Film auf der südkoreanischen Blu-ray von Mirage Entertainment angeschaut. Diese ist regionfree und bietet neben dem japanischen O-Ton auch koreanische und englische Untertitel. Es gibt den Film zwar auch auf einer deutschen Blu-ray, doch diese hat das grauenhafte Cover, das damals von Dreamworks angefertigt wurde. Aufgrund eines speziellen Deals für die West-Veröffentlichung haben diese „Innocence“ in 2004 nämlich unter ihrer Flagge vermarktet und dabei Coverbild des Schreckens gestaltet.

#Japanuary 2022 Film 4 – Ghost in the Shell

Einer meiner ersten Kontakte in Sachen Manga waren die Werke von Masamune Shirow. Das begann alles mit dem grandiosen „Appledseed“ und ging dann ganz flott zu „Ghost in the Shell“. Schon damals begeisterte mich die Cyberpunk-Welt mit ihren neuralen Schnittstellen, dem einzigartigen Design und den dargestellten Umständen. Selten zuvor wirkte ein Kosmos so durchdacht, obendrein gab es mit Motoko Kusanagi noch eine toughe und coole Hauptprotagonistin.

Doch so sehr ich den Manga mochte, der Anime aus dem Jahr 1995 hatte gehörige Anlaufschwierigkeiten in meinem Anime-Kosmos. Ich erinnere mich noch sehr genau an das erste Einlegen der VHS – ja, so alt bin ich – und die ersten Minuten des Films. Das eher realistische Design der Charaktere hat mich eher abgeschreckt, war ich doch den klassischen Manga-Look des Originals gewohnt. Doch in Sachen Inhalt enttäuschte mich „Ghost in the Shell“ nicht, auch die damals wegweisende Inszenierung sorgte für den ein oder anderen Begeisterungssturm vor der Glotze. Doch stop…worum geht es eigentlich?

In dem Anime von 1995, der unter der Regie von Mamoru Oshii entstand, geht es um Motoko Kusanagi und ihre Einheit bei Sektion 9. Ein vermeintlicher Hacker namens Puppet Master treibt sein Unwesen und beeinflusst nicht nur hochrangige Politiker, sondern missbraucht auch einfache Menschen für seine Pläne.
Während man zunächst recht schnell Ergebnisse liefern kann, wird aber auch klar, dass es sich hierbei nicht um einen gewöhnlichen Hacker handelt.

Mehr sollte man zu dem Film nicht verraten, es soll ja schließlich spannend bleiben. Und „Ghost in the Shell“ lohnt sich…der Anime begeistert nicht nur mit seiner Geschichte voll existenzieller Fragen, auch die Inszenierung ist auf einem Top-Niveau. Kein Wunder, dass sich unter anderem die „Matrix“-Macher hier an einigen Elementen bedient haben. Schon alleine die Anfangssequenz samt Intro, in dem man die Produktion eines Cyborgs nachverfolgen kann, könnte ich mir immer und immer wieder anschauen. Das ist natürlich auch der Musik von Kenji Kawai geschuldet, der die Szenerie hier mit perfekten Synthie-Sounds unterlegt.

Hier stimmt einfach alles. Es gibt keine Ausrede, den Film nicht zu schauen. Auch wer nichts mit Anime anfangen kann, hat hier aufgrund des gewählten Artstyles nichts zu befürchten.
„Ghost in the Shell“ gibt es auf zahlreichen Formaten…DVD, Blu-ray und in den USA sogar schon auf 4K-UHD. Ich selbst besitze die britische Blu-ray im Steelbook, welche absolut in Ordnung geht. Solltet ihr euch den Film noch anschaffen wollen, ignoriert bitte die fürchterliche 2.0-Version des Anime. Neben einer anderen Farbgebung hat man den Film nämlich vor allem mit neuen CGI-Sequenzen „verschönert“. Fürchterlich!

#Japanuary 2022 Film 3 – Ritual

Hideaki Anno kennt man natürlich vor allem durch sein Meisterwerk „Neon Genesis Evangelion“ und andere Vorzeige-Anime wie „Gunbuster“ oder „Nadia – The Secret of Blue Water“. Doch der Gute hat sich auch schon immer im Bereich der Realfilme ausgetobt und mit „Shin Godzilla“ wohl einen der besten Einträge in der Film-Reihe geschaffen. Neben Klamauk wie der Anime-Verfilmung „Cutie Honey“ und dem bekannten „Love & Pop“, ist „Ritual“ eines seiner weiteren Werke aus dem Live Action-Segment.

In dem Film geht es um einen jungen Filmregisseur(gespielt von Regisseur Shunji Iwai), der in seine Heimatstadt Ube zurückkehrt. Die Beweggründe dafür sind nicht wirklich klar, anscheinend brauchte er eine Pause von der Arbeit an einem aktuellen Projekt. Doch eigentlich ist das alles auch irrelevant, denn hier geht es vor allem um die Beziehung zu einer jungen Frau(Ayako Fujitani…einfach großartig), die er eines Tages an den Bahngleisen trifft. Diese fällt ihm aufgrund ihres extrovertierten Äußeren sofort auf und übt eine gewisse Faszination auf ihn aus.
Von da an laufen sich die beiden regelmäßig über den Weg, die Gespräche werden intimer, die Beziehung zueinander enger. Und jeden Tag erzählt ihm die junge Frau, dass sie morgen Geburtstag hätte.

„Ritual“, oder „Shiki-Jitsu“ im Original, kann man eigentlich als Experimentalfilm bezeichnen. Viele Sachverhalte werden nicht direkt erklärt, sondern eher mit der Art der Inszenierung verdeutlicht. Das macht den Einstieg nicht gerade einfach, was auch an den sehr seltsamen Dialogen zu Beginn liegt. Doch der Film lässt den Zuschauer so schnell nicht mehr los. Zu faszinierend zeigt Anno den Aufbau der Beziehung der beiden und natürlich will man auch unbedingt wissen, was hinter den täglichen Geburtstagsankündigungen steckt.
Dass es letztlich vor allem um psychische Erkrankungen und den Umgang damit geht, ist kein Spoiler und wird relativ schnell klar. Und auch hier beweist Anno das richtige Gespür fürs Thema, was sicherlich auch an seinen eigenen Erfahrungen mit den Auswirkungen einer Depression liegt. Das ist alles so sensibel und niemals platt oder klischeehaft inszeniert…richtig toll! Obendrauf gibt es übrigens einen sehr hörenswerten Soundtrack mit instrumentalen Tracks und ein paar spannenden Indie-Nummern. Großes japanisches Kino!

Leider hat es „Shiki-Jitsu“ nie so wirklich in den Westen geschafft…eine Schande! Der Film, der übrigens von einem Nebenarm von Studio Ghibli produziert wurde, ist lediglich in Japan auf DVD und Blu-ray erhältlich. Ich besitze ihn als Teil der Hideaki Anno Live Action Film Collection, die auch „Cutie Honey“ und „Love & Pop“ beinhaltet. Glücklicherweise sind alle Filme darin englisch untertitelt, und die Discs sind regionfree.

Statt einem Trailer gibt es hier einen tollen kleinen Musikclip mit dem Song „Little Dark Age“ von MGMT, untermalt mit Szenen aus „Ritual“.

#Japanuary 2022 Film 1 – The Great Yokai War

Ihr wisst was los ist…im Januar ist #Japanuary-Zeit! Es gilt also mal wieder acht Filme aus dem Land der aufgehenden Sonne zu sichten und diese zu besprechen. Den Anfang macht in diesem Jahr „The Great Yokai War“ von keinem geringeren als Takashi Miike.

Anfang der 2000er hatte der japanische Film eine echte Hochphase in Deutschland, was unter anderem auch Mister Miike geschuldet war, der sich mit „Audition“, „Dead or Alive“ und „Gozu“ einen gewissen Ruf erarbeitet hatte. Seine Filme versprachen viel Gewalt, nackte Haut und Yakuza mit dicken Eiern. Umso verwirrter war für mich die damalige Ankündigung, dass er mit „The Great Yokai War“ nun einen Kinderfilm machen würde. Miike und Kids?!?! Das wollte so gar nicht zusammenpassen, aber – und so viel kann man vorab verraten – der Film ist eine echte Überraschung.

Der junge Tadashi ist mit seiner Mutter aufs Land gezogen, da diese sich von ihrem Mann getrennt hat. Nun wohnen die beiden also bei dem seltsamen Großvater, Tadashi vermisst aber sowohl seine Schwester in Tokyo und kommt außerdem in der Schule so gar nicht klar. Als er eines Tages bei einem Dorffest aber zum Kirin Rider ernannt wird und das Dorf beziehungsweise ganz Japan plötzlich von einer finsteren Schar an Dämonen bedroht wird, nimmt er all seinen Mut zusammen und stellt sich der Herausforderung. Hilfe bekommt er dabei von einigen Yokai, japanischen Geisterwesen, die dem Schurken eigentlich als Futter für seine diabolische Maschine dienen sollen.

„The Great Yokai War“ ist von Minute 1 an ein unterhaltsames Abenteuer für Jung und Alt. Auch wenn sich Miike inhaltich hier schon sehr auf die jüngere Zuschauerschaft konzentriert hat, gibt es doch so einige gruselige und brutale Momente. Und auch in sexueller Hinsicht gibt es die ein oder andere subtile Szene, zum Beispiel mit der Flussgöttin Kawahime oder Chiaki „Gogo“ Kuriyama. Miike schafft es also seine Elemente für die er berühmt und berüchtigt ist, auch in einem Kinderfilm unterzubringen. Ein echter Regie-Gott!

Ganz hervorragend sind aber auch die unterschiedlichen Yokai gelungen. Wenn man für die fantasievollen Geisterwesen nur ein bißchen was übrig hat, wird man hier seinen Spaß haben. Egal ob scheinbar nutzloser Bohnenzähler, der einbeinige Regenschirm oder der klassische Kappa…das ist schon großes Kino. Ja, der ein oder andere Effekt sieht mal nicht ganz so professionell aus und wirkt schlecht gealtert, vor allem bei CGI-Monstern, aber darüber kann man meist gut hinwegsehen.

„The Great Yokai War“ macht über seine zwei Stunden Laufzeit durchgehend Spaß und gefällt mit seinen skurrilen Einfällen und vor allem den vielen verschiedenen Yokai. Humor, Spannung, Abenteuer…fast fühlt man sich an eine japanische Variante von „The Goonies“ erinnert…nur mit Kappas und feuchten Fluss-Prinzessinen…und epischer!
Wer sich nun auf die Suche nach dem Film begeben möchte: in deutscher Sprache gibt es „The Great Yokai War“ nur auf DVD und das auch nur noch in gebrauchter Form. Ansprechend präsentiert wird der Film aber in der neuen „Yokai Monsters Collection“ von Arrow Video. Dort gibt es neben Miikes Werk auch noch die drei Filme „100 Monsters“, „Spook Warfare“ und „Along with Ghosts“ aus den späten 60er Jahren. Obendrauf beinhaltet die Box neben massig Extras auf Disc auch noch einen Yokai Guide und ein kleines Büchlein mit Infos zu den Filmen und einigen Yokai-Artikeln. Darunter unter anderem einer über Mangaka Shigeru Mizuki, der auch in „The Great Yokai War“ als einer DER Zeichner thematisiert wird, wenn es um Yokai geht.

Beauty Water [Review]

Bisher waren die KAZÉ Anime Nights geprägt von japanischen Animationsfilmen, so aber nicht Ende Dezember 2021. Denn da lief mit „Beauty Water“ das Werk des koreanischen Regisseurs Cho Kyung-Hun in den Lichtspielhäusern. Ich konnte mir den Thriller, der übrigens auf einer Episode des Webtoons Tales of the Unusual“ basiert, dank eines Screeners des Publishers anschauen und wollte euch mein Review nicht vorenthalten.

Die Geschichte dreht sich dabei um die Stylistin Yaeji, die nicht nur unter ihrem Übergewicht leidet, sondern auch die Zickereien und das Mobbing der Schauspielerin Miri ertragen muss. Eines Tages wird ihr alles zu viel, sie wirft ihren Job frustriert hin und verbringt ihre Tage künftig mit allerlei Fastfood vor dem Rechner.

Eine Mail, die ihr mit Hilfe eines neuen Beauty-Produkts ein neues Leben und vor allem Schönheit verspricht, tut sie als vermeintlichen Spam ab, erhält aber dennoch einige Tage später ein mysteriöses Paket. Darin enthalten ist der neueste Schrei, das titelgebende Beauty Water. Dieses hilft ihr fortan, sich im Model-Business einen Namen zu machen, hat jedoch aber einen Preis. Denn nicht nur ist das Produkt an sich ziemlich teuer, auch der Fokus auf ihr Aussehen lässt Yaejin nach und nach zu einem anderen Menschen werden…

Südkorea war lange Zeit in den weltweiten Top 5, wenn es um Schönheits-OPs ging. Darum verwundert es nicht, dass sich ein koreanischer Regisseur durchaus kritisch mit diesem Thema beschäftigt. Aber gelingt das „Beauty Water“? Ich bin da hin- und hergerissen. Ja, die Kritik an Branchen wie dem Model-Business oder dem Fernsehen, die unreflektierte Schönheits-OPs befeuern, kommt definitiv an. Aber leider ist das alles meist recht plakativ und klischeehaft gewählt. Doch alles in allem ist die Geschichte von „Beauty Water“ recht gut und nie wirklich langweilig. In die 85 Minuten wird alles reingepackt was geht und so hat man am Ende eine durchaus unterhaltsame Mixtur aus Body Horror, Thriller, Suspense und Gesellschaftskritik.

Der größte Knackpunkt für mich ist allerdings die Optik dieses „Animationsfilms“. So bedient man sich für die Figuren an – nun wie soll man sagen – gräßlichen 3D-Modellen, die leider sämtliche Details vermissen lassen. Ein Todesstoß für ein genre wie Body Horror, das doch immer sehr explizit Wert auf Details legt…Während das in Standbildern noch ganz gut aussieht, ist spätestens bei Bewegungen Schluss. Die Animationen verlaufen viel zu langsam und lassen sämtliche Dynamik vermissen. Dazu kommen einige Texturen aus der Hölle, die vor zwanzig Jahren in so manchem Videospiel schon besser ausgesehen hätten. Ich verstehe, dass gerade Animation ein immenser Kostenfaktor ist, aber hier trübt die Optik – ähnlich wie bei Studio Ghiblis letztem Eintrag aus der Hölle – wirklich das Vergnügen.

„Beauty Water“ erscheint am 17.Februar 2022 auf DVD und Blu-ray.

#Japanuary 2021 Bonus – Miss Zombie

Ach ja…Filme von Sabu. Wer wie ich seine ersten Begegnungen mit dem japanischen Kino Anfang der 2000er hatte, dem war auch der Regisseur Sabu eigentlich ein Begriff. Mit „Dangan Runner“ soll er Tom Tykwer zu „Lola rennt“ inspiriert haben, spätestens mit „Monday“ wurde er aber zum Kult-Filmmacher. Dennoch zünden viele seiner Werke bei mir einfach nicht. Von Ausnahme wie „Mr. Long“ oder „Dancing Mary“ mal abgesehen.

Die Prämisse von „Miss Zombie“ fand ich mal wieder recht interessant und spannend, immerhin ist das Genre leider ja mittlerweile etwas ausgelutscht und frische Ideen sind Mangelware. In Sabus Werk geht es also um Sara, eine Hausangestellte bei einer reichen Familie, die sich hauptsächlich um die Drecksarbeit kümmern muss. So verbringt sie ihre Arbeitstage damit den Boden zu schrubben und das in einer sehr unangenehmen Position, die schon beim Zusehen einen Bandscheibenvorfall hervorruft. Doch Sara ist das egal, denn sie ist ein Zombie und fühlt anscheinend nichts.

So fristet sie ihr Dasein als billige Hilfskraft, die dann auch noch von anderen Angestellten der Familie missbraucht und von Anwohnern als störend empfunden wird. Sie ist also wirklich der Bodensatz der Gesellschaft. Doch dann kommt es zu einem Zwischenfall mit dem Sohn der Familie, der alles auf den Kopf stellt und die Verhältnisse komplett verschiebt…

„Miss Zombie“ hat also definitiv eine Aussage und übt deutlich Kritik an der Gesellschaft, bewegt sich hier also im Fahrwasser eines „Dawn of the Dead“ & Co. Doch leider funktioniert der Film für mich über die kompletten 85 Minuten nicht so recht. Einige Einstellungen sind viel zu lang und manche Ereignisse wirken belanglos und unwichtig für den Film. Als Kurzfilm wäre das hier sicherlich eine andere Hausnummer gewesen. Immerhin ist Sabus Werk von 2013 in schönen Schwarz-Weiß-Bildern gefilmt und begeistert mit einigen tollen Lichteffekten. Auch die Performance der Hauptdarstellerin Ayaka Komatsu hat mir gut gefallen, konnte allerdings nicht über die Langwierigkeit des Films hinwegtäuschen.

In Deutschland ist der Film über Wicked-Vision in einem tollen Set erschienen. Neben Blu-ray und DVD bekommt der Käufer hier nämlich noch ein informatives Booklet zum Film spendiert. Außerdem liegt der Film sogar in deutscher Synchro vor, die recht gut geworden ist.

5/10 Punkte

#Japanuary 2021 Bonus – Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln

Was ist denn hier los? Ein Film eines US-Amerikaners im Japanuary? Da ich „Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“ auch aktuell gesehen habe und der ja thematisch wie die Faust aufs Auge passt, war ich mal so frei auch hier eine kurze Besprechung im Rahmen des Japanuary zu schreiben.

In Paul Schraders Werk bekommen wir nämlich Auszüge aus der Biografie des gleichnamigen Autors Yukio Mishima präsentiert, die immer wieder von kurzen, kunstvoll inszenierten Abschnitten aus Mishimas Werken unterbrochen werden. So verfolgen wir Mishimas Kindheit bis zu seinem Aufstieg als berühmter Autor, die Sequenzen der Werke stammen beispielsweise aus seinem Roman „Der Tempelbrand“ und „Unter dem Sturmgott“. Dabei behandelt der Film auch Mishimas Hang zum Körperkult, seine versteckte Homosexualität und vor allem natürlich seine offene, rechte Gesinnung, die sogar zu einer Gründung einer privaten Armee führte.

Paul Schraders „Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“ ist wahnsinnig toll inszeniert, teilweise erinnern die Sequenzen aus den Romanvorlagen mit ihren starken Farben und den vielen künstlichen, teils stilisierten Hintergründen wie Filme von Nobuhiko Obayashi. Außerdem ist der Film trotz seiner Laufzeit von knapp über zwei Stunden sehr kurzweilig und zu keiner Minuten langweilig.

Der Film erschien jüngst in Deutschland beim einstigen Kultlabel für asiatische Filme, Rapid Eye Movies, aber leider in einer sehr dürftigen Version. Während Ton(Achtung: nur japanischer O-Ton mit deutschen Untertiteln vorhanden) und Bild für eine Blu-ray in Ordnung gehen, muss man sich über die Ausstattung der Disc schon wundern. Das Menü besteht aus zwei Punkten und lässt einem die Wahl aus dem Filmstart und einem Trailer. Keine Extras, nicht mal Trailer zu anderen Filmen von REM. Trauriger Höhepunkt ist aber das Verwenden einer gebrannten und keiner gepressten Blu-ray. Hoffentlich wirkt sich das nicht auf die Haltbarkeit der Disc aus…

8/10 Punkte