#Japanuary 2022 Film 5 – Ghost in the Shell 2: Innocence

Nachdem es vergangene Woche schon den großartigen Erstling im Rahmen des #Japanuary 2022 gab, wollte ich mir auch endlich mal wieder „Ghost in the Shell 2: Innocence“ anschauen. Die letzte Sichtung dieses Films liegt nämlich schon wieder viel zu lange zurück und auch die Erinnerung daran verblasste langsam.

Der zweite große „Ghost in the Shell“-Film erschien im Jahr 2004, also fast zehn Jahre nach dem ersten Teil, und entstand erneut unter der Regie von Mamoru Oshii. Und auch wenn man nach dem relativ ähnlichen Intro, in dem man wieder die Herstellung eines Cyborgs zu atmosphärischer Musik verfolgen kann, vermutet, dass man hier „more of the same“ bekommt, geht der Film in eine andere Richtung. Denn nachdem – ACHTUNG: SPOILER!! – Motoko Kusanagi am Ende des ersten Teils verschwindet, dreht sich der Film primär um ihren Sektion 9-Partner Batou.

Dieser wird an einen Tatort gerufen, an dem ein Cyborg mehrere Polizisten getötet hat und sich anschließend selbst in die Luft sprengt. Dabei ist dies nicht der erste Fall, in dem dieses spezifische Modell anderen Schaden zufügt und so beginnt er zusammen mit seinem neuen Partner Togusa mit den Ermittlungen. Relativ schnell wird klar, dass die Cyborgs hauptsächlich zu einem Zweck gebaut werden, sie sind Sexroboter. Doch was steckt hinter dem Verhalten der Cyborgs?

„Ghost in the Shell 2: Innocence“ verzichtet erneut auf einen riesigen aufgeblasenen Fall und bewegt sich in einem eher kleineren Rahmen. Dabei werden die Ermittlungsarbeiten von Batou und Togusa aber von einem deutlicheren Schwerpunkt auf philosophische Fragen begleitet, so gibt es eine komplette Sequenz, die sich deutlich als Mindfuck klassifizieren lässt und auch so gibt es immer wieder mal bedeutungsschwangere Dialoge auf die Ohren. Generell hat der Film eine gewisse Schwere, was mir persönlich den Zugang schon immer ziemlich…ja…schwer gemacht hat.

Auch optisch war ich mit „Innocence“ noch nie so ganz glücklich, einige CGI-Effekte wirkten schon im Jahr 2004 veraltet und sind heutzutage noch schlimmer anzuschauen. Doch durch den Einsatz von Computergrafiken bekommt der Film auch seine ganz spezielle Atmosphäre. Ein echt zweischneidiges Schwert! Freunde von klassischer Animation kommen dennoch auf ihre Kosten, die Bewegungen der Figuren sehen gut aus und die vielen Details in den Hintergründen sorgen für eine lebendige Welt. Auch die wenigen Actionszenen machen deutlich, dass Herr Oshii sein Werk versteht.
Mal wieder ein Highlight ist der Soundtrack, der erneut von Kenji Kawai beigesteuert wurde und der sich mit seiner Mischung aus Synthie-Sounds und Chören extrem am Erstling orientiert.

„Ghost in the Shell 2: Innocence“ ist sicherlich kein Meisterwerk wie es noch der erste Film aus dem Jahr 1995 war. Er ist einfach sehr sperrig und der grimmige Batou als Hauptfigur ist sicherlich auch nicht die erste Wahl für einen erfolgreichen Film. Andererseits hat man sich damit etwas getraut und nicht einfach der bewährte Erfolgsrezept stumpf wiederholt.

Ich habe den Film auf der südkoreanischen Blu-ray von Mirage Entertainment angeschaut. Diese ist regionfree und bietet neben dem japanischen O-Ton auch koreanische und englische Untertitel. Es gibt den Film zwar auch auf einer deutschen Blu-ray, doch diese hat das grauenhafte Cover, das damals von Dreamworks angefertigt wurde. Aufgrund eines speziellen Deals für die West-Veröffentlichung haben diese „Innocence“ in 2004 nämlich unter ihrer Flagge vermarktet und dabei Coverbild des Schreckens gestaltet.

#Japanuary 2022 Film 2 – Hanging Garden

Filme von Toshiaki Toyoda begleiten mich schon seit vielen Jahren und seit den Anfängen meiner Begeisterung für japanische Filme. Und auch wenn Titel wie „9 Souls“ oder „Blue Spring“ immer eine gewisse Faszination auf mich ausüben konnten, war nie der richtig große Kracher dabei.

Doch in meiner Neugierde über einige der enthaltenen Filme griff ich im vergangenen Herbst erneut zu einem Release von Third Window Films, das sich auf mehreren Discs mit Toyodas Werken aus den Jahren 2005 bis 2021 beschäftigt…zumindest mit den meisten davon.

Und da steh ich also nun mit meiner Blu-ray von „Hanging Garden“ und bin nach der Sichtung vollkommen hin und weg. Was war das denn eben? Geht man von den ersten Minuten des Films und bekannten Postern und Artworks aus, erwartet einen hier eine leichte und vielleicht auch kitschige Geschichte über die vierköpfige Familie Kobayashi, doch was sich dann in den 110 Minuten daraus entspinnt, ist der reine Wahnsinn!

Wir verfolgen dabei hauptsächlich die Geschichte der Mutter Eriko, die alles dafür in die Wege leitet, um das Familienidyll aufrechtzuerhalten. Man habe voreinander keine Geheimnisse, hießt es einmal während eines Familienessens und so teilen die Eltern auch gerne die Informationen mit ihren Kindern, wo und unter welchen Umständen diese gezeugt wurden. Doch spätestens mit dem ersten Auftreten von Erikos Mutter kommt sowas wie Unbehagen auf, irgendwas scheint nicht zu stimmen. Auch der, ach so glückliche Ehemann betrügt seine Frau munter, während die Tochter sich in einem Love Hotel für ein Schmuddelmagazin ablichten lässt. Dass es hier irgendwann mal zu einer Explosion kommen muss, dürfte also klar sein.

Mehr will ich zu „Hanging Garden“ auch gar nicht verraten. Oft fühlte ich mich an Miikes „Visitor Q“ erinnert(besprochen an dieser Stelle), nur dass dieser Film hier mit weniger Muttermilch auskommt. Dennoch wird auch hier die Situation der japanischen Familien gut dargestellt, analysiert und auseinandergenommen. Und das alles wird angereichert mit schön gefilmten Bildern, einem zauberhaften Soundtrack und einigen echt skurrilen Momenten, die wirklich überraschen können.

Wie oben schon erwähnt, ist „Hanging Garden“ Teil der neuen Toshiyaki Toyoda-Box, die im Oktober 2021 beim britischen Label Third Window Films erschienen ist. Ansonsten ist die Verfügbarkeit des Films nicht die beste. Wem es speziell nur um diesen Film geht, kann sich auch nach der japanischen DVD umschauen. Diese hat nämlich sogar englische Untertitel mit an Bord.

#Japanuary 2022 Film 1 – The Great Yokai War

Ihr wisst was los ist…im Januar ist #Japanuary-Zeit! Es gilt also mal wieder acht Filme aus dem Land der aufgehenden Sonne zu sichten und diese zu besprechen. Den Anfang macht in diesem Jahr „The Great Yokai War“ von keinem geringeren als Takashi Miike.

Anfang der 2000er hatte der japanische Film eine echte Hochphase in Deutschland, was unter anderem auch Mister Miike geschuldet war, der sich mit „Audition“, „Dead or Alive“ und „Gozu“ einen gewissen Ruf erarbeitet hatte. Seine Filme versprachen viel Gewalt, nackte Haut und Yakuza mit dicken Eiern. Umso verwirrter war für mich die damalige Ankündigung, dass er mit „The Great Yokai War“ nun einen Kinderfilm machen würde. Miike und Kids?!?! Das wollte so gar nicht zusammenpassen, aber – und so viel kann man vorab verraten – der Film ist eine echte Überraschung.

Der junge Tadashi ist mit seiner Mutter aufs Land gezogen, da diese sich von ihrem Mann getrennt hat. Nun wohnen die beiden also bei dem seltsamen Großvater, Tadashi vermisst aber sowohl seine Schwester in Tokyo und kommt außerdem in der Schule so gar nicht klar. Als er eines Tages bei einem Dorffest aber zum Kirin Rider ernannt wird und das Dorf beziehungsweise ganz Japan plötzlich von einer finsteren Schar an Dämonen bedroht wird, nimmt er all seinen Mut zusammen und stellt sich der Herausforderung. Hilfe bekommt er dabei von einigen Yokai, japanischen Geisterwesen, die dem Schurken eigentlich als Futter für seine diabolische Maschine dienen sollen.

„The Great Yokai War“ ist von Minute 1 an ein unterhaltsames Abenteuer für Jung und Alt. Auch wenn sich Miike inhaltich hier schon sehr auf die jüngere Zuschauerschaft konzentriert hat, gibt es doch so einige gruselige und brutale Momente. Und auch in sexueller Hinsicht gibt es die ein oder andere subtile Szene, zum Beispiel mit der Flussgöttin Kawahime oder Chiaki „Gogo“ Kuriyama. Miike schafft es also seine Elemente für die er berühmt und berüchtigt ist, auch in einem Kinderfilm unterzubringen. Ein echter Regie-Gott!

Ganz hervorragend sind aber auch die unterschiedlichen Yokai gelungen. Wenn man für die fantasievollen Geisterwesen nur ein bißchen was übrig hat, wird man hier seinen Spaß haben. Egal ob scheinbar nutzloser Bohnenzähler, der einbeinige Regenschirm oder der klassische Kappa…das ist schon großes Kino. Ja, der ein oder andere Effekt sieht mal nicht ganz so professionell aus und wirkt schlecht gealtert, vor allem bei CGI-Monstern, aber darüber kann man meist gut hinwegsehen.

„The Great Yokai War“ macht über seine zwei Stunden Laufzeit durchgehend Spaß und gefällt mit seinen skurrilen Einfällen und vor allem den vielen verschiedenen Yokai. Humor, Spannung, Abenteuer…fast fühlt man sich an eine japanische Variante von „The Goonies“ erinnert…nur mit Kappas und feuchten Fluss-Prinzessinen…und epischer!
Wer sich nun auf die Suche nach dem Film begeben möchte: in deutscher Sprache gibt es „The Great Yokai War“ nur auf DVD und das auch nur noch in gebrauchter Form. Ansprechend präsentiert wird der Film aber in der neuen „Yokai Monsters Collection“ von Arrow Video. Dort gibt es neben Miikes Werk auch noch die drei Filme „100 Monsters“, „Spook Warfare“ und „Along with Ghosts“ aus den späten 60er Jahren. Obendrauf beinhaltet die Box neben massig Extras auf Disc auch noch einen Yokai Guide und ein kleines Büchlein mit Infos zu den Filmen und einigen Yokai-Artikeln. Darunter unter anderem einer über Mangaka Shigeru Mizuki, der auch in „The Great Yokai War“ als einer DER Zeichner thematisiert wird, wenn es um Yokai geht.

#Japanuary 2021 Bonus – Miss Zombie

Ach ja…Filme von Sabu. Wer wie ich seine ersten Begegnungen mit dem japanischen Kino Anfang der 2000er hatte, dem war auch der Regisseur Sabu eigentlich ein Begriff. Mit „Dangan Runner“ soll er Tom Tykwer zu „Lola rennt“ inspiriert haben, spätestens mit „Monday“ wurde er aber zum Kult-Filmmacher. Dennoch zünden viele seiner Werke bei mir einfach nicht. Von Ausnahme wie „Mr. Long“ oder „Dancing Mary“ mal abgesehen.

Die Prämisse von „Miss Zombie“ fand ich mal wieder recht interessant und spannend, immerhin ist das Genre leider ja mittlerweile etwas ausgelutscht und frische Ideen sind Mangelware. In Sabus Werk geht es also um Sara, eine Hausangestellte bei einer reichen Familie, die sich hauptsächlich um die Drecksarbeit kümmern muss. So verbringt sie ihre Arbeitstage damit den Boden zu schrubben und das in einer sehr unangenehmen Position, die schon beim Zusehen einen Bandscheibenvorfall hervorruft. Doch Sara ist das egal, denn sie ist ein Zombie und fühlt anscheinend nichts.

So fristet sie ihr Dasein als billige Hilfskraft, die dann auch noch von anderen Angestellten der Familie missbraucht und von Anwohnern als störend empfunden wird. Sie ist also wirklich der Bodensatz der Gesellschaft. Doch dann kommt es zu einem Zwischenfall mit dem Sohn der Familie, der alles auf den Kopf stellt und die Verhältnisse komplett verschiebt…

„Miss Zombie“ hat also definitiv eine Aussage und übt deutlich Kritik an der Gesellschaft, bewegt sich hier also im Fahrwasser eines „Dawn of the Dead“ & Co. Doch leider funktioniert der Film für mich über die kompletten 85 Minuten nicht so recht. Einige Einstellungen sind viel zu lang und manche Ereignisse wirken belanglos und unwichtig für den Film. Als Kurzfilm wäre das hier sicherlich eine andere Hausnummer gewesen. Immerhin ist Sabus Werk von 2013 in schönen Schwarz-Weiß-Bildern gefilmt und begeistert mit einigen tollen Lichteffekten. Auch die Performance der Hauptdarstellerin Ayaka Komatsu hat mir gut gefallen, konnte allerdings nicht über die Langwierigkeit des Films hinwegtäuschen.

In Deutschland ist der Film über Wicked-Vision in einem tollen Set erschienen. Neben Blu-ray und DVD bekommt der Käufer hier nämlich noch ein informatives Booklet zum Film spendiert. Außerdem liegt der Film sogar in deutscher Synchro vor, die recht gut geworden ist.

5/10 Punkte

#Japanuary 2021 Film 8 – Die Frauen des Shogun

Das Schmuddelfilmchen hat in Japan eine lange Tradition, gerade in den 1970er Jahren war mit dem Pinku Eiga-Kino viel nackte Haut in den Lichtspielhäusern des Landes zu sehen. Daraus entstanden viele spannende Nischen wie die Roman Porno-Werke oder – mein liebstes Genre – die Pinky Violence-Filme wie „Sex & Fury“, die „Sasori“-Reihe oder „Zero Woman“. Japanuary-Film Nummer 8 passt da ganz gut in diese Kategorie, denn bei „Die Frauen des Shogun“ oder „The General and his Empire of Joy“ gibt es auch einiges an nackter Haut zu sehen und Sex beziehungsweise die fleischlichen Gelüste sind hier der Ursprung allen Übels.

Denn nachdem sich der Samurai Ryuken in die liebreizende Okoyo verliebt hat, wird das junge Glück jäh unterbrochen und die Jungfrau soll in den Harem des Shogun aufgenommen werden. Daher sucht Ryuken einen Weg in den Palast, um seiner Liebsten nahe zu sein und sie im Idealfall für sich zurückgewinnen zu können. Doch natürlich ist das alles nicht so einfach wie es sich der Samurai vorstellt…

Leider wird einem das Ende von „Die Frauen des Shogun“ fast überall im Netz gespoilert, denn seltsamerweise findet sich auf den bisherigen deutschen Veröffentlichungen als Zusammenfassung eigentlich nur das Ende des Films. Das ist etwas schade und nimmt einem die Überraschung, daher sollte man da vorsichtig sein. Der Film von Ikuo Sekimoto erschien im vergangenen Herbst auf DVD beim Verleih Schröder Media, die in letzter Zeit immer wieder mal Werke aus Japan im Programm aufnehmen und hoffentlich auch weiterhin herausbringen werden.

Mir hat der Film im Grunde ganz gut gefallen, auch wenn er einige sehr absurde Ideen enthält. Wer zum Teufel treibt mit einer Schlange sein Kind ab? Die Inszenierung ist aber sehr hochwertig, egal ob Kostüme oder Szenerien. Das sieht schon echt gut aus! Hier gefiel mir auch die Musik sehr gut, denn neben klassischen, japanischen Klängen gibt es auch immer wieder mal psychedelische 70er Jahre-Musik zu hören. Klasse!

Wie schon erwähnt, zu haben ist der Film in Deutschland auf DVD. Leider gibt es rund um den Film ein bißchen Schnitt-Chaos, denn eigentlich gibt es keine offizielle ungeschnittene Version. So gibt es in der japanischen Fassung fehlende Szenen, die in der deutschen enthalten sind und umgekehrt. Immerhin gibt es eine Version auf der Disc, die einigermaßen uncut sein soll und in die Szenen aus der japanischen Fassung integriert wurden. Ein Durcheinander! Generell kann man die Veröffentlichung aber uneingeschränkt empfehlen.

6/10

#Japanuary 2021 Film 7 – Eros + Massacre

Im Zuge eines Sales bei Arrow Video habe ich vor einiger Zeit mal bei den ganzen Boxen zuschlagen, die die Damen und Herren von japanischen Filmemachern im Angebot haben. Da war unter anderem auch Kiju Yoshidas Love + Anarchism-Set dabei, das neben dem besprochenen „Eros + Massacre“ in Kinofassung und Director’s Cut auch die Filme „Coup D’Etat“ und „Heroic Purgatory“ enthält. Plus ein kleines Büchlein über den Regisseur, den man auch unter dem Namen Yoshishige Yoshida kennt.

Zum Japanuary wollte ich gleich mal mit dem richtigen Laufzeit-Hammer anfangen, dem dreieinhalbstündigen Director’s Cut von „Eros + Massacre“, in dem es um den japanischen Sozialisten und Anarchisten Sakae Osugi geht. Vordergründig geht es hier aber nicht um sein Leben, der Film dreht sich eher um ihn und drei seiner Frauen. Ein echter Schwerenöter also! Schließlich war auch das Konzept der freien Liebe einer seiner Schwerpunkte. Diese Sequenzen werden immer wieder von Geschehnissen aus der – damaligen – Gegenwart von 1969 unterbrochen, in denen zwei Studenten Osugis Lehren analysieren.

Klingt in der Theorie also ganz interessant, leider fühlte sich der Film mindestens doppelt so lang an. Außerdem bekam ich zu keiner Minute eine Zugriff darauf und war auch von den Sprüngen zwischen dem Japan Anfang des 20.Jahrhunderts und den Sequenzen aus den 60ern genervt. Da wurde es gerade mal interessant, da gab es auch schon wieder einen Cut in eine andere Zeit. Vielleicht war das Setting für den Film auch einfach nicht gut, eventuell geb ich ihm nochmal irgendwann eine Chance. Dann aber erst mal in der in der „kurzen“ Fassung, die ne Stunde kürzer ist.

5/10

#Japanuary 2021 Film 6 – Gamera(1965)

Auch wenn ich schon lange ein großer Fan der japanischen Pop-Kultur bin, waren mir Kajiu-Filme nie besonders wichtig. Mitte der 90er war ich ein viel zu cooles Kid, um Godzilla gut zu finden, mit dem US-Versuch von Emmerich bin ich aber auch nicht warm geworden. Erst in den letzten zehn Jahren hat sich die Faszination großer Monster, die ganze Städte in Schutt und Asche legen gefestigt und mittlerweile sind mir vor allem die Godzilla-Sachen so wichtig, dass ich über ein entsprechendes Tattoo nachdenke.

Aber zurück zum Japanuary und dem sechsten von acht Filmen: „Gamera“ von 1965. Nachdem Arrow Video im Sommer letzten Jahres eine tolle Box mit allen zwölf Filmen auf Blu-ray plus fettem Buch und den Comics veröffentlicht hatte, ich bisher aber noch keine Chance sah, da mal reinzuschauen, sollte der Japanuary nun Anlass für die Sichtung des ersten Teils sein.

Das von Daiei Film ins Rennen geworfene Schildkröten-Monster folgt im ersten Teil dem üblichen Kaiju-Klischee. Durch einen militärischen Zwischenfall in der Arktis wird Gamera erweckt und treibt von da an sein Unwesen. Natürlich gibt es aber wieder einen schlauen Kopf, der weiß, wie man das Monster stoppen kann. Mehr kann man von „Gamera“ nicht erwarten, aber das habe ich auch gar nicht. Bekommen hab ich dafür aber einen unterhaltsamen Film mit einer riesigen Schildkröte, die sogar fliegen kann und zugegebenermaßen noch etwas arg billig aussieht. Aber hey, es war 1965 und die Produktion des Films stand wohl unter keinem guten Stern.

Ich hab jetzt definitiv Lust auf die anderen elf Filme der Box bekommen und freue mich vor allem auf die neueren Filme, die teilweise ja sehr gelobt werden. Wie schon erwähnt, die Box aus Großbritannien von Arrow Video ist ein echtes Monster und ein Fest für jeden Kaiju-Fan. Mittlerweile gibt es diese aber kaum noch für einen guten Preis, immerhin hat das britische Kult-Label zwei kleinere Boxen mit je den Filmen aus der Showa- sowie der Heisei-Ära herausgebracht. In Deutschland gibt es auch einige VÖs dieses Films, aber lediglich auf DVD.

7/10

#Japanuary 2021 Film 5 – Haze

Ich liebe die Filme von Shinya Tsukamoto und mit „Haze“ habe ich sie nun endlich alle gesehen. Der japanische Regisseur wird immer wieder als Meister des Body Horror bezeichnet, aber letztlich sind seine Filme so viel mehr und gehen meist sehr an die Substanz. So auch „Haze“….heieieiei…was war das für ein Ritt?!?

Der Film geht lediglich 48 Minuten und dreht sich um einen Mann, der sich plötzlich in einem dunklen Verlies wiederfindet, dessen Wände aber nur wenige Zentimeter von ihm entfernt sind. Er trägt lediglich Unterwäsche, hat eine Verletzung am Bauch und weiß nicht so recht wie er eigentlich in diese missliche Lage gekommen ist. So kriecht er nun hin und her und wird dabei immer wieder von fiesen Fallen überrascht. Wird er einen Ausweg finden? Und warum befindet er sich in diesem seltsamen Gebilde aus Beton?

„Haze“ ist, wie schon beschrieben, ein unangenehmer Film. Vor allem wenn man sich zu sehr in die Lage des Protagonisten versetzt und die Enge der Betongänge zu sehr an sich heranlässt. Auch für Freunde von Zahn-Horror ist der Film etwas, denn in einer Situation findet sich unsere Hauptfigur mit den Zähnen an einem Eisenrohr hängend wieder. Fürchterliche Szenen….brrrrr! Aber letztlich schafft es Tsukamoto, dass man trotzdem fasziniert am Bildschirm klebt und sich fragt wie er die Klaustrophobie so hervorragend in Bilder umsetzen konnte. Das sieht leider aufgrund der verwendeten Digitalkamera häufig etwas billig aus, aber stört eigentlich nur in den Ruhepausen, in denen man nicht mit dem Protagonisten mitleidet…und das sind nur wenige.

„Haze“ gibt es als deutsche DVD von Rapid Eye Movies, empfehlen würde ich aber vor allem das Tsukamoto-Set aus England von Third Window Films. Dieses beinhaltet nämlich noch seinen neuesten Film „Killing“ und den Kurzfilm „The Adventure of Denzu-Kocho“. Generell solltet ihr alle Tsukamoto-Werke mal anschauen…am besten sofort! Ah, fast hätte ich vergessen wie toll mal wieder die Akustik des Films geraten ist. Und wie phänomenal der Soundtrack von Tsukamotos Haus- und Hofkomponisten Chu Ishikawa ist…leider ist dieser aber mittlerweile verstorben und wird wohl so schnell keine Tracks mehr für seine Filme komponieren.

7/10 Punkte

#Japanuary 2021 Film 3 – Wicked City

Wenn man wie ich in den Anfangstagen von Anime und Manga in Europa aufgewachsen ist, gehörte es zum guten Ton sämtliche Veröffentlichungen von Manga Video UK auf VHS zu kaufen. So kam man nicht nur in den Genuss von Meisterwerken wie „Ghost in the Shell“ oder „Fist of the North Star“, hin und wieder bekam man auch Material in die Finger, was eigentlich nicht unbedingt altersgerecht war. Denn in den 80ern und frühen 90ern gab es auch unzählige Vertreter des hochwertigen Erwachsenenfilms auf Kassette, so unter anderem „Urotsukidoji“ oder „Adventure Kid“.

Diese Filme und Serien stachen vor allem mit ihrem hohen Anteil an nackter Haut gepaart mit deftigen Horror-Einlagen aus der Masse heraus und waren somit besonders interessant. Einer dieser Vertreter war auch „Wicked City“, der schon mit seinem geheimnisvollen Cover zum Kauf animierte. Die Geschichte rund um die Welten der Menschen und der Dämonen, die regelmäßig ihren Friedensvertrag erneuern, wirkt auf dem ersten Blick unspektakulär, gefällt aber vor allem mit seiner Inszenierung. Denn dank des starken Einsatzes von Schatten und dazu dem starken Kontrast mit Blau- und Rottönen, wirkt der Anime nochmal ganz anders als vergleichbare Werke von damals.

Die beiden Protagonisten Taki und Makie müssen in „Wicked City“ den Vermittler bei den Friedensverhandlungen, Giuseppe Mayart, beschützen, der den beiden das Leben aber alles andere als einfach macht. Denn der 200 Jahre alte Herr hat eigentlich nur eines im Sinn: den Besuch möglichst vieler Soaplands und die Bekanntschaft mit leichten Damen machen. Dass das natürlich seine Sicherheit gefährdet und die beiden Black Guards Taki und Makie vor keine leichte Aufgabe stellt, ist somit klar. Was folgt ist eine wilde Mixtur aus ein bißchen Sex, viel Blut, abgetrennten Körperteilen und einigen spannenden Twists.

„Wicked City“ wurde von keinem geringeren als Yoshiaki Kawajiri inszeniert, der bei uns mittlerweile vor allem durch „Ninja Scroll“ bekannt sein dürfte. Der Horror-Anime entstand im Jahr 1987, ist aber für sein Alter auch heute noch erstaunlich gut anzusehen, vor allem das Artdesign, die Charaktere und Dämonen wissen zu gefallen. Selbiges kann man auch über die Musik sagen, vermutlich schwingt hier aber auch ein bißchen Nostalgie aus der Zeit mit, in der man stundenlang vor dem heimischen TV hing und eine Anime-VHS nach der anderen in den Player gesteckt hat.

„Wicked City“ habe ich in Form der Blu-ray aus England gesehen, die jüngst bei Manga Video erschienen ist. Ich habe mir dabei das Set mit dem anderen Kawajiri-Werk „Demon City Shinjuku“ gegönnt, das in einem stabilen Schuber steckt und unter anderem noch ein dickes Booklet und Postkarten zu den Filmen enthält. Ein lohnenswertes Set!

Ach ja, von „Wicked City“ gab es Anfang der 90er auch einen Realfilm aus Hong Kong. Dieser stammt von Peter Mak und soll auch sehr sehenswert sein. Ich werde bei Zeiten berichten…

8/10 Punkte

#Japanuary 2021 Bonus – Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln

Was ist denn hier los? Ein Film eines US-Amerikaners im Japanuary? Da ich „Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“ auch aktuell gesehen habe und der ja thematisch wie die Faust aufs Auge passt, war ich mal so frei auch hier eine kurze Besprechung im Rahmen des Japanuary zu schreiben.

In Paul Schraders Werk bekommen wir nämlich Auszüge aus der Biografie des gleichnamigen Autors Yukio Mishima präsentiert, die immer wieder von kurzen, kunstvoll inszenierten Abschnitten aus Mishimas Werken unterbrochen werden. So verfolgen wir Mishimas Kindheit bis zu seinem Aufstieg als berühmter Autor, die Sequenzen der Werke stammen beispielsweise aus seinem Roman „Der Tempelbrand“ und „Unter dem Sturmgott“. Dabei behandelt der Film auch Mishimas Hang zum Körperkult, seine versteckte Homosexualität und vor allem natürlich seine offene, rechte Gesinnung, die sogar zu einer Gründung einer privaten Armee führte.

Paul Schraders „Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“ ist wahnsinnig toll inszeniert, teilweise erinnern die Sequenzen aus den Romanvorlagen mit ihren starken Farben und den vielen künstlichen, teils stilisierten Hintergründen wie Filme von Nobuhiko Obayashi. Außerdem ist der Film trotz seiner Laufzeit von knapp über zwei Stunden sehr kurzweilig und zu keiner Minuten langweilig.

Der Film erschien jüngst in Deutschland beim einstigen Kultlabel für asiatische Filme, Rapid Eye Movies, aber leider in einer sehr dürftigen Version. Während Ton(Achtung: nur japanischer O-Ton mit deutschen Untertiteln vorhanden) und Bild für eine Blu-ray in Ordnung gehen, muss man sich über die Ausstattung der Disc schon wundern. Das Menü besteht aus zwei Punkten und lässt einem die Wahl aus dem Filmstart und einem Trailer. Keine Extras, nicht mal Trailer zu anderen Filmen von REM. Trauriger Höhepunkt ist aber das Verwenden einer gebrannten und keiner gepressten Blu-ray. Hoffentlich wirkt sich das nicht auf die Haltbarkeit der Disc aus…

8/10 Punkte