#Japanuary Film 3 – Cold Fish

Der Tropenfischverkäufer Shamoto lebt mit seiner Tochter und der neuen Frau in einem nicht gerade harmonischen Haushalt. Vor allem die Tochter, Mitsuko, hat so ihre Probleme mit der sehr jungen Stiefmutter und den bescheidenen Lebensumständen, und macht ihrem Unmut darüber regelmäßig Luft.
Als sie beim Ladendiebstahl erwischt wird, ist es Murata, der ihr und der Familie aus der Patsche hilft. Dieser betreibt auch ein Geschäft für Tropenfische, allerdings in einem ganz anderen Rahmen als Shamoto. Neben einem riesigen Geschäft mit zahlreichen Fischarten hat dieser nämlich noch allerlei, vorwiegend weibliche und sehr junge Angestellte, die ihn vergöttern. Da Murata in Mitsuko eine ähnlich verlorene Seele wie in seinen anderen Angestellten sieht, bietet er ihr einen Job an, den sie wohlwollend annimmt. Denn so kann die dem tristen Haushalt entfliehen und steht endlich auf eigenen Beinen.
Dass dies eine gewisse Verpflichtung für Shamoto und seine Frau Taeko gegenüber Murata mit sich bringt, ist natürlich selbstverständlich. Und gerade Shamoto wird von Murata plötzlich ziemlich in Beschlag genommen und in einige nicht gerade legale Angelegenheiten mit reingezogen. Als diese in einem Mord enden, verändert das für Shamoto alles.

Was wäre ein Japanuary ohne einen Film von Shion Sono? Genau, nichts! Diesmal war also „Cold Fish“ mal wieder an der Reihe, der im Jahr 2010 entstand und der vermutlich mein zweiter, bewusster Film von Sono war. Und damals hat mich der Thriller von der Couch gehauen, so beeindruckt war ich nach den zweieinhalb Stunden. Das war wirklich ein aufregender Ritt!
Bei der jetzigen Zweitsichtung fehlt dieser Effekt zwar etwas, dennoch sind vor allem die letzten vierzig bis fünfundvierzig Minuten grandios und lassen einem kaum Zeit zum Verschnaufen. Hinzu kommen ein paar grandiose schauspielerische Leistungen, vor allem Denden als Murata ist widerlich und ein Unsympath durch und durch. Mit Megumi Kagurazaka ist außerdem Shion Sonos Ehefrau und Darstellerin von u.a. „The Whispering Star“ und „Guilty of Romance“ mit an Bord.
„Cold Fish“ gehört zweifelsfrei zu meinen persönlichen Top 5 der Shion Sono-Filme und ist für jeden Fan von packenden Thrillern empfehlenswert.

 

8,5/10 tropischen Fischen

 

 

„Cold Fish“ gibt es in Deutschland auf DVD von Rapideyemovies, ist in UK allerdings auch auf Blu-ray erschienen. Ich habe den Film in dieser HD-Veröffentlichung von Third Window Films gesehen, die auch noch eine zweite Disc mit allerlei Extras beinhaltet. Auf dieser finden sich einige Interviews, u.a. auch zu den realen Vorfällen auf denen „Cold Fish“ basiert.

#Japanuary 2019 Film 1 – Dangan Runner

Yasuda ist nicht gerade ein Glückspilz. Von der Freundin verlassen, im Job gefeuert…das Leben läuft nicht gerade gut für ihn. Da er der Meinung ist, dass viel Geld alles wieder gut macht, plant er eine Bank zu überfallen und besorgt sich dafür sogar eine Pistole.
Doch kurz vor dem Überfall merkt er, dass er keinerlei Mundschutz trägt und somit von den Überwachungskameras und Angestellten prima identifiziert werden könnte. Also noch schnell in den nächsten Konbini und einen gekauft? Denkste! Denn der Laden hat weder einen passenden Mundschutz in seiner Größe noch hat Yasuda an seinen Geldbeutel gedacht. Als er dann beim Ladendiebstahl erwischt wird und den Angestellten anschießt, entbrennt ein Wettlauf durch Tokyo, der am Ende sogar die japanische Unterwelt und die Polizei auf den Plan ruft.

 

Der japanische Regisseur SABU konnte mich mit seinen Filmen bisher nur selten überzeugen. Auch wenn er im Westen einen recht guten Ruf hat, haben mich weder „Blessing Bell“ noch „Monday“ wirklich mitreißen können. Einzig und allein „Mr. Long“ konnte mich bisher über seine volle Laufzeit begeistern und machte wirklich Spaß.
Wie verhält es sich nun also mit seinem Erstling „Dangan Runner“? Wie auch schon bei „Monday“ muss ich sagen, dass der Film ein paar herrliche Sequenzen hat und vor allem in seinen schwarzhumorigen Momenten wirklich glänzen kann. Positiv zu erwähnen ist hier vor allem die Schlusssequenz oder der Monolog des waffengeilen Polizisten. Auf der anderen Seite konnte mich der „japanische Lola rennt“ nicht so ganz überzeugen. Trotz der knackigen Laufzeit und der eigentlich recht flotten Inszenierung, hatte der Film definitiv seine Längen. Und auch wenn man die Aussage hinter „Dangan Runner“ betrachtet – alle drei Hauptprotagonisten laufen vor ihrem Leben davon – fehlte mir hier das Aha-Erlebnis.
So ist der erste Film des Japanuary 2019 leider nur ein mittelmäßiges Werk, das zwar in einigen Szenen Spaß macht, aber vom Gesamteindruck her eher enttäuscht. Ob ich je nochmal mit SABUs Filmen warm werde, ist unklar.

 

6/10

 

„Dangan Runner“ ist in Deutschland bisher leider nur auf DVD erhältlich, allerdings hat das britische Label Third Window Films SABUs Erstling vor kurzem ein recht schönes Release spendiert. Das Set aus DVD und Blu-ray kommt nämlich mit einem wirklich schönen Schuber daher und hat auch einige interessante Extras an Bord. So unter anderem zum Beispiel einen Audiokommentar von Jasper Sharp. Da die Discs anscheinend zusammen mit dem deutschen Label Rapid Eye Movies produziert wurden, verfügen sie über deutsche Menütexte und Untertitel.

 

#Japanuary 2018 Film 8 – Love Exposure

Eigentlich hat Yu ein recht beschauliches Leben. Zusammen mit seinem Vater und seiner Mutter lebt er glücklich in einer kleinen Wohnung und durch die fromm-christliche Lebenseinstellung der Eltern ist aus ihm ein anständiger Junge geworden. Doch nach dem plötzlichen Tod der Mutter und nachdem sein Vater sich zum Priester hat weihen lassen, bringt die wilde Kaori nicht die erhoffte Ruhe in die Familie, sondern drängt den Vater dazu seinen Job aufzugeben. Schließlich verlässt sie ihn für einen jüngeren Mann und der Vater beginnt zu einem freudlosen und strengen Priester zu werden, der von Yu eine tägliche Beichte seiner Sünden fordert.

Aufgrund seiner Erziehung ist Yu aber ein so guter Mensch, dass er nicht einmal eine Ameise zertreten kann, also erfindet er jeden Tag aufs Neue Sünden, die er dem Vater beichten kann. Als dieser an seiner Glaubwürdigkeit zweifelt, will Yu zum Sünder Nr.1 aufsteigen und beginnt so eine Ausbildung beim Meister des „Unter-den-Rock“-Fotografierens. Dabei stellt er sich so gut an, dass sogar seine drei Freunde bei ihm in die Lehre gehen und künftig die Straßen unsicher machen. Bei einer der Jagden auf den perfekten Pantyshot, trifft er auf Yoko, in die er sich unsterblich verliebt und die seine „Maria“ sein könnte. Einziges Problem: aufgrund einer Wette war er in diesem Moment als Sasori verkleidet. Nun heißt es also, das Herz der Dame zu erobern und ihr irgendwie klarzumachen, dass er kein Mädchen ist. Als sich dann auch noch eine Sekte in das Leben der Familie mischt und die alte Flamme des Vaters wieder auftaucht, ist das Chaos perfekt.

 

Schon anhand der Beschreibung dürfte euch Leserinnen und Lesern klar sein, dass „Love Exposure“ kein gewöhnlicher Film ist. Die wahnsinnigen Ideen für das knapp vierstündige Werk entsprangen Meister-Regisseur Sion Sono aus seinen Gehirnwindungen, welche er grandios umsetzte. Denn auch wenn die Story zu Beginn noch recht albern wirkt, ist der Film ab der zweiten Hälfte eine dramtische Geschichte voller Enttäuschungen und Tränen und dem ein oder anderen Liter Blut. Das mag für manche Zuschauer sicherlich nicht funktionieren, für mich ist „Love Exposure“ einer der besten Filme des japanischen Kinos. Hier stimmt einfach alles, angefangen bei der Auswahl der Darsteller(u.a. Sakura Ando <3) über die musikalische Untermalung(klassische Stücke wie das „Hohelied der Liebe“ wechseln sich mit dem rockigen Soundtrack ab) bis hin zu der Kurzweiligkeit, die der Film trotz seiner 237 Minuten versprüht. Mit diesem Film begann außerdem meine Leidenschaft für Sonos Werke, die immer wieder Neues entdecken lassen und sicherlich zum Spannendsten gehören, was der Film aktuell zu bieten hat. Wenn man sich auf einige verrückte Ideen einlassen kann…

 

10/10

 

„Love Exposure“ gibt es in Deutschland sowohl als DVD als auch Blu-ray von Rapid Eye Movies. Gesehen habe ich den Film auf der Blu-ray des britischen Labels Third Window Films, welche neben der Filmdisc auch noch eine DVD mit den Extras beinhaltet.  In Japan gibt es mittlerweile eine Blu-ray mit der eigentlich vorgesehene Fassung des Films, die als TV-Serie konzipiert war. Diese Version ist in 30-minütige Epsioden aufgeteilt und läuft ca. 275 Minuten. Über ein Release dieser Fassung im Westen ist leider nichts bekannt.

 

#Japanuary 2018 Film 5 – Destruction Babies

Als sein älterer Bruder Taira plötzlich verschwindet, macht sich Shota auf die Suche nach ihm. Schließlich ist er seit dem Tod des Vaters vor vielen Jahren die einzige Person aus seiner Familie, die er noch hat. Als sich dann plötzlich die Nachrichten über einen jungen Erwachsenen verbreiten, der in der Innenstadt wahllos auf Menschen losgeht und diese verprügelt, befürchtet Shota das Schlimmste.

„Destruction Babies“ ist sicherlich kein angenehmer Film. Und auch wenn ich nicht viele Probleme mit extremen Filmen habe, dieser hat mir das Leben schwer gemacht. So habe ich zwei Anläufe gebraucht, den Film komplett zu schauen, da er mir bereits nach 45 Minuten so auf den Magen und das Gemüt geschlagen hatte. Diese wahllose Gewaltausübung und die extremen Ausbrüche von Taira und seinem späteren Komplizen sind so unangenehm anzuschauen, wie ich es selten erlebt habe. Nicht umsonst wird der Film mit „Die 108 extremsten Minuten in der Geschichte des japanischen Films“ beworben. Unglaublich!
Und da sind wir auch schon bei meinem Dilemma mit dem Film: was bewertet man nun? Versucht man es auf die handwerkliche Schiene oder die emotionale? Schließlich will der Film beim Zuschauer diese Gefühle erzeugen, die ich beim Sehen hatte, auf der anderen Seite macht dies noch keinen guten Film aus. Ich tu mir richtig schwer mit „Destruction Babies“. Auf der einen Seite würde ich ihn gerne wieder aus meiner Filmsammlung entfernen, aber wie gesagt, seine Wirkung hat der Film voll und ganz entfaltet. Sicherlich ein besonderer Film für eine besondere Stimmung und weniger für den locker-flockigen Filmabend mit Chips und Malzbier.

6/10

„Destruction Babies“ erschien beim britischen Vorzeigelabel Third Window Films auf Blu-ray und DVD und beinhaltet fast eine Stunde an Extras wie ein Making-of und Material von der Premiere. Bild und Ton sind für solch eine Produktion recht gut.

 

Filmlogbuch Nr.56- Makeup Room

Tsuzukis Job ist es das Makeup für Pornodarstellerinnen zu machen. Und nun begleiten wir sie zum Dreh der neuesten Produktion. Und die ist ein bißchen chaotisch. Die Hauptdarstellerin muss eventuell ihre Karriere wegen ihres eifersüchtigen Freundes beenden, die Makeup- Assisstentin kommt nicht und dann gibt es auch noch die Debütantin, die arg verklemmt ist und bei jeder Gelegenheit anfängt zu heulen.

„Makeup Room“ ist eine Lowbudget-Mockumentary über die japanische Pornoindustrie. Wer sich hier aber einige harte(sorry!) Fakten erhofft oder gar Kritik an der Branche, der ist hier definitv falsch. Denn geboten wird hier eine leichte Komödie, die einfach unterhalten will.
Die Schauspieler machen ihre Sache allesamt sehr gut. Als einziges Szenario dient das Hinterzimmer, das eben für Makeup und als Backstage genutzt wird. Explizite Bilder sucht man deswegen auch vergebens.

7/10

Trailer

Der Film ist bisher in England bei Thrid Window Films auf DVD erschienen. An Boni gibt es vor allem Interviews mit Regisseur und Darstellerinnen.

Filmlogbuch Nr.44- See You Tomorrow, Everyone

Japan, Anfang der 1980er: Satoru lebt zusammen mit seiner Mutter in einem riesigen Wohnkomplex, der seinen Bewohnern im Grunde alles direkt vor der Haustür bietet.
Eine Schule, einen Kindergarten und natürlich diverse Shoppingmöglichkeiten.
Und natürlich hat Satoru auch den Großteil seiner Freunde in der Siedlung.
Doch im Gegensatz zu diesen hat er nicht das Bedürfnis erwachsen zu werden und auszuziehen um die Welt zu sehen.
So verbringt er eins um andere Jahr in seiner gewohnten Umgebung und verliert nach und nach alle seine Freunde.

„See You Tomorrow, Everyone“ ist irgendwas zwischen Drama, Coming- Of- Age und Komödie. Die Regie führte Yoshihiro Nakamura, der ua auch den großartigen „Fish Story“ drehte.
Die Geschichte um den etwas einfältigen, aber liebenswerten Satoru ist recht unterhaltsam, aber etwas zu lang.
Natürlich überbrückt der Film eine lange Zeitspanne und die Storyelemente machen am Ende alle auch Sinn, aber trotzdem hätte man das alles etwas straffer erzählen können.

7/10 Punkte

Trailer

Von „See You Tomorrow, Everyone“ hab ich die britische DVD von Third Window Films gesehen. An Extras gibt es ein knapp neunminütiges Interview und eine Einführung in den Film vom Regisseur.

Filmlogbuch Nr.39- A Snake Of June

Rinko lebt in einer sehr lieblosen und langweiligen Partnerschaft. Als sie sich eines Tages selbst befriedigt, mach jemand heimlich Fotos von ihr. Diese nutzt der Unbekannte um sie fortan zu erpressen. Sie soll ihre geheimen, sexuellen Wünsche endlich ausleben. Wenn es eben sein muss, mit etwas Druck von außen.

„A Snake Of June“ war damals eine meiner ersten Begegnungen mit Shinya Tsuakmoto, der sich das Podest meiner persönlichen, japanischen Libelingsregisseure mit Takashi Miike und Sion Sono teilen muss. IM westen gilt er auch als der Vorzeige- Filmemacher, wenn es um Bodyhorror geht(va durch die „Tetsuo“- Reihe).
Er weiß es bizarre Geschichten mit noch bizarreren Bildern zu erzählen und einige seiner Filme sind irgendwo zwischen Kunst und tiefstem Abgrund anzusiedeln. Dabei erzeugen die meisten seiner Werke aber einen außergewöhnlichen Sog, der einen immer tiefer in die Filme hineinzieht.
So ist auch dieser Erotikthriller ein sehr ungewöhnlicher. Das fängt schon bei der Optik an, die alles in Blautönen und die Szenen meist aus der Perspektive eines Voyeurs wiedergibt. Aber auch die Geschichte bietet eher ungewöhnliche Kost. So ist es ja bekannt, dass in japanischen Schlafzimmern nicht sehr viel geboten wird und das zeigt Tsukamoto hier auf drastische Weise. Vermixt das alles aber eben mit seiner Vorliebe für Bodyhorror und kafka’esken Szenerien.
8/10 Punkte

Trailer

„A Snake Of June“ erschien vor einigen Jahren bei Rapid Eye Movies auf DVD. Vor wenigen Wochen aber veröffentlichte das britische Label „Third Window Films“ die erste Blu-ray des Film…und das weltweit! Shinya Tsukamoto arbeitete höchstpersönlich am Mastering des Films mit und stand auch für ein exklusives Interview zur Verfügung.
Hierzu hat die Disc noch ein Making of und einen Audiokommentar von Tom Mes mit an Bord.
Für Sammler interessant: die Erstauflage von 1000 Stück kommt mit einem wunderschönen Schuber, der das Titelmotiv(das so und so schon hervorsticht) nochmal besonders edel wirken lässt.

Das war übrigens mein 100. Beitrag auf diesem Blog und welcher Film könnte besser geeignet sein!?!