#Japanuary 2018 Film 8 – Love Exposure

Eigentlich hat Yu ein recht beschauliches Leben. Zusammen mit seinem Vater und seiner Mutter lebt er glücklich in einer kleinen Wohnung und durch die fromm-christliche Lebenseinstellung der Eltern ist aus ihm ein anständiger Junge geworden. Doch nach dem plötzlichen Tod der Mutter und nachdem sein Vater sich zum Priester hat weihen lassen, bringt die wilde Kaori nicht die erhoffte Ruhe in die Familie, sondern drängt den Vater dazu seinen Job aufzugeben. Schließlich verlässt sie ihn für einen jüngeren Mann und der Vater beginnt zu einem freudlosen und strengen Priester zu werden, der von Yu eine tägliche Beichte seiner Sünden fordert.

Aufgrund seiner Erziehung ist Yu aber ein so guter Mensch, dass er nicht einmal eine Ameise zertreten kann, also erfindet er jeden Tag aufs Neue Sünden, die er dem Vater beichten kann. Als dieser an seiner Glaubwürdigkeit zweifelt, will Yu zum Sünder Nr.1 aufsteigen und beginnt so eine Ausbildung beim Meister des „Unter-den-Rock“-Fotografierens. Dabei stellt er sich so gut an, dass sogar seine drei Freunde bei ihm in die Lehre gehen und künftig die Straßen unsicher machen. Bei einer der Jagden auf den perfekten Pantyshot, trifft er auf Yoko, in die er sich unsterblich verliebt und die seine „Maria“ sein könnte. Einziges Problem: aufgrund einer Wette war er in diesem Moment als Sasori verkleidet. Nun heißt es also, das Herz der Dame zu erobern und ihr irgendwie klarzumachen, dass er kein Mädchen ist. Als sich dann auch noch eine Sekte in das Leben der Familie mischt und die alte Flamme des Vaters wieder auftaucht, ist das Chaos perfekt.

 

Schon anhand der Beschreibung dürfte euch Leserinnen und Lesern klar sein, dass „Love Exposure“ kein gewöhnlicher Film ist. Die wahnsinnigen Ideen für das knapp vierstündige Werk entsprangen Meister-Regisseur Sion Sono aus seinen Gehirnwindungen, welche er grandios umsetzte. Denn auch wenn die Story zu Beginn noch recht albern wirkt, ist der Film ab der zweiten Hälfte eine dramtische Geschichte voller Enttäuschungen und Tränen und dem ein oder anderen Liter Blut. Das mag für manche Zuschauer sicherlich nicht funktionieren, für mich ist „Love Exposure“ einer der besten Filme des japanischen Kinos. Hier stimmt einfach alles, angefangen bei der Auswahl der Darsteller(u.a. Sakura Ando <3) über die musikalische Untermalung(klassische Stücke wie das „Hohelied der Liebe“ wechseln sich mit dem rockigen Soundtrack ab) bis hin zu der Kurzweiligkeit, die der Film trotz seiner 237 Minuten versprüht. Mit diesem Film begann außerdem meine Leidenschaft für Sonos Werke, die immer wieder Neues entdecken lassen und sicherlich zum Spannendsten gehören, was der Film aktuell zu bieten hat. Wenn man sich auf einige verrückte Ideen einlassen kann…

 

10/10

 

„Love Exposure“ gibt es in Deutschland sowohl als DVD als auch Blu-ray von Rapid Eye Movies. Gesehen habe ich den Film auf der Blu-ray des britischen Labels Third Window Films, welche neben der Filmdisc auch noch eine DVD mit den Extras beinhaltet.  In Japan gibt es mittlerweile eine Blu-ray mit der eigentlich vorgesehene Fassung des Films, die als TV-Serie konzipiert war. Diese Version ist in 30-minütige Epsioden aufgeteilt und läuft ca. 275 Minuten. Über ein Release dieser Fassung im Westen ist leider nichts bekannt.

 

Filmlogbuch Nr.102- Yakuza Apocalypse

Yakuzaboss Kamiura hat ein Geheimnis. Denn der, von den Bürgern geschätzte Kopf der Bande ist in Wirklichkeit ein Vampir. Als er eines Tages in einen Hinterhalt gerät wird er getötet. Auch sein Lehrling Kageyama kann das nicht verhindert und kommt ihm zu spät zur Hilfe. Doch plötzlich erwacht Kamiuras Kopf wieder zum Leben und beißt Kageyama in den Hals. Auch er wird also zum Vampir und steht fortan auf der Abschussliste der Mörder seines Bosses.

„Yakuza Apocalypse“ klingt nicht nur ziemlich abgefahren, sondern wurde auch so inszeniert. Man könnte fast meinen, dass der Film von Sion Sono inszeniert wurde, stammt aber vom Altmeister Takashi Miike.
Und genau da beginnt mein „Problem“ mit dem Film. Denn die Werke des Regisseurs lassen sich bei mir ganz klar einteilen in großartige Meilensteine des (japanischen) Kinos und ganz großem Käse. Und die Vampir-Mafia-Sage gehört leider zu Letzterem.
Sind die Ideen noch schön abgefahren und einige der Charaktere wirkliche Knaller, ist der Film viel zu langatmig und undynamisch inszeniert.
Da können auch Gastauftritte von Yaya Ruihan, der schon aus den beiden „The Raid“-Teilen bekannt ist, nicht viel helfen. Ziemlich schade!

4/10 Punkte

Trailer

„Yakuza Apocalypse“ erschien erst vor kurzer Zeit in Deutschland auf DVD und Blu-ray. Extras sind nicht viele vorhanden, dafür ist das Behind the Scenes-Feature mit 60 Minuten recht umfangreich.

Filmlogbuch Nr.98- Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb

Familie Kobayashi hat sich endlich ihren Traum erfüllt: raus aus der kleinen Stadtwohnung, rein in das geräumige Haus in der beschaulichen Vorstadt!
Die Eltern genießen ihren neugewonnenen Freiraum, der Sohn lernt fleißig für die Aufnahmeprüfung an der Uni und Tochter Erika peilt eine Karriere als Idol an. Es könnte alles so schön sein, wenn da nicht plötzlich der Großvater mit ins Haus ziehen möchte.
Und von da ab beginnen die Probleme. Vater Katsukuni und die Familie verschwören sich gegen den Großvater und möchten das neue Freiheitsgefühl nicht mit dem alten Mann teilen. Am Ende knickt Katsukuni doch ein und kommt auf den tollkühnen Plan, dass er doch einfach unter dem Wohnzimmer einen weiteren Raum ausheben kann, in dem dann der alte Mann wohnen soll.
Überstürzt beginnt er mit dem Projekt und stiegert sich immer mehr in den Wahnsinn hinein. Als dann noch weiße Ameisen auftauchen, dreht er vollends ab und zündet fast das Haus an. Aber auch die restlichen Familienmitlglieder werden seltsam. Der Sohn wird immer jähzorniger was seine Lernerei betrifft, die Tochter(die eh schon immer von sich in der dritten Person spricht) möchte plötzlich Ringerin werden und der Großvater fällt in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurück.
Kann Kitsukuni die Familie noch vor der absoluten Katastrophe bewahren?

Ich gebe es zu, einige Klassiker des japanischen Films aus den 80ern und frühern 90ern sind bisher an mir vorbeigegangen. Dazu zählt auch „Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb“.
Dieser Wahnsinn, der hier abgerufen wird, kann so nur in einem japanischen Film stattfinden. Natürlich auch, weil typische Probleme der dortigen Gesellschaft thematisiert werden. Der Druck, dem man eigentlich schon im jungen Alter ausgesetzt wird, z.B. Oder eben das Platzproblem, das Privatsphäre nur selten zu lässt.
Dazu dann eben noch die wahnwitzige Inszenierung und die tolle Musik, die übrigens teilweise vom Regisseur selbst stammt. Ein Fest für japanophile Filmeschauer wie mich!
Und was die Familie Kobayashi am Ende dann doch wieder so sympathisch macht, ist der Fakt, dass man das doch alles vom Beisammensein mit der eigenen Familie am Mittagstisch kennt…

8/10 Punkte

Ein Trailer war leider nicht aufzufinden! Gibt auf Youtube aber ein paar schön schräge Szenen aus dem Film!

„Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb“ gibt es in Deutschland auf nur DVD. Jahrelang wurde diese für wenige Euro verkauft, ist mittlerweile aber seltener geworden.
Extras enthält diese leider nicht.